„Wer war Hitler“ — Jörn Seidel bespricht in der ZEIT den Film von Hermann Pölking


Erstmals nach vier Jahrzehnten kommt wieder eine Dokumentation über Hitler ins Kino. „Wer war Hitler“ wirft Licht dorthin, wo Historiker oft dunkle Flecken lassen.

Endlich hat ein Journalist den Film „Wer war Hitler“ von Hermann Pölking gesehen und berichtet mit Substanz darüber.
„Tunichtgut, Volksredner, Kriegsverbrecher“ – von Jörn Seidel in der ZEIT.

„… Wer war Hitler veranschaulicht den für eine „charismatische Herrschaft“ typischen Willen der Gefolgschaft, sich einer Autorität auch tatsächlich zu unterwerfen.

… Auch wie jene „charismatische Situation“ entstand, nachdem Hitler an die Macht kam, zeigt Pölking.

… Zu solchen TV-Dokus (ZDF, Guido Knopp) bietet Hermann Pölking einen Gegenentwurf. Er hat Wer war Hitler ausschließlich aus zeitgenössischem Bildmaterial montiert. Der Kommentar beschränkt sich auf wenige Erklärungen. Bild und Ton unterwerfen einander nicht, sondern nehmen aufeinander Bezug, mal illustrierend, mal kontrastierend, mal karikierend. Politisches und Persönliches verschleiern sich somit nicht länger, sondern stehen ergänzend nebeneinander. Und plötzlich fällt Licht auf die Geschichte, wo Historiker oft dunkle Flecken lassen.“

Jörn Seidel über Hermann Pölkings Film in der ZEIT …

So lange war ich noch nie in einem Museum – top!

„So lange war ich noch nie in einem Museum – top!“
vor 2 Tagen, Tripadvisor

Bewertet von Andrea W
Das Museum bringt ein Thema auf den Tisch, das sonst kein Museum macht: Hitler. Man hat eine absolute Chronologie, die fein säuberlich aufgearbeitet wurde. Es wird immer wieder auf Zitate aus „Mein Kampf“ eingegangen, die sodann widerlegt werden. Wir waren 2,5 Stunden in diesem Museum und es war einfach nur sehr spannend. Natürlich weiß man einiges über Hitler, aber an solche Details kommt man sonst nicht. Zudem wurde mit Verschwörungstheorien usw. aufgeräumt, was ich super fand. Das ist eigentlich ein Muss für jeden.“

Mal was lustiges mit Hitler drehen

Wegen der schlechten Erfahrungen in den vergangene Jahren lassen wir kaum mehr ein Kamerateam im Berlin Story Bunker drehen. Selbst bei den öffentlich rechtlichen fehlt es inzwischen oft an der notwendigen Seriosität. Wir machen Pressekonferenzen mit verpflichtender Anmeldung und schließen auch da Sender aus. So zum Beispiel einen polnischen Sender, der uns in der als Neonazis darstellen wollten oder einen argentinischen Sender, dessen Mitarbeiter unsere Mitarbeiter bedroht haben und gesagt haben, wenn sie nicht überall alles drehen dürfen (auch in den nicht zugänglichen bereichen), dann reden sie alles schlecht und raten vom Besuch ab. Die restlichen 110 Journalisten bei der Pressekonferenz waren normal – aber dennoch machen einen diese Fälle vorsichtig.

Vor Kurzem fragte eine Produktionsgesellschaft für das ZDF an. Sie wollten für eine Satiresendung bei uns etwas drehen – die Anfrage war unklar und komisch. An sich wollten sie eine Tour durch die Dokumentation “Hitler – wie konnte es geschehen” filmen und dann mit Besuchern sprechen und dabei Kostüme tragen. Aber auch auf Nachfrage war nicht ganz klar, worum es geht. Spätestens bei den Kostümen ist so eine Anfrage aber sehr auffällig. Heute lief dann die Sendung – wir sind froh unsere Dokumentation nicht unfreiwillig als Set für so einen Nazi-Blödsinn zur Verfügung gestellt zu haben.

Der letzte vermeintlich seriöse Dreh war mit Jamie Theakston von der BBC. Da sollte man erwarten, dass alles gut geht. Sie wollten etwas zur Geschichte des Gebäudes drehen und zu unserem ehrenamtlichen Engagement dort. Alles machte einen seriösen und normalen Eindruck. Sie waren professionell und Freundlich. Da es der Werbung für das Projekt dienen sollte, zahlten sie zwar eine Aufwandsentschädigung dafür, dass wir ein paar Stunden für sie den Bunker öffneten, mehr aber nicht. Alles ok soweit. In der ausgestrahlten Sendung hieß Enno Lenze auf einmal “Enno Muller” von der Berlin Story war keine Rede mehr. Dafür sagten sie, sie hätten am Rande Berlins einen verborgenen alten Nazi Bunker gefunden. Na vielen Dank.

Ein privater deutscher TV Sender fragte für eine große Sendung an, ob sie mit einer durchaus berühmten Band in der Dokumentation zum NS-Regime ein Musikvideo drehen könnten. Das fanden sie irgendwie lustig. Auf den Einwand, dass das weder lustig ist noch sinnvoll hieß es wieder: “Das ist aber Werbung für sie!”. Das glauben wir weniger.

Anfragen wie diese haben wir leider immer mehr. TV Teams brauchen an sich ein Set für eine Geschichte, die sie sich vorher ausgedacht haben oder einfach für etwas “lustiges”. Da haben wir leider keine Lust mehr drauf.

Der Bunker — das Pflichtprogramm

Bundeswehr in „Hitler – Wie konnte es geschehen“

Enno Lenze führt eine Einheit der Bundeswehr durch die Dokumentation „Hitler – wie konnte es geschehen.“

Polizeibattailon 101 — Jürgen Mattäus vom US Holocaust Memorial Museum in der Topographie

Dieses Foto am Ghetto von Lodz stammt von Bernhard Colberg, einem der Männer des Polizeibataillons 101. Sie fotografierten viel. Vorn die Herrenrasse. Die polnischen Polizisten hinter dem Zaun mussten knien.

„Ganz normale Männer“ wurden bei den Nazis zum Morden ausgeschickt. Von den 500 Männern des Polizeibataillons 101 aus Hamburg wollten zwölf nicht mitmachen, nicht auf die Jagd nach Juden in Polen gehen. Ihnen passierte nichts. Sie wurden als Kameradenschweine angesehen, als Feiglinge und Drückeberger, das war aber auch alles. Die anderen finden an zu morden.

Dieses Foto stammt von Bernhard Colberg, einem dieser Männer. Sie fotografierten viel. Die Fotos befinden sich im US Holocaust Memorial Museum in Washington. Jürgen Matthäus, Leiter der dortigen Forschungsabteilung und Mitglied im internationalen Beirat der Stiftung Topographie des Terrors, war zum Vortrag in die Topographie eingeladen, anhand von „erst jetzt zugänglichen Privatalben eines Angehörigen des Polizeibataillons 101 aus der Perspektive des Zeithistorikers zu beleuchten, welches Erkenntnispotential fotografische Quellen dieser Art innewohnt …“

Bei diesem Foto geht es um „Two members of Police Battalion 101 who are guarding the perimeter of the Lodz ghetto, view three Jewish policemen kneeling opposite them on the other side of the fence. One image from a photograph album belonging to a member of Police Battalion 101.“

Ergebnis des Abends: „Um zu wissen, was passierte, ist dieses Fotoalbum keine Quelle.“

Copyright: United States Holocaust Memorial Museum, Michael O’Hara, Second Provenance: Bernhardt Colberg, Collections: 1999.99.1

Hitler im Wachsfigurenkabinett in Indonesien

Hitler im Wachsfigurenkabinett soll der Bildung dienen.

 

Dieser Hitler vor einem KZ stand in der indonesischen Stadt Yogyakarta. Er wurde inzwischen entfernt.

Hitler als Wachsfigur kann man auch bei Madame Tussauds Unter den Linden besichtigen. Oder ein Stück weiter Unter den Linden im Deutschen Historischen Museum als Büste auf einem Denkmalsockel.

Bei uns nicht. In der Dokumentation „Hitler- wie konnte es geschehen“, gibt es nur eine zerschlagene Hitler-Büste. „We have a message!“ Hier sehen Sie, wie Enno Lenze die Hitler-Büste zerschlägt und auf den Müllhaufen der Geschichte verfrachtet.

Stilbruch rbb — zum Erbrechen

Schade, dass in dem Beitrag von rbb-Stilbruch so wenig über den Film „Wer war Hitler“ von Hermann Pölking kommt. Das hätte vorausgesetzt, dass die Redakteuere Justus Kaufhold und Christine Thalmann sich den Film ansehen. Den Eindruck vermitteln sie nicht. Der Film ist siebeneinhalb Stunden, die Kurze Fassung mehr als drei Stunden lang.

Der Film von Hermann Pölking ragt haushoch über alles hinaus, was es sonst an Filmen über Hitler gibt. Vom rbb wird er in eine Reihe gestellt mit den Fernsehdokumentationen, die ständig laufen. Gerade damit hat er nichts zu tun. Der Grad an intellektueller Durchdringung, an Recherche, an Filmmaterial – das alles ist so außergewöhnlich und einmalig, dass einem ganz klar wird – wenn man den Film kennt – dass weder die beiden Redakteure der Sendung noch der Publizist Claudius Seidl, der als Professor Schlaumeier auftreten darf, ihn gesehen haben. Bei Seidel merkt man, dass er die ersten Szenen gesehen hat. Darauf nimmt er ausschließlich Bezug, der Rest seiner Aussagen bezieht sich nicht auf den Film von Pölking, sondern auf Seidels Hitlerbild.

Ich kenne den Film. Die Siebeneinhalb-Stunden-Fassung habe ich mehrmals gesehen. Ich kann das beurteilen. Meine Meinung zu diesem Thema ist relevant. Die weitaus umfangreichste Dokumentation „Hitler – wie konnte es geschehen“ stammt von mir. Sie wird weltweit von den Medien gelobt. Dieses Lob hat der Film von Hermann Pölking mindestens ebenso verdient.

Premiere von „Wer war Hitler“ in Berlin ist am Sonntag, dem 19. November 2017 um 15 Uhr im Kino in den Hackeschen Höfen. Es wäre ja toll gewesen, wenn der rbb wenigstens darauf hingewiesen hätte mit dem aufklärerischem Aspekt : machen Sie sich selbst ein Bild, uns war das zu anstrengend.

Stilbruch, rbb, Link zur Sendung …

Helden der Geschichte — „Wer war Hitler“, ausführlich zum Buch …

Wer war Hitler, mehrere Trailer, umfangreiche Seite …

„Wer war Hitler“, das 784-Seiten-Buch zum Film, kommt beim rbb auch nicht vor.

Hitler – beinahe wäre er uns erspart geblieben, findet Thomas Weber heraus

Hätte, hätte – Fahrradkette.
Hätte die Kunstakademie in Wien Hitler aufgenommen, statt ihn zwei mal abzulehnen, wäre die Geschichte wahrscheinlich anders verlaufen, Hitler wäre Maler geworden.
Hätte die Deutschsozialistische Partei Adolf Hitler aufgenommen, hätte er sich nicht an die Spitze der schwächer geführten DAP setzen können.

„Im Herbst 1919 wollte ein österreichischer Kriegsfreiwillige namens Adolf Hitler der Deutschsozialistischen Partei beitreten. Warum das nicht klappte, hat jetzt ein Historiker in einer entlegenen Quelle entdeckt, Thomas Weber von der Universität Aberdeen“, so berichtet die WELT. Die im Mai 1919 gegründete DSP wollte Hitler aber nicht. Bald darauf, im September 1919, trat Hitler der deutschen Abeiterpartei DAP bei, wurde nach drei Monaten deren starker Mann, benannte sie in NSDAP um, schuf das Hakenkreuz … und wie es weiter ging, wissen wir – und wir zeigen es in der Dokumentation „Hitler – wie konnte es geschehen“ im Berlin Story Bunker. Der Bereich der Dokumentation, wie Hitler zum Nazi wurde, orientiert sich eng am gleichnamigen Buch von Thomas Weber „Wie Adolf Hitler zum Nazi wurde.

 

In der zuerst erschienenen deutschen Ausgabe ist diese Quelle aber noch nicht drin, erst in der soeben erschienenen englischsprachigen „Becoming Hitler: The Making of a Nazi“ von Thomas Weber.“

Johann Althaus berichtet darüber in WELT-Geschichte.

„Die DSP jedoch war nach ihrer Gründung im Mai 1919 in München wenigstens etwas professioneller geführt als die DAP. Mit Georg Grassinger sowie den beiden Zeitungsredakteuren Hans Georg Müller und Max Sesselmann hatte sie beruflich durchaus erfolgreiche führende Mitglieder. Sie hätten sich vermutlich nicht so leicht von Hitler vorführen lassen wie Harrer und Drexler.

Vor allem aber kam Hitler dem bislang übersehenen Zeugnis Grassingers zufolge als Bittsteller auf die DSP zu. Sein tatsächlich erfolgter Beitritt in die DAP erfolgte jedoch genau umgekehrt: Drexler bat ihn, Mitglied zu werden. Aus einer solchen Position war es natürlich einfacher, Einfluss zu gewinnen.

Selbstverständlich kann Weber nicht ausschließen, dass Hitler auch als DSP-Mitglied durch sein auf Zeitgenossen äußerst wirksames rhetorisches Talent aufgestiegen wäre. Doch ganz so problemlos und schnell wäre es vielleicht nicht gegangen.“

 

Kriegsverdienstkreuz — von Besuchern für die Dokumentation gespendet


Das Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern, für die Dokumentation „Hitler – wie konnte es geschehen“ von Besuchern zur Verfügung gestellt.

DANKE Nadine!

„Wir waren das erste mal im Berlin Story Bunker. Einfach super. Sehr informativ und verständlich über drei Etagen aufgebaut. Großes Lob an die Menschen hinter den Kulissen für ihre Arbeit und ihre Mühe. Ich freu mich, Euch einen kleinen Teil der Geschichte senden zu können und freue mich auf den nächsten Besuch bei euch.“

Dieses Kreuz wurde am 18.Oktober 1939 durch den „Führer“ und Reichskanzler Adolf Hitler gestiftet. Verliehen wurde das Kreuz in 2 Klassen für Verdienste, die eine Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuz noch nicht rechtfertigten. Das Kreuz wurde mit und ohne Schwerter verliehen. Mit Schwertern wurde es verliehen für den Einsatz unter feindlicher Waffenwirkung oder besonderer Verdienste in der Kriegsführung. Ohne Schwerter wurde diese Auszeichnung verliehen bei gleichen Verdiensten ohne feindliche Waffenwirkung.