Seltsame Fragen zu Silvester

Eine Mitarbeiterin holt mich, weil da jemand dermaßen spezielle Fragen hat, dass die Mitarbeiterinnen am Service-Counter überfragt sind:

„Ich komme aus Nord-Irland, County Down , und habe drei Frage: Warum kamen die Russen erst so spät zu Hitlers Bunker?“

Antwort: Sie wussten nicht, dass es den gibt und haben nicht aktiv danach gesucht. Die Amerikaner, die erst zwei Monate später kamen, vermuteten ja auch, dass sich Hitler außerhalb von Berlin versteckt hält.

„Wo ist das Gemälde „Friedrich der Große“ geblieben? Und wo die Blutfahne?“

Da muss ich bei beiden Fragen passen. Meiner Meinung nach ist das Portät Friedrichs des Großen von Anton Graff aus dem Bunkerraum, in dem Hitler Selbstmord beging, nicht wieder aufgetaucht. Und der Verbleib der Blutfahne hat mich echt noch nie interessiert. Bei der Frage dachte ich mir, wem geht so etwas denn durch den Kopf?

Workshop 75 Jahre Kriegsende

Wieland Giebel und Prof. Thomas Weber beim Workshop 75 Jahre Kriegsende 2020. Münster ist der passende Ort. Dort wurde mit dem Westfälischen Frieden der Dreißigjährige Krieg beendet.

Glückwunsch an die Staatsoper Unter den Linden

Glückwunsch an die Staatsoper Unter die Linden. Im Jahr 2019 waren es mit 247.000 Besuchern 12.000 mehr als im Vorjahr. Quelle: Tagesspiegel 27. Dezember 2019.

Die Förderung der Oper betrug (2018) 152 Millionen Euro. Quelle: Berliner Morgenpost 6. Januar 2018.

Pro Ticket wurde also ein Zuschuss in Höhe von 615 Euro aus Steuergeldern beigetragen. Quelle: Mein Taschenrechner.

Bunkerbesucher am zweiten Weihnachtstag

„Warum sind meine Lehrer damals nicht in der Lage gewesen, den Nationalsozialismus so klar und strukturiert darzustellen – mit allen seinen Konsequenzen. Das war besser als alles, was ich je zur Hitler-Zeit mitbekommen habe! Wir kommen aus Vancouver, aber meine Großeltern sind aus Kreuzberg, also türkisch. Deshalb habe ich mich auch so gefreut, dass im Berlin Story Museum so viel über Kreuzberg ist.“
„Wir sind aus Sidney. Erst war ich mir nicht sicher, ob wir mit den Kindern in Hitler – wie konnte es geschehen gehen sollen. Jetzt waren wir vier Stunden in der Dokumentation. Sehr, sehr vielen Dank dafür.“

„Unser Großvater war in Torgau dabei, wo sich die US-Army mit der Roten Armee getroffen hat. Deswegen wollten wir hierher. Wir kommen aus Utah. Meine Tochter unterrichtet englisch in Litauen. Dies ist unser wichtigster Ort in Berlin.“

Ich bedanke mich bei den Amerikanern. Mehr als 400.000 junge Amerikaner sind gefallen, um uns Deutsche von den Nazis zu befreien. Weil die Deutschen es nicht selbst geschafft haben – nicht einmal versucht haben.

Johanna Ruf, die letzte Überlebende des Lazaretts vor dem Führerbunker — Weihnachtsbesuch


„Damals war ich immer die Jüngste im Lazarett vor dem Führerbunker, also unter der Neuen Reichskanzlei. Jetzt bin ich die Letzte. Ich bin 90 Jahre geworden und hier im Heim habe ich ein schönes Zimmer mit Bad. Damals wollte ich helfen. Es gab so viele Verletzte, die wir gepflegt haben. Aus der Neuen Reichskanzlei konnte ich Essen schmuggeln. Wir sollten die Butter fingerdick aufs Brot schmieren, damit der Russe sie nicht kriegt. Mich und uns alle haben die Russen ganz in Ruhe gelassen. Sie waren freundlich zu uns. Danach habe ich mir nichts mehr sagen lassen. Ich war erwachsen geworden. Das beschreibe ich ja auch im Buch. Das Buch hat meinem Leben nochmal einen ganz neuen Drall gegeben. Auf einmal stand ich im Mittelpunkt und es gab noch eine lange, sehr gute Fernsehsendung mit mir.“
Johanna Ruf mit Wieland Giebel, Weihnachten 2019
Johanna Ruf: Eine Backpfeife für den kleinen Goebbels, Berlin Story Verlag

Visitors form the Netherlands

„Wir haben so wenig Zeit zusammen und jetzt waren wir hier mehr als zweieinhalb Stunden im Bunker. Es war eine gute Entscheidung, eine gute Lebenszeit. Wir kommen aus den Niederlanden. Dass diese Dokumentation uns so nahe geht, hätten wir vorher nicht gedacht.“

RRWB — Räterepublik West-Berlin

Set in 1968, a year after the murder of Benno Ohnesorg by police during a demonstration against the Shah of Iran, the book examines what would have happened if West Berlin had been taken over by leftists and turned into a Soviet Republic.  As the promotional blurb for the book makes clear, the republic is led by Rudi Dutschke, Horst Mahler, and Otto Schily and seeks to create a utopian, worker and student-led state. The petrified bourgeoisie flee from the city and hippies take over.

Gavriel D. Rosenfeld in: The Counterfactual History Review, New York

Nach der gelungenen Revolution wird Berlin zur weltweiten Hauptstadt der Drop-Outs, Desperados und Freaks.“ – ZITTY
„Einer der besten Berlin-Comics zu Berlin der letzten Jahre“ – TIP-Berlin

„Wer war Hitler“ — Die beste Dokumentation über Hitler, siebeneinhalb Stunden, täglich

Diese Dokumentation von Hermann Pölking läuft an jedem Tag von 10.30 bis 18 Uhr in einem kleinen Kino im Bunker. Der Eintritt ist im Ticket von „Hitler – wie konnte es geschehen“ enthalten. Es handelt sich um den weitaus besten Film über Hitler.
https://www.berlinstory.de/verlag/programm/drittes-reich/dvd-who-was-hitler-wer-war-hitler/

Visitors from England

Ashton – Prisca – Jordana – Vallon from Coventry and Nottingham: „We spend many hours in Hitler – how could it happen. Thank you for this unique documentary. Why were the Jews murdered?“ I can’t answer it. I don’t understand it. Racism, anti-Semitism are so strange to me.

Erfolge und Ausblick, Berlin Story Bunker und Verlag

Was war – was sein wird

75 Jahre Frieden – diesen Gedenktag begehen wir am 8. Mai 2020, in Berlin als Feiertag. In der langen Geschichte der Menschheit und angesichts der Lage der Welt heute sind 75 Jahre Frieden in großen Teilen Europas eine eher unwahrscheinliche Situation. „Es ist doch immer irgendwie gelaufen. Wird schon gutgehen …“ Eigentlich ja nicht. 

Sehr viel mehr Besucher im Berlin Story Bunker

Wir beschäftigen uns im Bunker und inzwischen auch im Berlin Story Verlag überwiegend damit, was in der Geschichte schiefgelaufen ist. Gut ist, dass wir dabei nicht alleine stehen. Unsere Dokumentation „Hitler – wie konnte es geschehen“ wird außerordentlich gut besucht – an 365 Tagen von 10 bis 19 Uhr. Noch besser ist, dass junge Menschen kommen. 70 Prozent sind zwischen 25 und 35 Jahre alt. Neu sind in diesem Jahr für den Audioguide die Sprachen NL, DK und RU – bisher gab es DE, EN, FR, IT, ES.

Richard Grenell – US-Botschafter in „Hitler – how could it happen“ im Bunker

U.S. Independence Day Celebration 2019 Commemorating the Luftbrücke 70th Anniversary

Zu Beginn des Jahres besuchte der amerikanische Botschafter Richard A Grenell den Bunker (hier mit Enno Lenze, rechts) und hielt uns an der Dokumentationstafel über den Widerstand einen spontanen Vortrag über Dietrich Bonhoeffer, den er als sein Vorbild sieht. Der Friede wurde möglich durch massives militärisches Eingreifen, durch die Landung der Alliierten in der Normandie. Mehr als 400.000 junge Amerikaner starben, um Deutschland vom Nationalsozialismus zu befreien und damit das blutigste Jahr der Weltgeschichte zu beenden. „Hitlers letztes Jahr“ heißt das herausragende Buch von Harald Sandner dazu. 

 „Warum ich Nazi wurde“– 12-Stunden-Lesung im Theater Darmstadt

Schauspieler und Sänger, Bürger und Politiker, Frauen, Männer und Kinder erinnerten diesen ganzen Tag lang daran, dass wir diese Zeit nie wieder haben wollen. Zum Gedenktag der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Januar 1945 veranstaltete das Theater Darmstadt 2019 eine 12-Stunden-Lesung aus „Warum ich Nazi wurde„. Mehr als 600 „Alte Kämpfer“, die früh der NSDAP beitraten, aber eher jung waren, schildern 1934 in ausführlichen Lebensläufen, wie sie zur Hitler-Bewegung gekommen sind. Es handelt sich um eine einmalige Quelle. Es gibt nichts Vergleichbares über die Motivation, Nazi zu werden. „Zum Verständnis des Aufstiegs der Nazi-Partei und zum ungeheuren Anwachsen ihrer Massenbasis ist das vorliegende Buch von größtem Wert, weil es eben zu jener bohrenden Frage hinführt, wie es, wie das ,Dritte Reich‘, geschehen konnte.“Bernhard Schulz, Tagesspiegel 7. November 2018

Eine 17-jährige aus Erfurt verliebt sich in einen SS-Mann

Intensiv gearbeitet haben wir an „Liebste Janni!“, den Feldpostbriefen eines deutschen Soldaten von der Front an seine Freundin in Erfurt. Er war freiwillig in der „Leibstandarte Adolf Hitler“. Janni hat auf ihn gewartet, sie heirateten. Janni wurde während seines Urlaubs schwanger. 

Über SS-Leute zu schreiben, ist immer noch ein Tabu. Zu leicht könnte man, wenn man sich nicht ausreichend distanziert, in den Verdacht ideologischer Nähe kommen. Aber nur, wenn man sich mit Tätern beschäftigt, kann man der Frage näher kommen, wie es geschehen konnte, warum diese Menschen Hitler folgten, warum sie töteten und bis zum letzten Moment für den „Führer“ kämpften. 

Verlagsleiter Norman Bösch hat umfangreich Quellen herangezogen. Wir haben die SS-Akte von Hans S. aus dem National Archives in Washington besorgt. Janni war dann am Ende des Krieges Witwe mit einem Kind. Richtig gut gelaufen ist es damals nicht.

Alice Frontzek, Herausgeberin, deren Großeltern Janni und Hans waren, liest aus dem Buch und diskutiert darüber zum Jahrestag des Kriegsendes am Donnerstag, dem 7. Mai 2020 um 20 Uhr in der Buchhandlung Peterknecht, Anger 28, 99084 Erfurt.

Bunkerchef Enno Lenze an der IS-Front in Kurdistan/Nordirak

Foto: Johannes Müller
Foto: Johannes Müller

Heute läuft es woanders nicht gut. Bunkerchef Enno Lenze war 2019 wieder mehrmals in Kurdistan im Nordirak. Aus Hong Kong schickte ihn die Polizei nach ihren Tränengasattacken und unter Drohungen nach Hause. Er sollte nicht weiter berichten. Die Berlin Story hat seit 14 Jahren ein Praktikums-Abkommen mit einer Uni in Hong Kong, an der er einen Vortrag hielt. Die Uni ist jetzt geschlossen worden.  Ab März 2020 kommen wieder zwei Praktikanntinnen aus Hong Kong zu uns, die derzeit in Leipzig und Frankfurt/Oder studieren.

Yad Vashem – Bunkermanagerin Friederike von Leoprechting in Jerusalem

Im Januar 2020 werden wir im Bunker die Ausstellung „Spots of Light – Women in the Holocaust“ aus Yad Vashem eröffnen. Bunkermanagerin Friederike von Leoprechting war 2019 in der Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem, um die Zusammenarbeit zu vertiefen. „This exhibition describes, in addition to various aspects of daily life, several mechanisms that supplied the victims with “air to breathe” in their struggle for survival ...“

Engagement auch für immer noch diskriminierte Menschen

Und, das kann man auch voraussagen: wir werden am Christopher Street Day wieder die größte Regenbogenflagge hissen, an dem Bunker, in den damals keine Homosexuellen durften. Das Foto sieht ein bißchen nach Photoshop aus, aber so riesig ist diese schöne Flagge echt. Regenbogen, gute Laune, politische Botschaft. Wir feiern gerne mit.

„Wer war Hitler“ – Siebeneinhalb Stunden Dokumentation über den Diktator

Im Bunker läuft jetzt in einem dafür neu eingerichteten, kleinen Kino an jedem Tag ab 10.30 Uhr die Siebeneinhalb-Stunden-Dokumentation „Who was Hitler – Wer war Hitler“, die im Verlag als 3-DVD-Box erschienen ist (deutsch/englisch), 39,99 €. Es handelt sich um die anspruchsvollste, einzigartige Filmdokumentation über Hitler, montiert aus kaum bekannten Quellen und kommentiert nur mit Originalzitaten.Hitler selbst und seine Zeitgenossen kommen zu Wort. „Plötzlich fällt Licht auf die Geschichte, wo Historiker oft dunkle Flecken lassen.“ Jörn Seidel, ZEIT. Der Filmemacher Hermann Pölking meint nicht, dem Zuschauer alles vordenken und vorsagen zu müssen. Prof. Thomas Weber war wissenschaftlicher Berater, ebenso wie bei Teilen der Dokumentation im Bunker. Diese 3-DVD-Box ist ausschließlich im Webshop der Berlin Story und im Bunker erhältlich. 

Neben dem Hitler-Itinerar, 2.432 Seiten Hitler Tag für Tag, so etwas wie der Terminkalender des „Führers“, ist die Herausgabe dieses Films eine weiteres herausragendes Projekt des Berlin Story Verlags. Das Hitler Itinerar gibt es auch als Ebook sowie ganz neu das Hitler-Itinerar als Softcover. Dabei kann man die Bände einzeln kaufen. Und 2020 erscheinen im Berlin Story Verlag alle vier Bänder einschließlich Text-CD in englischer Sprache für den Weltmarkt.

Die Charité – Ein Krankenhaus für Berlin

So schöne Kinderbücher gibt es im Verlag und in der Buchhandlung im Bunker: Das über die Charité und all die anderen Berlinbücher für Kinder 

1710 als Pesthaus von König Friedrich I. gegründet, sollte die Charité „aus christlicher Liebe denen armen Kranken beyspringen”. Die Charité platzte bald aus allen Nähten. Die Kranken lagen in völlig überfüllten Schlafsälen. In der Badewanne planschten Frösche, Medikamente gab es kaum. Und operiert wurde, wie überall auf der Welt, ohne Narkose, aber dafür vor Publikum. Heute staunt man, dass damals überhaupt jemand gesund wurde in der Charité.

Tatsächlich wurden aber viele gesund – und im Laufe der Jahre wurden es immer mehr und mehr. Denn zu allen Zeiten gab es in diesem Krankenhaus Menschen, die für ihre Patienten über sich selbst hinaus wuchsen. Sie pflegten die Kranken mit ganzer Hingabe. Sie riskierten Leib und Leben für den medizinischen Fortschritt und entdeckten völlig neue Zusammenhänge und Heilmethoden: berühmte Mediziner wie Rudolf Virchow, Robert Koch, Emil von Behring und Paul Ehrlich.

RRWB – Räterepublik Westberlin

Die irre Graphic Novel über die fiktive Räterepublik Westberlin, als die Linken 1968 die Macht übernahmen. Ein Jahr nach dem Mord an Benno Ohnesorg im Juni 1967 ist West-Berlin eine Räterepublik. Unter Führung von Horst Mahler, Rudi Dutschke und Otto Schily hat sich die Studentenbewegung weiter radikalisiert und den Klaus-Schütz-Senat weggeputscht. Lange Haare, freie Liebe. 

„Einer der besten Berlin-Comics zu Berlin der letzten Jahre“ – TIP-Berlin 
„Nach der gelungenen Revolution wird Berlin zur weltweiten Hauptstadt der Drop-Outs, Desperados und Freaks.“ – ZITTY

Ein Ausblick auf 2020: Bald kommt „Ich traf Hitler“, mehr als 500 Seiten Interviews aus den 1990er-Jahren von Karl Höffkes mit Menschen, die über ihre Begegnungen mit dem Diktator berichten: in München, beim „Hitler-Putsch“, in den Kampfjahren, während der „Machtübernahme“, auf dem Obersalzberg, an der Front und schließlich im Bunker. Sekretärinnen, Köchinnen, Militärs, Diplomaten. 

75 Jahre Frieden

75 Jahre Frieden in Deutschland. Unser Engagement gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung soll dazu beitragen, diese außergewöhnliche Situation ohne Hunger, mit all unseren demokratischen, lange erkämpften Freiheiten zu bewahren – es ist zentraler Teil unseres Lebens und hört nicht am Ende der Schicht auf.

Wieland Giebel, Enno Lenze und das Team aus dem Bunker und dem Verlag