Berlin 1704 – Menschen, Häuser, Straßen, Geschichten — Buchbesprechung

1704 cover 462Martin Mende bespricht in den Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins das Buch „Berlin 1704“.

 

Gerd-H. Zuchold hatte keine Scheu vor Mammutprojekten. Nach der von ihm mit 360 Seiten umfangreich kommentierten Herausgabe des Buches von Anton Friedrich Büsching „Berlin, Potsdam, Brandenburg 1775“ 2006 nahm er sich den „Adreß Kalender Der Kön. Preuß. Haupt- und Residentz-Städte Berlin … Es kann als das früheste bekannte Berliner Adressbuch angesehen werden … Zur Finanzierung der neu gegründeten Akademie der Wissenschaften hatte der Kurfürst Friedrich III. am 10. Mai 1700 dieser Institution das Kalender- Herausgabe-Privileg erteilt. Zur Verkaufsförderung wurde seit 1702 den preußischen Untertanen der Besitz ausländischer Kalender ausdrücklich verboten.

 

Zuchold erkannte, dass der heutige Leser mit den Namen, Berufsbezeichnungen und Begriffen der damaligen Zeit nicht mehr viel anzufangen weiß. Daher erläutert er die abgedruckten Originaltexte mit sehr umfangreichen Hinweisen. Zunächst werden auf 120 Seiten die Mitglieder des königlichen Hofes und die Lage ihrer Wohnungen beschrieben …

 

Die zweite Abteilung des Adress-Kalenders ist Collegia und Ämtern vorbehalten und wird von Zuchold auf 320 Seiten kommentiert. Er erläutert die Aufgaben der Funktionsträger und liefert eine unglaubliche Zahl von biographischen Daten … Für den damaligen Leser war der Hinweis auf die Stempel-Papier-Kammer unweit der Werderschen Mühle westlich vom Schloss wichtig: Schreiben an Behörden durften seit 1682 ausschließlich auf gestempeltem Papier erfolgen. Die Erlöse flossen zur Hälfte der städtischen Armenkasse wie der Kriegskasse zu.

 

In der dritten Abteilung beschreibt der Herausgeber auf 30 Seiten die Angehörigen des Militärs, angefangen beim General-Feldmarschall Graf von Wartensleben und endend bei den Militärrichtern. Es folgen Angaben über die Gerichtstage, Postverbindungen und Vertreter des Staates an auswärtigen Höfen …

 

Der herzkranke Herausgeber Zuchold starb 2011, seine Lebensgefährtin Annegret Oesterlein stellte das Buch fertig …

Wer sich für Berlin Anfang des 18. Jahrhunderts interessiert, wird an dem vorliegenden Buch Freude und Inspiration haben. Die sorgfältig ausgewählten Stadtansichten und kleinen Ausschnitte aus dem berühmten Plan von Johann Bernhard Schultz (1688) lockern das Ganze auf.

Gerd-H. Zuchold /Annegret Oesterlein (Hrsg.): Berlin 1704 – Menschen, Häuser, Straßen, Geschichten aus dem ersten Berliner „Adress Calender“.Berlin Story Verlag, Berlin 2015, 584 S., 350 Abb.

 

Erhältlich in der Buchhandlung Berlin Story Unter den Linden 40 für Euro 49,95.