Book burning place – Das braune Berlin

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Während heute in zahlreichen Veranstaltungen an die Bücherverbrennung vor 80 Jahren erinnert wird, Sven Felix Kellerhoff eine volle Seite 3 der Berliner Morgenpost bekam und die englischsprachigen Stadtführer vor der immer wieder matten (Aktualisierung abends: neuen) Scheibe des Denkmals am „book burning place“ stehen, sind wir dabei, die zwei Auflage des „Braunen Berlins“ vorzubereiten, da die erste nach wenigen Monate fast ausverkauft ist. In der neuen Auflage werden einige Statistiken ergänzt, vor allem aber macht der Index Arbeit, der ab jetzt im Buch sein soll.

Martin Mende bespricht das Buch in den Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins 2/2013

Wieland Giebel (Hrsg.): Das braune Berlin. Adolf Hitlers „Kampf um die Reichshauptstadt“

In Berlin wird 2013 auf vielfältige Weise an den Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft vor achtzig Jahren erinnert. In diesem Kontext ist auch die vorliegende Dokumentation zu sehen. Als Grundlage diente eine Quellensammlung des Journalisten Sven Felix Kellerhoff, Autor zahlreicher Bücher zur Zeitgeschichte. Ziel ist, Quellen aus überwiegend nationalsozialistischer Provenienz über den Aufstieg der NSDAP in Berlin, ergänzt durch eine Kommentierung, einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Ausgewertet wurden schwerpunktmäßig politische Veröffentlichungen aus den Jahren 1920 bis 1933. Herangezogen wurde auch das von Goebbels 1933 herausgegebene Propaganda-Fotobuch „Das erwachende Berlin“, im vorigen Jahr von Wieland Giebel mit kurzen Erläuterungen neu aufgelegt. Als „lokale Quelle“ diente der heute schwer zugängliche SA-Stadtführer „Wir wandern durch das nationalsozialistische Berlin. Ein Führer durch die Gedenkstätten des Kampfes um die Reichshauptstadt“ von Julius Karl von Engelbrechten und Hans Volz aus dem Jahre 1937. Es ist sicherlich ein gewagtes Unterfangen, die Selbstdarstellung der NSDAP zum Schwerpunkt eines Buches zu machen. Das avisierte Ziel, den Leser vor Fehldeutungen zu bewahren und ihn für die Gefahren des Populismus zu sensibilieren, wird mit Sicherheit erreicht.

Der Anteil von nur 26 Prozent Stimmanteil für die NSDAP in Berlin bei der Reichstagswahl vom 6. November 1932 belegt, dass erst ab 1933 durch Terror und Gewalt ein „braunes Berlin“ geformt werden konnte. Insoweit ist der Buchtitel für die „Kampfzeit“ irreführend.

Berlin Story Verlag, Berlin 2012, 366 S., 24,95 Euro

Mehr zur Bücherverbrennung, die nur wenige hundert Meter vom Berlin Story Verlag stattfand, im Blog des Verlags …