Monika Herrmann im Bunker: Diese französischen Bauern haben sich dafür entschieden, Juden aus Lyon zu retten

Monika Herrmann: „Einer der wichtigsten Orte Berlins! Danke für Eure hochspannende Führung.  Es ist wichtig, sich das anzuschauen und immer wieder vor Augen zu führen – auch wegen der Parallelen zu aktuellen Entwicklungen.”

Bürgermeisterin Monika Herrmann im Bunker, in dem sich die Dokumentation der Historiale gegen den Nationalsozialismus befindet – hier vor der Tafel über die Bauern in Le Chambon, die 5.000 Juden aus Lyon gerettet haben – einfacher Bauern, Protestanten im katholischen Frankreich, die sich dafür entschieden haben zu helfen.

Aus dem Bezirksticker Friedrichshain-Kreuzberg:
Monika Herrmann hat am Mittwoch, den 8. August, die Berlin Story im Bunker am Anhalter Bahnhof besucht. Das Haus beherbergt neben dem Berlin Story Museum über die Geschichte Berlins auch die umfangreiche Dokumentation „Hitler – wie konnte es geschehen“. Träger des Museums ist der gemeinnützige Verein Historiale e.V. Der ehemalige Hochbunker, in dem das Museum seinen Sitz hat, gehört dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg.

Die Bezirksbürgermeisterin ließ sich die Ausstellungen von Geschäftsführer Enno Lenze, dem Vorsitzenden Wieland Giebel und Bunker-Managerin Friederike von Leoprechting zeigen. Die Ausstellung über Hitler wurde kürzlich um eine Informationstafel zum ehemaligen Kreuzberger Bürgermeister Carl Herz ergänzt, der von den Nazis mit Gewalt aus dem Amt gejagt wurde. Das Bezirksamt und die Bezirksverordnetenversammlung hatten Dr. Carl Herz am 21. März im ehemaligen Rathaus Kreuzberg gedacht.
(Text und Foto Sara Lühmann)

Monika Herrmann, Bezirksbürgermeisterin, besucht den Berlin Story Bunker


Monika Hermann, die Grüne Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, besucht zusammen mit Sara Lühmann, der Pressesprecherin des Bezirks, den Berlin Story Bunker.

Enno Lenze (oben) erläutert die Geschichte des Bunker von außen – aber nicht so lange, denn es ist 39 Grad heiß.

Die Dokumentation „Hitler – wie konnte es geschehen“  stand im Mittelpunkt. Warum die Deutschen Hitler folgten, bis zum letzten Moment für den Führer kämpften und was das mit uns heute zu tun hat. Hier die symbolische Rekonstruktion des Raums, in dem Hitler Selbstmord beging (zweites Foto oben).

Angenehmer, weil erheblich kühler, war es tief unter der Erde im Verteilertunnel (rechts), durch den die Menschen während des Zweiten Weltkriegs in den Bunker kamen.

Bericht der Mitarbeiter vom Service

Aus dem täglichen Bericht der Mitarbeiter*innen vom Servicecounter:
Viele, viele Familien heute, meist englische, deutsche, dänische. Kinder wollen hierher. Wir haben heute auch wieder Lob für HWKEG und das Museum gehört, siehe auch die Einträge Gästebuch.
Heute sind auffällig viele junge Pärchen und auch Freundenspaare zu uns gekommen.
Um kurz vor 18 Uhr ist ein deutsches Ehepaar ( so Mitte 30er, schätze ich) zu uns gekommen. Sie haben sich gestritten, da die Frau zu  HWKEG wollte, der Mann aber dagegen behauptete, dass er über Hitler genug in der Schule gelernt hat, deswegen wollte er ins Museum.  Endeffekt:  die Frau hat den  Mann „besiegt“. Sie sind noch drin, zum Zeitpunkt, wo ich dies schreibe.

200.000 Besucher in „Hitler – wie konnte es geschehen“

Heute am Montag, dem 6. August 2018 kamen die 200.000sten Besucher, Familie Knudsen aus Dänemark. Herr Knudsen ist IT-Experte, sie ist Pädagogin. Die Kinder wollten in die Dokumentation. Bunker-Chef Enno Lenze vom gemeinnützigen Verein Historiale e.V. gratulierte mit einem Buchpaket, T-Shirts sowie einem Ticket, das zum lebenslang freien Eintritt berechtigt.

200.000 Besucher nach einem Jahr. Am 27. Juli 2017 eröffnete mit „Hitler – wie konnte es geschehen“ die umfangreichste Dokumentation über das NS-Regime. Durchschnittlich nehmen sich die Besucher 2.5 Stunden Zeit, um die 2.500 Quadratmeter auf drei Ebenen zu sehen. Ein erheblicher Teil bleibt vier Stunden – fast unvorstellbar. Die Besucher vergessen die Zeit in der dichten, nahezu andächtigen Atmosphäre des Bunker am Anhalter Bahnhof – ohne jegliche Ablenkung, ohne Smartphone.

Das Thema Nationalsozialismus ist direkt mit Berlin verknüpft. Von hier gingen Krieg und Holocaust aus. Besucher können sich heute in dieser bunten, friedlichen und toleranten Stadt kaum erklären, wie es damals war, wie es dazu kam, dass die Deutschen Hitler bedingungslos folgten und bis zum allerletzten Moment, bis zum Untergang für ihn kämpften. Darum geht es in „Hitler – wie konnte es geschehen.“

Der israelische Botschafter Jeremy Issacharoff sagte nach seinem Besuch: „I was very impressed and moved by my recent visit to the Bunker in Berlin that Enno Lenze and his colleagues set up. It reminds us of very dark memories of the Nazi regime and the Holocaust and is a extremely effective reminder of how we should combat any form of antisemitism, racism and xenophobia. Thanks Enno!“

„Ich war sehr beeindruckt und bewegt bei meinem jüngsten Besuch im Bunker in Berlin, den Enno Lenze und seine Kollegen eingerichtet haben. Es erinnert uns an die sehr dunkle Zeite des Nazi-Regimes und an den Holocaust. Die Dokumentation ist eine äußerst wirksame Mahnung, wie wir jede Form von Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit bekämpfen sollten. Danke Enno!“ Issacharoffs Vorgänger, der damalige israelische Botschafter, bat darum, sich die Dokumentation direkt vor der Eröffnung ansehen zu dürfen. Er blieb ebenfalls drei Stunden.

Für uns sind einige Punkte überraschend:

– Die Dokumentation ist für Familien aus vielen Ländern ein Ziel. Eltern kommen, um mit ihren Kindern über diese Zeit zu sprechen.

– Es besuchen uns weit mehr junge Menschen als wir gedacht haben. Den Schwerpunkt machen junge Leute zwischen 25 und 35 Jahren aus, Pärchen, kleine Gruppen, Einzelne.

– Die Mundpropaganda funktionierte schneller als wir es für möglich hielten. „Unsere Freunde sagten, wenn Ihr nach Berlin fahrt, seht Euch unbedingt diese Dokumentation an.“ Das hörten wir zum Beispile von Besuchern aus Adelaide (Australien), Vancouver (Kanada) und San Paolo (Brasilien).

– Seit Scoot fliegt, kommen viel mehr Besucherinnen aus Manila und Singapur – deutlich häufiger junge Frauen als Männer.

Wir wissen selbst sehr viel über die Besucher, weil wir laufend mit ihnen sprechen und weil die Mitarbeiterinnen im Service täglich einen Bericht über ihre Eindrücke, über die Besucher und deren Fragen und Hinweise schreiben. Immer wieder berichten wir darüber im Blog.

Zu den regelmäßigen Besuchern zählen auch Soldaten der Bundeswehr und NATO-Truppen sowie die Polizei und die GSG9. Wieland Giebel dazu: „Wir freuen uns, dass gerade diese Gruppen zu uns kommen, die unsere freie Gesellschaft schützen. In der Dokumentation sieht man, wie wachsam wir sein müssen und wohin blinder Gehorsam führen kann“. Antony Beevor, der bedeutende britische Militärhistoriker, besuchte die Dokumentation mit einer Gruppe aus Sandhurst.

Prof. Thomas Weber führte eine Gruppe seiner Universität Aberdeen durch die Dokumentation, die sich in wichtigen Teilen an seiner Forschung orientiert – wie Hitler Nazi wurde. Berlins Kultursenator Dr. Klaus Lederer kam zunächst dienstlich-solidarisch nach den Morddrohungen gegen Enno Lenze, dann lange mit Freunden. Burkhard Kieker, der Chef von VisitBerlin, nahm sich ausführlich Zeit und mit Dr. Hubertus Knabe, Chef der Gedenkstätte Hohenschönhausen, hatten wir bei seinem Besuch intensiven Austausch.

Die Dokumentation „Hitler – wie konnte es geschehen“ wird überwiegend von Individualtouristen besucht. Der Anteil von Gruppen beträgt knapp 7 Prozent. Die Besucher kommen aus Europa und der ganzen Welt.

Inland 48 %, Europa 29 %, Nordamerika 9 %, Südamerika 4 %, Asien 6 %, unklar 4 %

AudioGuides sind erhältlich in den Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch. Die AudioGuides unterscheiden sich wie die gesamte Dokumentation deutlich von rein wissenschaftlichen Darstellungen.

Enno Lenze: „Wir beziehen eindeutig Position: gesellschaftlich, politisch, persönlich. Das schätzen die Besucher.“

Fat Tire Tour am Berlin Story Bunker — erfreulich

A good city guide who actually reports what the bunker is about and what happened during the bombings. Well – you’re the first one that was really good.

Itinerar – die DVD, demnächst im Berlin Story Bunker

Harald Sandner, der Autor des Hitler-Itinerars, führt durch die beiden Teile der englischsprachigen Fernsehdokumentation von Megalie Mignot – exklusiv erhältlich im Berlin Story Bunker, nicht online. Der Film läuft ständig in der Dokumentation „Hitler – wie konnte es geschehen.“

Todesdrohungen gegen Bunkerbetreiber Enno Lenze – t-online berichtet

Lars Wienand berichtet im Nachrichtenportal von t-online über die 581 Todesdrohungen gegenüber Enno Lenze. Darin differenziert er die Drohungen aus dem deutschen rechten Spektrum, aus der Türkei und die Angriffe des IS an der Front in Kurdistan, Nord-Irak.

Erinnert sei außerdem daran, dass die gesamte, fast fertige Dokumentation „Hitler – wie konnte es geschehen“ im Berlin Story Bunker von türkischer Seite (nach Recherchen des nationalen Cyberabwehrzentrums) gehackt und vernichtet wurde. Das hat uns einen Monat Zeit gekostet und 20.000 Euro Schaden verursacht.

Tassilo-Gymnasium aus Simbach im Berlin Story Bunker

Petra Walter (links) mit sehr gut vorbereiteten Schüler aus der der 9. und 10. Klasse des Tassilo-Gymnasiums aus Simbach am Inn in der Dokumentation „Hitler – wie konnte es geschehen“. Anschließend fand eine ausführliche Diskussion mit außergewöhnlich intensiven Fragen statt.

„Warum ich Nazi wurde“ – 600 Nazis schreiben im Sommer 1934 ihren Lebenslauf, zusammen 3.700 Seiten

In diesem Buch geht es um die große Menge kleiner Nazis. Die Sammlung von Berichten des amerikanischen Professors polnischer Abstammung, Theodore Fred Abel, ist einmalig, es ist die wertvollste Primärquelle zur Frage, warum Menschen zu Nazis wurden, was zu ihrer Radikalisierung beitrug. Von den im Sommer 1934 geschriebenen ursprünglich 683 Berichten sind 581 erhalten.

Es gibt keine vergleichbaren Quellen, die auch nur annähernd an die Fülle des Materials von 3.700 Seiten, den Reichtum an Details, die Freimütigkeit der Darstellung und die Intensität der Lebensbeschreibungen heran kommt.

In diesen unmittelbaren Schilderungen findet sich ungefiltertes Gedankengut, nicht durch Scham späterer Erkenntnisse getrübt, durch Holocaust, Krieg und Untergang. Abel wollte wissen, wer diese Menschen sind, wie die Hitler-Bewegung in ihr Bewusstsein trat. Diese Biogramme beantworten erstmals in die Tiefe gehend Beweggründe und Haltung der Nazis.

„Warum ich Nazi wurde“ – jetzt vorbestellen.

Am 11. September 2018 erscheint dieses 928-Seiten-Buch. Das Buch auf dem Foto ein Vorabdruck. Wir prüfen, ob die Faksimiles, die Original-Briefe, gut lesbar sind.

„Dieser Schatz ist bis heute nicht angemessen ausgewertet worden. Die Analyse der 581 erhaltenen Zeugnisse früher Nationalsozialisten verspricht mehr Einsichten als die nächsten fünf oder zehn Hitler-Biografien zusammen.“
Sven Felix Kellerhoff, Historiker, Leitender Redakteur für Zeitgeschichte der WELT

„Die ‚Abel-Papers’ zeigen, wie die Nazi-Anhänger dem Aufstieg Hitlers entgegenfieberten, wie sie zugleich übersteigerten Nationalismus, Judenhass und Gewalt gegen Andersdenkende verklärten.“ Norbert F. Pötzl, Spiegel online

„Fast drei Jahrzehnte nach Abels Tod 1988 erreicht uns seine Dokumentensammlung aus den dreißiger Jahren wie eine Flaschenpost.“
Christian Staas, ZEIT

„Hitler-Anhänger sahen eine Gelegenheit, die im Ausland verbreiteten Vorurteile gegenüber der NSDAP abzubauen.“
Robert Bongen, Jennifer Lange, NDR PANORAMA