Rassismus in Berlin heute – Buchbesprechung

Shalicar_CoverEin Junge wächst im Wedding auf. Ihm wird erst richtig bewusst, dass er ein Jude ist, als seine arabischen Freunde ihn deswegen ausschließen und verprügeln. Seine Eltern waren aufgrund extremer Diskriminierung aus dem Iran ausgewandert. Das bereits 2010 erschienene Buch hatte ich damals nicht wahrgenommen.

Titel, Thesen, Temperamente: „Der Jude aus der Türken-Gang – für die Deutschen war er ein Kanake, für die Muslime ein Jude, für die Juden ein Krimineller aus dem Wedding. In seiner Autobiografie spiegelt sich die Geschichte der Diasporajuden ebenso wider, wie die Themen aus der aktuellen Integrationsdebatte.“

Beim derzeitigen Themenjahr „Zerstörte Vielfalt“ geht es um Opfer des Nationalsozialismus, hauptsächlich um Juden. Täter kommen beim Themenjahr nicht/kaum vor. So kann man die zentrale Frage nicht beantworten: „Wie konnte es geschehen?“ Wie konnte in einer zivilisierten Gesellschaft dieser Rassismus, diese Brutalität freigesetzt werden.

Das Buch von Shalicar zeigt brutalen Antisemitismus von Türken und Arabern heute (nicht von DEN Arabern und Türken) mitten unter uns, der öffentlich nahezu ausgeblendet wird. Es ist spannend zu lesen, sehr gut geschrieben.

dtv Werbung zum Buch …

Einige Seiten „Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude“ lesen …

Interview „Vom Atzen zum Militärsprecher“ des HipHop-Magazins mit Arye Sharuz Shalicar, mit Freunden aus der Sprayer-Szene und Gang-Mitgliedern sowie Links zu Filmen mit ihm als israelischer Armeesprecher …

„Ich bin ein Berliner“ ausgeliefert

Kennedy_Palette

Der 50. Jahrestag des Besuchs von John F. Kennedy am Mittwoch, dem 26. Juni 2013, wird in Berlin ein bedeutendes Ereignis sein.

Die Zeitungen werden Sonderbeilagen bringen, alle Medien werden darauf einstimmen, im Rathaus Schöneberg findet eine große, zentrale Veranstaltung dazu statt.
Dr. John Provan hat für den Berlin Story Verlag das Buch zum Kennedy-Besuch geschrieben.

Heute sind die Paletten angeliefert worden. Das Buch wurde sofort zu den Buchhandlungen gebracht und an die Menschen geschickt, die vorbestellt hatten.

Lesen Sie hier das Vorwort zum Buch, in dem die Bedeutung des Kennedy-Besuchs für die amerikanischen Soldaten in Deutschland, für die Berliner und auch für Kennedy selbst beschrieben wird.

Kennedys Übersetzer Robert H. Lochner, der Chef des RIAS, des Radios im amerikanischen Sektor, in fast der gesamten DDR zu hören, der zweite Mann der US-Mission in Berlin, vertritt in seiner Autobiografie „Ein Berliner unter dem Sternenbanner“ die gleiche These wie John Provan, „dass Kennedy diese gewollte Steigerung der Aussage (durch das deutsche: Ich bin ein Berliner) spontan unter dem Eindruck des überwältigenden Empfangs durch die Berliner gemacht hat.“ Robert H. Lochner war der Mann, der mit Kennedy diesen Satz im Büro von Willy Brandt in Rathaus Schöneberg geübt hat.

 

Ich bin ein Berliner – John F. Kennedys Deutschlandbesuch 1963

Kennedy NeuerscheinungGerade druckfrisch bei uns reingeschneit: Die Neuerscheinung „Ich bin ein Berliner – John F. Kennedys Deutschlandbesuch 1963“ mit einer extrem umfangreichen Visualisierung mit mehr als 100 Fotos.

U-Bahnhöfe Berlin auf Geo.de

U-Bahnhöfe Berlin – Berlin Underground Stations“ von Ulf Buschmann ist der aktuelle Aufmacher auf Geo.de. In dem Bildband werden zwanzig ausgewählte Stationen abgebildet. Sehr schön, vielen Dank!

Stadtführung Prenzlauer Berg

Nachdem ich bislang überwiegend in Museen unterwegs war, wurde es Zeit für eine kleine Abwechslung  – also habe ich mich für einen Stadtspaziergang entschieden. Und warum ausgerechnet im Prenzlauer Berg? Weil ich mich dort vorübergehend einquartiert habe. Außerdem habe ich als „Neuberlinerin“ noch nie so viele verschiedene Meinungen über einen Stadtteil gehört – Babyfabrik, Schickeria, Hipstergegend, langweilig, schönster Teil Berlins, junge Familien,… alles war dabei. Entweder wurde ich schief angeguckt, wenn ich von meiner „Zwischenmiet-Gegend“ sprach oder ich erntete ein „Ohh, wie schööön“. Wie dem auch sei. Nach ca. sechs Wochen kann ich sagen: Irgendwie stimmt alles ein bisschen. Der ca. zweistündige Spaziergang durch PrenzlBerg ist alleine schon wegen der netten Tourguides zu empfehlen (neben unterschiedlichen Anbietern kann auch zwischen verschiedenste Themen gewählt werden). Die ganze Zeit über herrschte eine lockere Atmosphäre, alle Fragen wurden ausführlich beantwortet. Der Spaziergang führt z.B. zum/r: Kollwitz- und Sennefelderplatz, Kastanienallee, jüdischer Friedhof und Kulturbrauerei und wer möchte, kann einen Abstecher am Konnopke’s Imbiss auf eine Curry-Wurst machen.
Der besondere Fokus liegt auf der Stadtgeschichte und der Wandel des Bezirks. Der Kiez mauserte sich vom Arbeiterviertel zum „G8-Viertel“, denn mittlerweile leben dort sehr viele besser-verdienende Familien und wurde zur kinderreichsten Gegend Berlins. Zwischenzeitlich wimmelte es von Aussteigern und Künstlern, Menschen die „anders“ waren. Kurz und knapp wurde also jede Phase mal durchgemacht. So langweilig wie manche sagen, klingt das doch eigentlich gar nicht, oder?!

17. Juni 1953 – Riesiges Lob für Jens Schöne, „Volksaufstand“ im Tagesspiegel

Volksaufstand_Cover_320Immer noch und immer wieder geht die Diskussion darum, wie der Aufstand am 17. Juni 1953 begann und ob er aus dem Westen manipuliert wurde.

Sehr ausführlich berichtet heute im Tagesspiegel Matthias Meisner darüber, besonders über die Positionen von Stefan Heym (Ost) und Egon Bahr (West).

Keiner von beiden erklärt oder kann erklären, wie es in 700 Städten, Orten und Gemeinden zu aufständischen Handlungen kam. Das erklärt aber Jens Schöne in seinem im Berlin Story Verlag erschienenem Buch „Volksaufstand“. Es beruht auf einer sehr gründlichen, die gesamte DDR umfassenden Untersuchung.

Matthias Meisner im Tagesspiegel dazu : „Der Historiker Jens Schöne, der gerade ein Buch zum Volksaufstand auf den Markt gebracht hat, sieht das anders. Die Rolle des Rias beschreibt er als „sehr ambivalent“. Die Unruhen in rund 700 Städten und Dörfern – insgesamt seien mehr als eine Million Menschen auf der Straße gewesen – erklärt er sich mit der „immer beschisseneren“ wirtschaftlichen Lage in der DDR, die SED-Führung habe über Monate „im Rausch des Klassenkampfes alle Warnzeichen übersehen“. Drahtzieher des Aufstandes im Westen wiederum habe selbst die Stasi nie ausfindig machen können – mutmaßlich, wie Schöne schlussfolgert, weil es sie gar nicht gab.“

Lesen Sie den vollständigen Beitrag von Matthias Meisner im Tagesspiegel …

Mehr zum Buch „Volksaufstand“ von Jens Schöne aus dem Berlin Story Verlag …

Zeitungsviertel – Führung des Kreuzberg Museums

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Sonntag, 26. Mai, 11 Uhr

Zeitungsstadt Berlin
Stadtführung auf den Spuren von Zeitungszaren, rasenden Reportern und Druckerschwärze
mit Nina Aretz

Treffpunkt: vor dem taz-Gebäude, Rudi-Dutschke-Str. 23, U-Bahn Kochstraße („Checkpoint Charlie“)

Im historischen Berliner Zeitungsviertel rund um die Kreuzberger Kochstraße wurde wortwörtlich Geschichte geschrieben. In der Blütezeit von 1900 bis
1933 galt dieses Quartier als der größte Presseplatz der Welt: Die Verlagsimperien von Ullstein, Mosse und Scherl, an die hundert weitere Redaktionen und unzählige Druckereien sorgten für Betrieb rund um die Uhr. Der Stadtrundgang zeigt neben den Spuren der glanzvollen Geschichte auch den neuen Schwung, den das jahrzehntelang durch die Mauer zerschnittene Viertel zur Zeit erlebt.

2 Stunden, die Teilnahme ist kostenfrei.

Die elfte Plage – Buch über Berlin-Touristen, Besprechung

Laudenbach, Plage

Stänkerer gegen Berlin kommen häufig aus dem Dunstkreis der Süddeutschen Zeitung. Das ist seit zwanzig Jahren so und jetzt wieder mit dem Buch „Die elfte Plage“ von Peter Laudenbach. Laudenbach schreibt für die Süddeutsche. Auf der Internetseite seines Verlags wird das Buch dann auch von der Süddeutschen gelobt: „Peter Laudenbach hat in einem spöttischen Essay die Verwandlung der Stadt in ein touristisches Eventangebot und kommerzielles Freizeittheater untersucht …“.

Die Kapitelüberschriften lauten: „Touristen sind eine Plage – Sie sind überall! Und sie werden mehr – Geschichte wird entsorgt.“ Und dann kommt als Sonnengestalt ausgerechnet Schulz „Last Man Standing: Franz Schulz“, also der ehemalige Bürgermeister von Kreuzberg.

In der Einleitung heißt es: „Fröhlich und ohne sich den Appetit zu verderben zu lassen, picknicken sie am Mahnmal für die ermordeten Juden … selbst die Benutzung der U-Bahn übersteigt ihre Fähigkeit … wer sie in den späten Abendstunden erleben durfte, … weiß, … dass es sich bei dieser Spezies um das von der Evolutionsbiologie lange gesuchte Missing Link zwischen Primaten und Homo Sapiens handeln muss.“

In der Wahrnehmung von Laudenbach gibt es nur Pinkel-Touristen und Ballermann-Wirte, er sieht Kreuzberg in eine Touristenhölle kippen, sieht als wichtiges Element im touristischen Berlin-Bild den rauen, etwas ungewaschenen Charme der Prekatiats-Boheme und zum Brandenburger Tor fällt ihm ein Sado-Maso-Historien-Horrorfilm von Lou Reed ein.

Leider gibt es das Buch in der Buchhandlung, weil es ein Berlin-Titel ist. Ich würde es unter den Tisch legen, weil ich selbstgerechte, menschenverächtliche Bücher nicht mag.

Monsanto-Demo vor der Berlin Story

montesantoAus der Serie „Demonstrationen vor der Berlin Story“ heute eine Demonstration bei Dauerregen gegen den Agro-Konzern Monsanto.