„Bismarck“ – Buchbesprechung

Jonathan Steinberg, Bismarck. Magier der Macht. Propyläen Verlag, 752 Seiten, 15 x 23 cm – 29,99 EUR

Steinberg fragt, wie konnte jemand, der keine Partei hatte, der nie Soldat war, der über keine
Mehrheit im Parlament verfügte, der keine Massenveranstaltungen organisierte und der kein großer Redner war zum mächtigsten Mann Deutschlands und Europas werden? Er wertet intensiver, fast akribisch Briefe, Biographien und Tagebücher als andere aus, von Menschen die Bismarck liebten und fürchteten, um ein rundes Bild zu erhalten. Das macht
den Gewinn des Buchs aus. Wilhelm I. war 65 Jahre alt, als Bismarck in sein Leben trat, der als unmöglicher Typ galt. Bismarcks gesamtes Dasein, seine Karriere hing von da an am Verhältnis zum König. Steinberg erklärt die Persönlichkeit Bismarcks durch die „Souveränität eines außergewöhnlichen, gigantischen Selbst“ mit enormer Durchsetzungs- und Gestaltungskraft. Dass Steinberg eine Linie vom autoritären Bismarck zu Hitler zieht, ist überfl üssig, historisch Quatsch.