Andreas Nachama — Das Jahr 1934

Andreas Nachama, Chef der Topographie des Terrors, hält einen Vortrag über das Jahr 1934 unter den Nazis.

Viele Juden verlassen Deutschland. Es handelt sich nicht um Auswanderungen, es sind Fluchten. 1933 — 37.000 Menschen, das entspricht 7 Prozent der jüdischen Bevölkerung; 1934 — 23.000 Menschen, entspricht 5 Prozent; 1935 — 21.000 Menschen, entspricht 5 Prozent. Die Einnahme durch die Reichsauswanderungsteuer ist gigantisch, sie beträgt 1 Milliarde Reichsmark.

„Es kann sich Ende 1934 keiner mehr vorstellen, dass ohne Diktatur regiert wird.“ Die Nationalsozialisten haben 90 Prozent der Bevölkerung auf ihre Seite gezogen.

Nach dem Tod von Reichspräsident Paul von Hindenburg (86) am 2. August 1934 übernimmt Reichskanzler Adolf Hitler auch dieses Amt und läßt sich durch eine Volksabstimmung, ein Plebiszit, als Oberhaupt des Deutschen Reichs bestätigen. 89,9 Prozent stimmen dafür (Wahlbeteiligung 97,7 %). Gegenstimmen kommen aus den Großstädten: Hamburg 20,4 %, Lübeck 20,6 % Berlin 18,5 %, Aachen 18,2 % und Leipzig 14,9 %.

Selbst in den früheren Hochburgen der Arbeiterbewegung gibt es nicht viele Gegenstimmen, im Wedding 19,7 %, in Prenzlauer Berg und Neukölln je 19,5 %. Die Historiker meinen, so heißt es heute bei dem Vortrag, dass die Wahlberechtigten auch in der NS-Diktatur noch eine Wahl hatten. Zumindest 1933 und 1934 wurden bestimmte Standards von „freien“ Wahlen eingehalten.

Nachama erinnert daran, dass der „Röhm-Putsch“ als angeblicher Akt der Staatsnotwehr auch von der Reichswehr geduldet wird. Die Frage, warum die 4 Millionen Mitglieder der SA nach der Ermordung ihrer Anführer ( 100 bis 200) ruhig gehalten werden konnten, bleibt offen.