Durchgängig empfehlenswert — enormes Hintergrundwissen — facettenreichen Lebensdarstellung

Mathias C. Tank bespricht in den Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins das Buch von Harald Sandner: “Hitler • Das letzte Jahr. Chronologie einer Apokalypse”, erschienen im Berlin Story Verlag 2018, 675 Seiten, 49,95 €.

Akribisch spürt Harald Sandner das groteske Leben und gegen Ende zerrinnende Naturell seines Protagonisten nach, der bis zuletzt als „Garant für den Endsieg” glorifiziert wurde. Dabei beschränkt sich der sachkundige Autor zeitlich auf dessen letzten Tage, letzten Wochen und Monate, das letzte Lebensjahr. Und er stellt populäre Fragen: „Wie verändert sich Hitlers Führungsstil?”, „Warum werden seine – teils irrsinnigen – Befehle scheinbar widerspruchslos befolgt?”, „Wann setzt zunehmender Realitätsverlust bei ihm ein?” Wie selbsttäuschend Hitler noch im Februar 1945, während eines massiven Alliierten-Luftangriffs auf die Reichshauptstadt, seine autokratische Position als ‚Führer und Oberster Befehlshaber der Wehrmacht‘ bewertete, bezeugt sein überzeichneter Anspruch: „Ich bin für Europa die letzte Chance!” (S. 382). Chronologisch schildert Harald Sandner die dramatischen Geschehnisse jener Zeit „aus der Sicht Hitlers und der Perspektive moderner Historiker”. Ergänzt um Zeitzeugenaussagen. Zwischendurch streut er ‚Gesundheitsbulletins‘ über die Krankheitsschübe des zuletzt im Bunker abgeschotteten Patienten ‚A.H.‘ ein (S. 236).

Harald Sandner, erfolgreicher Autor der ebenfalls im Berlin Story Verlag erschienen Mammut-Dokumentation „Hitler – Das Itinerar”, fasst die Ereignisse um Hitlers „schleichende[s] Ende” solide, kontrastreich und mit kritischen Reflexionen zu einer facettenreichen Lebensdarstellung ohne Maske zusammen. Kompetent fördert er zudem auch wenig bekannte Details, beispielsweise zu Hitlers Entscheidungsmentalität, zutage. Sein wohl assortiertes Buch bietet enormes Hintergrundwissen, basierend auf reichem Quellenmaterial und ausgewählten Publikationen. Eine besondere Beachtung verdient das teilweise unbekannte historische Bildmaterial. Alles in allem ist das voluminöse Buch durchgängig empfehlenswert!“