Antisemitismus-Veranstaltung der Werteinitiative

Heute lud die ‚Werteinitiative für deutsch-jüdische Positionen‘ zur Veranstaltung zum Thema Antisemitismus ein. Vor dem Podiumsgespräch zwischen dem Beauftragten der Bundesregierung gegen Antisemitismus, Dr. Felix Klein, und dem Vorstandschef der Axel Springer SE, Dr. Mathias Döpfner, richteten der Vorsitzenden der Werteinitiative Dr. Elio Adler sowie Staatssekretär Christian Lange als Vertreter der Bundesregierung mahnende Worte an die Besucher.

Schon bevor die Veranstaltung beginnt, wird einem die Bedeutung des Themas bewusst. Vor dem Eingang stehen bewaffnete Polizisten, drinnen private Personenschützer, welche Besucher begleiten. Die besonders gefährdeten Besucher sitzen zwischen ihren LKA-Beamten.

Die Positionen in dieser Runde waren klar: Christian Lange möchte, dass Kuwait Airlines die Landerechte entzogen werden, wenn sie keine israelischen Staatsbürger befördern wollen.

Dr. Klein sagt: “Wer sich antisemitisch äußert, steht abseits der Gesellschaft und muss sich dafür verantworten”. Bei der späteren Fragerunde des Publikums erklärt er, dass sein Büro bisher nur aus ihm sowie einer Sekretärin besteht und dass er keinerlei Recht hat, Menschen einzubestellen und auch kein Budget für eigene Studien oder ähnliches hat. Aber als erfahrener Beamter sichert er zu, sich diese Dinge von anderen Ministerien zu besorgen.

Dr. Matthias Döpfner zitiert zunächst Henryk M. Broder, welcher provokant aber doch gut gesonnen sagte: “Was soll ein Antisemitismus-Beauftragter machen? Darauf achten, dass die antisemitischen Spielregeln eingehalten werden? (…) So wie ein Wetter-Beauftragter das Wetter beobachtet?” Anschließend erhält Dr. Klein eine Ausgabe von Broders Werk “Der Ewige Antisemit” mit der Widmung “Möge ihnen gelingen, woran ich gescheitert bin„. Döpfner fasst die Lage aus seiner Sicht zusammen:
Wir sind am Tiefpunkt angekommen, was die Empörung über Antisemitismus angeht. Wir müssen die Flüchtlinge aufnehmen, die vor dem Krieg fliehen. Aber wenn dort teilweise Antisemitismus Staatsräson ist und sie das von klein auf lernen, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn sie das mitbringen. Und wir haben hier den rechten und linken Antisemitismus. Wir brauchen eine Null-Toleranz-Grenze für Antisemitismus. Das heißt nicht ‘Bei jedem neuen Fall eine neue Rede’ sondern ‘Bei jedem Fall eine Handlung!’” Döpfner erntet dafür den längsten Applaus des Abends.

Dr. Elio Adler sagt zu Dr. Klein: “Jeder Linke, Rechte und Stammtisch-Antisemit kann erklären, was genau das Problem mit den Juden ist. Das ist ja wie eine Massen-Psychotherapie, was sie da machen müssen. Können Sie das leisten? Sie brauchen dafür doch einen Expertenpool und das Budget!

Im Publikum befindet sich auch der jüdische Rapper Ben Salomo. Er berichtet kurz von seiner eigenen Erfahrung mit Antisemitismus in Deutschland und fragt: “Wie bekommen wir die Deutungshoheit über Zionismus zurück?
Dr. Klein möchte es lösen, indem man den Unterschied zwischen Antisemitismus und Antizionismus klar stellt. Ben Salomo möchte eher, dass man das Thema schon früh in der Schule aufgreift. “Wenn wir den Leuten nicht beibringen, was Zionismus und Antisemitismus ist, dann machen das Leute wie Kollegah

Charlotte Knobloch möchte von Dr. Klein wissen, wie er es mit der AfD hält. “Die AFD hat durch die Duldung antisemitischer Äußerungen stark zum Diskurs beigetragen. Es ist perfide, wie sie agiert und wir haben gesehen, wie das auf fruchtbaren Boden fällt. Wenn die AFD das Gespräch sucht, nehme ich die Konfrontation an, aber gehe nicht auf sie zu.” Es ist offensichtlich nicht, was das Publikum von ihm erwartet. Stille nach seinem Statement.

Das Schlusswort hat Rabbiner Yitshak Ehrenberg: “Dr. Klein, ich wünsche Ihnen viel Glück. Meine Erfahrung ist, dass die Leute nichts über Juden und Israel wissen. Wenn wir in der Synagoge eine Stunde mit den Menschen sprechen, gehen sie mit einem ganz anderen Bild raus. Ich habe in Frankfurt dreißig Minuten auf einer Taxifahrt mit dem Fahrer gesprochen. Er wusste vorher nichts. Am Ende sagte er, ich sei ein guter Botschafter für Israel!

Nach der ausgezeichneten zweistündigen Veranstaltung leeren sich die Reihen. Die Fahrbereitschaft des LKA fährt ihre Schützlinge nach Hause, die privaten Personenschützer geleiten ihre Klienten durch die warme Berliner Sommernacht und die anderen Gäste verlassen unter den wachsamen Augen der Polizei Berlins die Veranstaltung. Ein ganz normaler jüdischer Abend …