Dienstag, 31. Januar 2006

Unser Beitrag zur Debatte über den Feinstaub in der Stadt: Wir haben auch reichlich davon, viel mehr als im Sommer, unangenehmer, auf allen Büchern und bis in die letzte Ecke – obwohl die Eingangstür fast immer zu ist. Der Staub ist schmieriger als sonst, man kann ihn nicht so gut wegputzen, sondern muß ihn richtig wegwischen. Das spricht dafür, daß stimmt, was die Medien berichten, es handele sich um Staub aus polnischen Kohlekraftwerken. Wenn Tomasz das liest, früher Mitarbeiter bei uns, heute wieder in Krakau, wird er sich gleich entschuldigen wollen. Das ist nicht nötig. Polnische Braunkohlekraftwerke sind uns lieber als schrottige Atomkraftwerke in Tschechien.
 

Montag, 30. Januar 2006

Mir erzählen die Kunden immer die schönen Geschichten: Wie ein Herr damals, als er Student war, in Ostberlin als Stadtbilderklärer arbeitete, am Checkpoint Charlie in die Busse mit Westbesuchern steigen mußte, um die westberliner Stadtbilderklärer abzulösen, die das Stadtbild Ost nicht erklären durften, und wie ihn eines Tages ein DDR-Grenzposten am Übergang zur Seite nahm und sagte, er soll doch während der Fahrt lieber keine DDR-Witze erzählen, auch wenn die noch so lustig seien und er damit gut ankäme.
 

Sonntag, 29. Januar 2006

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Man könnte meinen, es kämen jetzt nicht so viele Besucher. In Australien sind aber gerade Sommerferien, wie man hier an den eingemummelten Gestalten sieht, die sich von Victoria etwas über das Dritte Reich erzählen lassen und wie es in den anderen europäischen Staaten mit den Juden war. Wir haben heute überproportional viele Bücher verkauft, schöne Titel, das freut uns immer.

Sonnabend, 28. Januar 2006

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Deutsche Städte auf alten Plänen, hier Hannover im Jahr 1907. Vorsichtig weiten wir den Geschichtsteil weiter aus. Jetzt haben wir die historischen Pläne von Pharus ständig vollständig im Angebot

Donnerstag, 26. Januar 2006

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Zum letzten Neujahrsempfang, gleichzeitig zum interessantesten, rundum gut durchdachten, lud York von Pannwitz im Namen der Vivico Berlin ein, unser ehemalige Vermieter. Es war ein zukunftsorientierter Abend mit dem Weltmeisterteam der Humboldt Universität im Roboterfußball, mit außergewöhnlichen Häppchen von Pret-a-Diner wie Muskatkürbis süß-sauer mit Meerwassergelee oder Red Snapper mit Tahiti Vanille.
 
Im Mittelpunkt des Abends stand ein Vortrag von Trendforscher Matthias Horx darüber, wie es einmal werden wird. Daß wir alle acht Jahre älter werden als wir denken; daß mit Asien ein Megatrend auf uns zukommt, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch mit Thai-Imbiß und Feng Shui Autobahntankstelle; daß das mittlere Heiratsalter in Berlin jetzt bei 32 Jahren liegt; daß Männer ihr Auto lieben, weil sie darin endlich Ruhe haben; daß die Gesellschaft weiblicher wird und Frauen einen höheren Bildungsgrad erreicht haben als Männer; wie man Fun Single von weiblichen Panik Single über 30 Jahren unterscheidet, die einen Mann suchen, der gut aussieht, wohlhabend ist und auch noch das richtige soziale Verhalten zeigt. Da wird es auf dem Männermarkt eng, meint Horx, der Zukunftsentertainer, der wahrscheinlich überwiegend vor Männergemeinden doziert und seine Kunden kennt.

Mittwoch, 25. Januar 2006

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In diesem schönen, klassizistischen Haus hat die Sängerin von Friedrich dem Großen, Gertrud Elisabeth Mara, viel Zeit verbracht. Mara kam 1771 nach Berlin, startete an der Oper ihre europäische Karriere, ging später nach Paris und lange nach London, kam nach Turin und Venedig, später nach Moskau. Beim Brand von Moskau, als die Stadt angezündet worden war, um Napoleon 1812 ins Leere laufen zu lassen, verlor sie ihr Haus, ging nach St. Petersburg, später nach Reval, wo sie von 1815 bis 1833 lebte. (Genau die Jahre, in denen Schinkel in Berlin wirkte.) In diesem Haus des baltischen Gutsbesitzers und Landrats Baron von Kaulbars war sie häufig und lang zu Gast und unterrichtete die Töchter. Die Stadt heißt heute Tallinn, die Straße Kothu, in dem Haus befindet sich ein Gericht.
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Mara selbst lebte eigentlich nicht weniger angenehm, aber etwas preiswerter in diesem Haus mit dem Balkon in der Breit Straße, heute Lai. Das Stadtbild, die engen Straßen, die jetzt schön renovierten Häuser und das Schloß im Hintergrund wirken wie damals, wie vor fast 200 Jahren.

Dienstag, 23. Januar 2006

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Georg Friedrich Prinz von Preußen, wenn er zurück zu seinen Wurzeln möchte und die Burg Hohenzollern (unser Buch im Webshop) zu weit weg ist, kommt gern bei uns vorbei, weil wir den größten Fritz der Stadt haben -:). Der steht im Schaufenster, aber es war heute so kalt, daß wir doch lieber im Laden geblieben sind, wo Theresa Henning dieses Foto gemacht hat. Kurt Geisler, der Experte für Berliner Stadtgeschichte und Autor der aktuellen Veröffentlichung über den Berliner Dom, bereitet gerade einen Beitrag für die Welt am Sonntag vor. Deswegen war der Prinz zusammen mit Michaela Blankart, der Beauftragten des vormals regierenden Preussischen Königshauses, in der Buchhandlung.
Hinten links lugt Gert Kinnemann hervor, unser historischer Militärberater, mit dem wir zuvor im Nikolaiviertel waren um zu planen, wie wir dort im Spätsommer (im Rahmen der Historiale) das Jahr 1807 darstellen können, das Jahr der Besatzung Berlins durch die Franzosen.

Sonntag, 22. Januar 2006

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Zum Glück fand der überwiegende Teil der Enthüllung der Gedenktafel für das Gotteshaus der Jüdischen Reformgemeinde im Wintergarten des Media Centre in der Johannisstraße hinter dem Friedrichstadtpalast statt. Draußen waren es 10 Grad minus, sibirische Kälte. Am Flügel spielt mit klammen Fingern Prof. Dr. Andor Izsák vom Europäischen Zentrum für jüdische Musik in Hannover. Was traditionell jüdisch und was reformjüdisch ist konnte er wunderbar musikalisch darstellen, spielen und singen. Zur jüdischen Reformgemeinde gehörten zahlreiche aufgeklärte Wissenschaftler und Künstler, die Verleger Familie Mosse, Sigismund Stern, Julius Oppenheimer. Seit 1845 wollten sie ihr Judentum statt in erstarrten Ideen und veralteten Formen im Einklang mit den Herzen und zeitgemäß leben. Die Reformgemeinde war später eher deutsch-national, vom Gedanken getragen, in Deutschland aufgehen zu können. Heute gibt es weltweit zwei Millionen Reformjuden. Fast hundert Gäste kamen an diesem Sonntagmorgen.

Sonnabend, 21. Januar 2006

Die dritte Auflage der englischen Ausgabe des Führerbunkers von Sven Felix Kellerhoff kommt aus der Druckerei. Auch dieses Buch hat Norman Bösch ganz neu gestaltet in der Art, wie unsere Bücher jetzt sind. Selbst bei historischen Büchern ändert sich bei den Neuauflagen etwas. Hier ging es einerseits um die Resonanz auf den Film „Der Untergang“, der bei Erscheinen des Buchs erst geplant war und für den unser Buch eine Quelle war. Andererseits ist das benachbarte Mahnmal für die ermordeten Juden fertig gestellt worden.
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Freitag, 20. Januar 2006

In der heutigen Ausgabe der Wochenzeitung Freitag bespricht Erhard Schütz das Buch von Gianluca Falanga [www.Humboldt-Universitaet-Buch.de]: „Das Vorlesungsverzeichnis der Humboldt-Universität hat bei allem Vorbehalt gegenüber seinem Informationswert zweifellos den Vorzug, dank seiner Beliebtheit bei Touristen eine Einnahmequelle der Universität zu sein. Ob das Buch von Gianluca Falanga ihm den rang ablaufen wird, ist schon angesichts des Preises fraglich. Immerhin enthält es das Kunststück, die schieren Listen des Vorlesungsverzeichnisses in zusammenhängende Sätze überführt zu haben. Ergänzt wird das um Porträts zur Geschichte von 1810 bis heute … Die texte sind so dosiert, daß man sie selbst im 100er Bus jeweils zwischen zwei Schlaglöchern oder zwei Ellenbogenstößen bequem lesen kann.“