Beer Hall Putsch — 9. November 1923 — Beim Melken überrascht

Hitlerputsch in München am 9. November 1923. Die große Menge der kleinen Nazis – wie haben sie den Hitlerputsch erlebt. In „Warum ich Nazi wurde“ schildern sie das:

15 Nazis wurden in München erschossen; vier Polizisten und ein Zuschauer starben. Hitler floh und wurde später in der Villa seiner Unterstützer Ernst und Helene Hanfstaengl festgenommen. Die Putschisten überschätzten aus ihrer engen Münchner Perspektive ihre Stärke. Die New York Times brachte den Putsch sofort am 9. November 1923. Das war möglich aufgrund der Zeitverschiebung. Cyril Brown berichtete telefonisch. Der Redaktion war die Bedeutung sofort klar.

Aus der Perspektive von Hitlers Anhängern war es eine Katastrophe, dass der Putsch im Keim erstickt wurde. Nicht nur in München wollten die Nazis losschlagen, auch in Niederbayern und in Bremen.

Hans Thaysen, 28. Dezember 1900, stand 1923 beim Hitlerputsch in Bremen im Alter von 22 Jahren mit 45 Mann bereit, den Staatsstreich zu unterstützen. Er machte eine Lehre als Maler und Glaser und schloss sich nach der Entlassung aus dem Heeresdienst dem Freikorps Caspari und Gerstenberg an. Thaysen arbeitete auf einer Werft in Bremen. „Im Januar 1923 sollte der erste Aufmarsch von Adolf Hitler mit seinem Anhang stattfinden. Ich ließ mich überreden und machte zum ersten Mal als Mitglied des Hanseatischen Jungkorps den 1. Parteitag in München mit.“ „Es sickerte in Bremen allmählich durch, dass Adolf Hitler von München aus die Macht ergreifen wollte. Wir waren 45 Mitglieder und Anhänger der Idee Adolf Hitlers und hatten uns schon große Hoffnungen gemacht, dass die Revolution von Adolf Hitler ganz Deutschland überschwemmen würde. Wir standen mit Gewehr bei Fuß in Bremen am Tag der Erhebung in München. Abends gegen 11 Uhr kam die Nachricht durch, dass die Erhebung durch Verrat von Kahr und von Lossow verraten war. Wir vernichteten aufgrund dieser Nachrichten alle wichtigen Papiere.“

In Niederbayern auf dem Land bereiteten sich die Nazis ebenfalls auf den Putsch vor. Maria von Belli, geb. Freiin von Perfall, hatte mit ihrem Mann, der nach 1918 bei der Entmilitarisierung aus der Reichswehr entlassen wurde, einen Hof in Niederbayern. „Aber eines November morgens, als mein Mann seine Pferde fütterte, kam der Briefbote mit der Zeitung. In großen Lettern stand da von Hitlers Rede und Aufbruch in München! Ich sitze am Melken, wie mein Mann nur den ersten Satz vorliest, nichts weiter sagt, aus dem Stall stürzt, den alten grünen Hut nimmt und das Haus verlässt.

Nach Stunden kam er mutlos zurück. Verrat! Alles auf lange Zeit vorbei und schlechter als vorher! – Hitler! – Was jetzt! Hätte er unserer Männer Fäuste gerufen, wie wären sie befreit gewesen von lastender, kaum zu bändigender Kraft. Es war damals, als wäre in unserem Kreise ein Todesfall eingetreten, ein Kind gestorben, das sich Tat nannte und das nicht lebensfähig gewesen war.“ Seite 118/119