Freitag, 30. Juni 2006

Während des Elfmeterschießens Unter den Linden
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Zur gleichen Zeit im Laden
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Und nach dem 5:3 für Deutschland gegen Argentinien …
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Donnerstag, 29. Juni 2006

Die Tagebücher von Reichsgraf Ernst Ahasverus Heinrich von Lehndorff (1727-1811), dem Kammernherrn von Elisabeth Christine, der Gattin von Friedrich dem Großen, die er etwas ins Abseits ins schöne Pankow verfrachtet hatte, sollen eigentlich vor Weihnachten rauskommen. Veronica de Martino, unsere italienische Germanistin, arbeitet gerade daran. Jetzt stellt sich aber raus, daß es viel mehr Stoff zu Lehndorff gibt und daß ein Teil seiner noch nicht veröffentlichten Tagebücher von Gisela Langfeldt gefunden wurden, die im Heimatverein Pankow mitarbeitet. Darüber berichtete sie auch schon ausführlich in den Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, was wir wußten, aber nicht richtig berücksichtigt haben.

Immer hat man mit der Geschichte mehr Arbeit als geplant. Eine Konsequenz: wir werden im nächsten Rundschreiben an unsere treuen Kunden beschreiben, was wir in nächster Zeit planen, damit wir Tips möglichst früh bekommen.

Noch in Hinweis auf einen Berlin-Fan, der seine Zeit damit verbringt, sich der Geschichte der Stadt zu widmen und seine Arbeit der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Historische Stadtpläne findet man unter www.alt-berlin.info. Darauf wies uns freundlicherweise Dr. Ulrich Giersch von der Edition Panorama hin. Wir über legen, wie wir die Besetzung Berlins durch die Franzosen nach dem 27. Oktober 18006 außer in zwei Büchern auch noch als Karte darstellen können.

Mittwoch, 28. Juni 2006

Für Gottfried Benn, den Schriftsteller und Arzt, wird aus Anlaß seines 50. Todestages eine Gedenktafel enthüllt, und zwar am Mittwoch, dem 5. Juli 2006, um 18 Uhr vor dem Haus Mehringdamm 38/Ecke Yorckstraße, in dem Benn von 1917 – 1935 gearbeitet und gewohnt hat. Danach, gegen 18.30 Uhr, beginnt im benachbarten. Rathaus Kreuzberg in der Yorckstraße 4-11 unter dem Titel „dass ich nirgends anders wohnen möchte, als in der Belle-Alliance-Straße

Dienstag, 27. Juni 2006

Die Staatsbibliothek ist eifrig am Digitalisieren. Einen Teil der Karten und viele Fotos besonders von Friedrich Albert Schwartz kann man jetzt Online sehen unter http://berlinansichten.staatsbibliothek-berlin.de. Dort gibt es auch reichlich Links zu anderen Stellen mit Visualisierungsmaterial. Eine weiter Fundstelle zur Geschichte Berlins, besonders zu den Linden, findet sich auf www.pwruff.de/berlin/linden. Und wenn Sie dann die Links abgrasen, könnten Sie auch mal wieder unseren Webshop www.BerlinStory-Shop.de ansehen, der innerhalb von kurzer Zeit enorm gewachsen ist, weiter wachsen wird, nur vorrübergehend etwas weniger wächst, weil Samuel, der ihn füttert, zu einem längeren Wochenende zur Fusion will, dem jährlichen Musikfestival auf dem Lande.

Montag, 26. Juni 2006

Viel Presse momentan. Was bei uns im Tagebuch hier unten am 7. Juni gemeldet wurde, steht heute auch in der Morgenpost, diesmal mit Wieland Giebel in seiner Rolle als Anwohner. Das Börsenblatt des deutschen Buchhandels berichtete kürzlich über unsere Buchverschenkaktion und die Berliner Zeitung vom Wochenende schildert unsere Lage während der Weltmeisterschaft.
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Für die Morgenpost (26. Juni 2006) war Steffen Pletl dabei:
Oase mit viel Grün und Wasser. Die Rekonstruktion des Gartendenkmals Luisenstädtischer Kanal kommt voran. Derzeit laufen die Bauarbeiten am Engelbecken auf Hochtouren. Die Fertigstellung des Ensembles ist für 2010 geplant.

Berlins längstes Gartendenkmal, die Gärten und Wasserspiele, Plätze und Wege entlang des Luisenstädtischen Kanals, nimmt zusehends Gestalt an. Dort, wo vor mehr als 100 Jahren noch auf dem Wasserweg Material für den Neubau von Wohnhäusern in der Luisenstadt transportiert wurde, wachsen heute Zierpflanzen, bieten Gartenbänke Platz zum Ausruhen und verwandeln Wasserspiele die steinerne Innenstadt in eine Oase. "Wir haben mit dem Gartenamt über mögliche Gestaltungsvarianten diskutiert", sagt Anwohner Wieland Giebel. Das habe sich ausgezahlt. Tatsächlich: Der Anfang Juni fertiggestellte Waldpflanzgarten ist eine Augenweide. Vom Bethaniendamm aus können Spaziergänger besonders gut auf den Grund des einstigen Wasserkanals schauen. Daß dies möglich ist, haben die Anwohner durchgesetzt. Denn entgegen der ursprünglichen Planung wurde nun statt einer mehr als 1,50 Meter hohen Mauer ein Geländer entlang der alten Kanalmauer gesetzt. So ist der Blick immer frei auf die Blumenrabatten, Sträucher und Baumgruppen.

Das Börsenblatt berichtete am 1. Juni 2006 unter dem Titel „Schönstes Büchermarketing“
Dieses Buch lässt sich nicht nachkaufen – es wurde gedruckt für einen einzigen Tag. Die 240 Seiten sind gefüllt mit Auszügen aus zwölf Büchern des Verlags Berlin Story, und wer am 28. Mai das Bücherfest in Berlin besuchte, konnte es mit etwas Glück finden: 1000 Exemplare hatte der Verlag zwischen Brandenburger Tor und Museumsinsel versteckt. Baustellen gab es genug für das werbewirksame Suchspiel, gelbe Plastiktüten schützten die eingeschweißten Bücher. Außerdem legte Buchhändler und Verleger Wieland Giebel noch Lose für einen Freiflug über Berlin mit rein.

In der Berliner Zeitung, 24. Juni 2006, der Wochenendausgabe, schreibt Christine dankbar über die Lage des Einzelhandels während der WM: Fußball – und sonst gar nichts. Bilanz zur WM-Halbzeit: Fans meiden Läden und Hotels. Unternehmer hoffen auf die Zukunft.
Die Stadt ist voller Touristen, aber kaum einer von ihnen interessiert sich für Berlin – so hat sich Wieland Giebel die Fußball-Weltmeisterschaft nicht vorgestellt. "Der Laden ist leer, wir haben einen absoluten Kollaps", sagt der Inhaber der Buchhandlung "Berlin Story". Sein Geschäft in der Straße Unter den Linden liegt nur einen Steinwurf von der Fanmeile entfernt, auf der täglich Tausende feiern. Doch für seine Souvenirs und Berlin-Bücher, Stadtpläne und CDs interessieren sich die Fußballfans nicht. Schlimmer noch: "Mittlerweile kommen auch kaum noch andere Touristen bei uns vorbei", sagt Giebel. In die Ausstellung der "Berlin Story" verirrten sich trotz freien Eintritts nur noch wenige. Als "absolut katastrophal" beschreibt Giebel seine derzeitige Geschäftslage, "das lässt sich auch in den nächsten Monaten kaum noch reinholen".

"Eher mau"
Ganz so negativ wollen sich andere Einzelhändler, Hoteliers, Kino- und Museumsbetreiber nicht äußern. Die meisten von ihnen erklären lediglich, dass die Nachfrage zumindest in der Zeit zwischen den in Berlin stattfindenden Spielen "doch eher mau" ist, wie es KaDeWe-Sprecherin Petra Fladenhofer formuliert. Doch für die meisten von ihnen ist schon jetzt zur WM-Halbzeit klar: Die Fußball-Weltmeisterschaft ist für sie ein Verlustgeschäft – jedenfalls in diesem Jahr.

Das zeigt sich besonders krass an der Auslastung der Hotels. Die Berliner Tourismus Marketing (BTM) hat in ihren 380 Partnerhotels nachgefragt und niederschmetternde Zahlen erhalten: Bei gerade mal etwas über 50 Prozent liegt die Auslastung der Häuser. Sonst sind im Juni wenigstens 60 Prozent der Betten belegt. …

Ein WM-Revival? Andere überlegen schon, wie man die Bilder gut gelaunter Menschen vor dem Brandenburger Tor für ein Berliner Ereignis im nächsten Jahr vermarkten könnte. Willy Kausch, Organisator der Fanmeile und der Silvesterfeiern am Brandenburger Tor, würde am liebsten zu einem WM-Revival im nächsten Sommer einladen. Wieland Giebel von der Buchhandlung "Berlin Story" wäre allerdings so etwas wie die MoMA-Ausstellung lieber. "Diese Berlinbesucher würden dann auch zu uns kommen."

Sonnabend, 24. Juni 2006

Es würde an seelische Grausamkeit grenzen, die Mitarbeiter im leeren Laden zu halten. Unter den Linden ist es leergefegt wie in allen Straßen. Wir schließen um 17 Uhr und sehen uns Deutschland:Schweden 2:0 an. Beim Viertelfinale gegen Argentinien am 30. Juni wird es nicht anders sein.

Freitag, 23. Juni 2006

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In dieser Idylle arbeiten die Abgeordneten in ihrer Bibliothek, eher wohl deren Referenten und Mitarbeiter sowie die Angestellten des Bundestags. Wir waren heute beim Geschichtsreferat, um über die Historiale zu sprechen.
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Wenn man so einen schönen Hof hat, muß man einfach Party machen. Party-Queen war heute die neue Chefin des Stadtmuseums, Dr. Franziska Nentwig, trotz der langen Festvorbereitungen und ständiger Gespräche glänzend auftretend und frisch wie aus dem Ei gepellt.

Mittwoch, 21. Juni 2006

Zwei Mails an uns, unbestellt: „Hallo, ich bin seit Jahren jedes Jahr mindestens einmal in Berlin und jedesmal stöbere ich bei Ihnen stundenlang und habe schon eine große Anzahl an Büchern bei Ihnen gekauft und bin jedesmal freundlich und kompetent beraten und behandelt worden. Einen herzlichen Gruß, A. K. aus Gelsenkirchen.“

„Sehr geehrte Damen und Herren, die bestellte Ware ist bei mir am Samstag den 10.06.2006 eingegangen. Vielen Dank fuer Ihre prompte Lieferung. Toller Service! Überweisung wurde heute durch Volksbank getaetigt. Mit freundlichen Gruessen, Ewald K.“

Dienstag, 20. Juni 2006

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Die Innenwelt und die Außenwelt. Dreinull gegen Ecuador. Tolles Spiel. Tanzen auf dem Autodach. „Ausziehen! Ausziehen!!“ Das ist aber mehr Quatsch, so ein reflexartiger Ruf. Die jungen Mädchen lachen dazu. Und in der Innenwelt, abgeschirmt in unserem Hof, wagen wir in diesem Moment ernsthaft die Frage zu stellen, ob Berlin eine monatliche Geschichtszeitung braucht, wie sie heißen wird, was sie kostet, wann der Start sein wird, ob wir möglicherweise die Anzeige einer schicken Küchenzeile aufnehmen sollen oder lieber nicht. Wäre das schön, würde unsere Zeitung so populär, daß sich ein Küchenhersteller mit dem Gedanken tragen würde, darin Reklame zu machen. Frau Dr. Gerhild Komander trägt die Konzeption vor. Es sieht ganz danach aus, daß wir die Stadt ab September mit dieser Zeitung im Format der Motz beglücken werden.

Montag, 19. Juni 2006

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Da rechts auf dem Trottoire liegt das historische Miststück, da links sind die Helden des Tages bei über dreißig Grad Hitze am schuften. Um 9 Uhr ruft Joest Feenders an, es stimme was nicht mit dem Strom. An manchen Stellen sei er da, an anderen nicht. Das hatten wir schon mal, da ist eine der drei Phasen weg. Joest wollte eigentlich einen Computer im Büro der Historiale installieren und das neue Büro für den Vertrieb vorbreiten. Es wird nicht besser, ich fahre in den Laden, hole unseren Elektriker Manne, der mit dem Motorrad anbraust und alles durchprüft: Es kommt eine Phase erst gar nicht bei uns an. Vattenfall rette uns! Die retten uns aber nicht direkt, sondern klemmen den Strom ganz ab. Alles ist dunkel, der Laden den ganzen Tag hindurch, die Kasse geht nicht, Kaffee gibt es nicht, aber alle aus dem Verlag dürfen in den Biergarten. „Ein schönes Museum haben Sie hier im Keller, Anfang des vorigen Jahrhunderts“. Damit ist unsere Haussicherung gemeint. Dann kommt die Buddeltruppe, sucht die fehlerhafte Stelle, gräbt den Gehweg auf und nimmt ein aus den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts stammende Verzweigung raus. Gut achtzig Jahre alt. Meine gleichaltrige Mutter muß auch gelegentlich zum Arzt. Das solide Kupferkabel, sagen die Arbeiter, sei eigentlich sehr unanfällig gegen Störungen. Abends, als wir zumachen, ist wieder Strom da.
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Gut dreißig Leute bei einer Lesung während der Weltmeisterschaft. Ich hatte mir schon tröstende Worte für Michael Bienert zurechtgelegt, aber es kam ganz anders, überraschend voll, überraschend ausdauernd. Im Zentrum für Berlinstudien führt Peter Borchardt ins Thema 1806 ein, Michael Bienert bereitet sich vor, berichtet vor über dreißig Besuchern (echt, nicht geflunkert) und wird anschließend erbarmungslos mit Fragen gelöchert, wie genau das technisch möglich gewesen sei, ein Buch nachzudrucken, das man nicht kopieren durfte und welche Teile er warum gestrichen hatte. Derweil kam der Beginn des Spiels Spanien gegen Tunesien immer näher, aber die Zuhörer wurden dadurch nicht unruhiger. Anschließend sahen sie sich das Original des Buchs aus dem Jahr 1806 an, das Herr Borchardt noch zum Beschnuppern aus der Vitrine holte. Gelungener kann ein Abend ja wohl kaum sein.