Montag, 19. Dezember 2005

Großer Bahnhof für ein großes Buch. Und große Freude bei allen, die das Buch vorstellen durften, nämlich den 358 Seiten dicken Denkmalführer Moabit, Hansaviertel und Tiergarten. Die Bände über Mitte und Wedding erschienen bereits 2003 und 2004, sie sind ein Renner bei uns. Den Teil über den Tiergarten stellte Dr. Klaus von Krosigk vor, der Leiter der Gartendenkmalpflege. Prof. Dr. Jörg Haspel leitete das vorweihnachtliche Treffen, das in der (alten) Akademie der Künste gar nicht zur Party wurde, weil es noch so früh war und keiner Champagner mitgebracht hatte, nicht Bürgermeister Zeller, nicht Baustadträtin Dubrau und auch nicht der Verleger Michael Imhof.
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Bei ihm kann man das auch verstehen kann, denn er hat das schöne Buch finanziert und die erste Flasche kann man aufschäumen lassen, wenn die erste Auflage verkauft ist. Wir tun unser bestes. Im gesamten Fusionsbezirk Mitte, so der Landeskonservator, gibt es über 100 Denkmale, also auch unter Denkmalschutz stehende Häuser, Parks, und natürlich solche auf dem Sockel. Für die Denkmalpfleger selbst sind die Bücher nützlich, wenn es darum geht, Hausbesitzern zu erklären, daß man sich nicht besonders auf sie eingeschossen hat mit ihrem historischen Gebäude, daß andere auch erst darunter leiden, denkmalentsprechend restaurieren zu müssen, sich dann aber zu den stolzen Eigentümer eines Denkmals zählen dürfen. Bürgermeister Zeller weiß von den vielen Besuchern, die er empfängt, daß unser Denkmalschutz in Berlin längst zum Exportartikel geworden ist. Es gibt nichts Vergleichbares zu dieser Buchreihe. In zwei Jahren folgt (endlich) Kreuzberg und Tempelhof/Schöneberg.

Sonntag, 18. September 2005

Das geht nur bei uns, nach der Arbeit in die allernächste Kneipe nebenan ein Bierchen trinken gehen und es kommen vorbeigejoggt der Kanzler, Frau Merkel, Joschka Fischer, Westerwelle und Bisky. Ach ja und Stoiber natürlich auch. Fotos gibt es dazu nicht. Das hätte ja ausgesehen, als wäre ich ein Touri. Die springen auf, versuchen jeden zu knipsen und berichten live via Handy auf die schwäbische Alb. Im Innenhof des ZDF kann man Steak essen. Während meines Salats sitzen die Politiker bedröppelt im Studio oben und wissen nicht recht, was aus diesem Wahlergebnis werden soll. Das sieht man über einen Bildschirm. Nebenan das französische Pärchen verhält sich wie im französischen Kino. Völlig ungerührt von der Umwelt findet eine Beziehungsdiskussion statt. Genauer gesagt ein Monolog, weiblich. Während der gesamten Wahldiskussion. Die Dänen daneben genießen den Politikerwirbel, sie wissen, wer da alles mitspielt und entgegen ihrer kaum zu überbietenden Sparsamkeit gönnen sie sich ein Eis mit Sahne, um den Schluß des Spektakels erleben zu können. Beim meinem zweiten Bierchen ist schon alles vorbei, der Kanzler hechelt Richtung Linden zum nächsten Auftritt, Angela Merkel in die Mittelstraße, wo wir immer Sushi essen. Joschka Fischer hat wie auf dem Hinweg seine Frau an der Hand und bedankt sich für den Applaus. Niemand kümmelt sich um Bisky. Daß das alles in Berlin so locker abgeht, daß wir keine Angst haben müssen, daß es kaum Bodyguards gibt, das ist wunderbar.

Sonntag, 18. Dezember 2005

Echte Mauerteile gibt es noch, dieses hier geht gleich morgen früh nach Washington D.C., es muß aber nicht vor Weihnachten ankommen. Von diesen Mauerstücken haben wir Fotos, wie sie noch in der Mauer sind. Dieses Foto bekommt der Kunde, damit er sieht, daß es wirklich echt ist. und dieses spezielle Stück hier auf dem Foto war zwischen Brandenburger Tor und Reichstag. Das sieht man auch gut auf dem Foto. Wir haben es für 120 Euro verkauft. Das ist für ein Stück Geschichte nicht überzogen. Für mich symbolisiert jedes dieser Mauerstück immer noch Freiheit.
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Sonnabend, 17. Dezember 2005

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Gespenstisch wirkt dieses Bild Unter den Linden heute am Nachmittag. Gespenstisch ist auch die Lage. Samsung, Korea, schließt die Bildröhrenproduktion in Oberschöneweide. 750 Arbeitslose mehr. Die Fabrik wurde 1916/17 im Auftrag von Emil Rathenau gebaut, und bis 1933 stellte die AEG Lastkraftwagen her, NAG Klingenbergwagen. Seit 1938 baute die AEG Röhren, erst für Radargeräte, später für Radios. Bildröhren wurden vom Werk für Fernsehelektronik, WF, seit 1970 gebaut und zum Beispiel im ITT-Werk in Bochum eingebaut. Seit 1983 wurden Farbbildröhren in Lizenz für Toshiba gebaut, 1992 kaufte Samsung das WF, im September 2005 beschlossen die Koreaner die Schließung.
Links auf dem Foto erkennt man die Fahne von JVC. JVC übernahm Telefunken in Reinickendorf im Jahr 1982. Telefunken wurde 1903 gegründet, als AEG und Siemens sich um Patente stritten und der technikbegeisterte Kaiser Wilhelm II. schlichte, indem er eine gemeinsame Firmengründung nahe legte, in beider Patente einflossen. JVC stellte Videorekorder her, aber dann auch DVD-Rekorder und digitale Camcorder. In Spitzenzeiten arbeiteten bei JVC 1200 Menschen, jetzt 235, davon sollen 225 entlassen werden.
Rechts auf dem Bild und in der Mitte erkennt man rote Fahnen, die Fahnen von Orenstein & Koppel, wo in Spandau Bagger hergestellt werden. Im November wurde verkündet, daß die Fertigung von Baumaschinen eingestellt wird, 500 von 590 Arbeitsplätzen fallen weg. Orenstein & Koppel wurde 1876 in Berlin Schlachtensee gegründet. 1930 waren es weltweit 30 000 Mitarbeiter. Seit 2005 heißt die Firma CNH. CNH ist eine Tochter von FIAT. Da, wo diese Demonstration sich im Moment der Aufnahme befindet, wird rechts gerade ein italienisches Außenhandelszentrum gebaut, in dem sich ab nächstem Sommer die Wirtschaft Italiens auf drei Stockwerken repräsentativ präsentieren wird. Links von der Demo hört man aus den Lautsprechern des Automobilforums von VW in diesem Moment eine Sängerin live, die unten in der Veranstaltungshalle singt: „Last Christmas …“. Was Wirtschaftssenator Harald Wolf von der Linksparte und der Regierende Bürgermeister in diesem Moment unternehmen, verschließt sich unserer Kenntnis. Die Morgenpost titelt dazu: Berlins Wirtschaft kränkelt. Senat und Bezirke schauen hilflos zu. Ende November waren 294 0000 Berliner als Arbeitslos registriert, die Quote lag bei 17,8 Prozent.

Freitag, 16. Dezember 2005

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Befaßt sich gern mit deutscher Geschichte: Gianluca Falanga in Humboldt, der Zeitung der Universität

Humboldt, die Zeitung der Alma Mater Berolinensis, der Humboldt Universität, www.hu-berlin.de/presse/zeitung, widmet sich in der aktuellen Ausgabe Gianluca Falanga, unserem Azubi, der nebenbei das Buch über die Uni schreiben mußte.

Ein Italiener auf den Spuren der Universität
Buch über die Humboldt-Universität erschienen
Im September dieses Jahres hat Gianluca Falanga ein Buch über die Humboldt-Universität veröffentlicht, in dem er sich in vier von fünf Kapiteln mit Titeln wie „Die geistigen Väter der Humboldt-Universität", „Ruhmreiche Vorbilder" und „Ideen", die die Welt veränderten" vor allem mit historischen Persönlichkeiten der Universität beschäftigt und sie in kurzen Portraits darstellt.

Zur Person
Falanga wurde 1977 in der süditalienischen Hafenstadt Salerno geboren. Er ist in Turin aufgewachsen. Mit 15 entdeckte er die Leidenschaft für Literatur. Besonders angetan hatten es ihm die deutschen Romantiker wie Novalis oder Friedrich Hölderlin. Im Sommer 1999 ging er als Student nach Kopenhagen, wo ihm die faröischen Nibelungenlieder in die Hände fielen, die er drei Jahre später in seiner Diplomarbeit im Fach „Germanische Philologie" (Schwerpunkt Altnordisch) ins Italienische übersetzte. 2003 wurde seine Abschlussarbeit als beste philologische Abhandlung Italiens des Jahres 2002 ausgezeichnet und veröffentlicht. Zu diesem Zeitpunkt war der Preisträger schon in Berlin, wo er jetzt lebt und arbeitet.

Herr Falanga, wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Buch über die HU zu schreiben?
Ich mache zurzeit eine Ausbildung als Buchhändler in der Buchhandlung Berlin Story zu der auch ein Verlag gehört, der Berlin-Bücher verlegt. Dort hatte man nach Kundenbefragungen, die eine Nachfrage bestätigten, zwar schon länger den Plan, ein solches Buch zu machen, es fehlte aber ein passender Autor. Da ich mich schon lange mit der deutschen Geschichte beschäftige, hatte ich natürlich sofort Interesse an diesem Projekt.

Wie sind Sie vorgegangen, woher stammt das Konzept?
Es gab bereits ein Konzept, ich habe aber mein eigenes entworfen und habe dann angefangen zu recherchieren, Bücher zu lesen. Ich wollte die Hauptfiguren der zwei wichtigen Fachbereiche, in denen die Uni ihr großes Potenzial zum Ausdruck
brachte, darstellen: die Philosophie und die Naturwissenschaften. Ich wollte auch nicht ein wissenschaftliches Buch schreiben und Neues über die HU herausfinden, mein Buch beinhaltet Grundlagenwissen über die Humboldt-Universität und berühmte Personen der deutschen Geschichte. Für den aktuellen Teil konnte ich auch ein bißchen aus eigener Erfahrung schöpfen, denn ich habe vor meiner Lehre mit einem DAAD-Stipendium sechs Monate am Nordeuropa Institut geforscht.

Wurden Sie für die Arbeit am Buch freigestellt?
Nein, das Buch ist in meiner Freizeit entstanden, dass heißt abends, nachts, an den Wochenenden. Ich habe ca. fünf Monate für das Recherchieren und Schreiben gebraucht.

Viele Deutsche zieht es nach Italien, was gefällt Ihnen an Berlin?
Ich denke, in Berlin haben es Quereinsteiger leichter, weil viel in Umbruch und Wandel ist. Vielleicht hätte ich auch in Italien ein Buch dieser Art veröffentlichen können, aber es wäre wahrscheinlich viel schwieriger gewesen. Außerdem wird in Deutschland mehr gelesen, für einen Autor ist das natürlich von Interesse.

Donnerstag, 15. Dezember 2005

Peter Borchardt, der Leiter des Zentrums für Berlinstudien, findet das Buch über die Zwanziger Jahre so gut, daß er es als Empfehlung des Monats auf die Homepage der Zentral- und Landesbibliothek genommen hat [www.zlb.de/buecher_medien/empfehlungen].

Wo ist denn hier der nächste Briefkasten? Ja, früher gab es welche. Die sind in Deutschland gelb, haben wir gern erklärt und Sie finden einen vorm Hotel Unter den Linden und vor der Humboldt Universität. Heute gibt es keine mehr. Das hängt allgemein mit der Rationalisierung bei der Post zusammen, aber bei uns besonders mit den Botschaften. In Briefkästen könnte man Bomben plazieren. In Papierkörbe auch. Deswegen gibt es auch nur noch wenige Papierkörbe. Wir nehmen den Kunden dann ihre leeren Kaffeepappbecher gern ab, das ist angenehmer, als abends in den Regalen danach zu suchen.

Sind Sie Erasmus-Studentin? (Mit der Frage liegt man als Gesprächseinstieg meist ganz gut). Nein, ich komme aus Shanghai und arbeite für Coca Cola.

Mittwoch, 14. Dezember 2005

Das Hauptstadtmagazin ZITTY [www.zitty.de] zeichnet uns als besten Laden im Bereich Kultur aus. Soeben ist die Empfehlungsliste im Journal Shopping in Berlin herausgekommen – und uns verschlägt es fast die Sprache, was Ulrike Schattenmann lobend über uns schreibt: "Dieser Laden ist einzigartig, hier auf jeden Fall, laut Besitzer Wieland Giebel sogar auf der ganzen Welt. Nirgendwo sonst gibt es so viele Bücher, Filme, Karten zum Thema Berlin. Über 5000 Medien führt die Berlin Story. Darunter sind Romane, Kunst- und Geschichtsbücher, ein Riesensortiment an Reiseführern in zwölf Sprachen, aber auch Veröffentlichungen von Heimatmuseen. Besucher können sich zusätzlich in einer Ausstellung oder während eines Kurzfilms über die Geschichte Berlins im Schnelldurchlauf informieren. Gut, über die Unterteilung in Bereiche wie "Fritz & Co." oder "Third Reich" kann man streiten. Tatsache ist aber, dass sich Besucher erstaunlich schnell zurechtfinden. Das liegt auch an der Fachkenntnis der Mitarbeiter. Sie schulen ihr Berlinwissen regelmäßig und sprechen mindestens zwei Fremdsprachen. Für Service und Beratung hat Berlin Story 2004 den Preis als beste Fachbuchhandlung erhalten. Selbst das Souvenirangebot ist ausgefallener als anderswo: Hier findet man das Dönerbudenquartett, Fernsehturm-Babyrasseln und die Berliner "Tussi" als Bastelbogen."

Dienstag, 13. Dezember 2005

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Weihnachtsparty bei der Gesellschaft Historisches Berlin im Opernpalais mit Gänsebraten, vielen sehr netten Damen und Herren, wenig Reden. Nur hier spricht die Vorsitzende Frau Birgit Lucas gerade zur Begrüßung und im Hintergrund warten Anne Viechtl mit ihrer Harfe und Birgit Fluch mit der Flöte. Die beiden Meisterschülerinnen verwöhnen uns mit himmlischen, kurzen Stücken, erhalten unendlich Applaus, will sie eine Atmosphäre schufen, auf der die Leichtigkeit des Abends schwebte.

Montag, 12. Dezember 2005

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Das Buch, das Dr. Gerd Zuchold hier in der Hand hält, ist die zweite, erweiterte Auflage des Reiseberichts von Anton Friedrich Büsching von Berlin nach Reckahn. An der ersten Auflage, dem Original aus dem Jahr 1775, arbeiten wir seit einiger Zeit. Diesen Nachdruck zu machen, erfordert noch mehr Arbeit als bei den anderen aufgearbeiteten Reprints. Das Buch ist kompliziert gesetzt. Hier sind wir in einer Bibliothek, um die zweite, erweitere Fassung aus dem Jahr 1780 mit der ersten Fassung aus dem Jahr 1775 zu vergleichen. Worum geht es in dem Buch? Um eine ganz genaue Beschreibung der Reiseroute, der Häuser, der Höfe, der wirtschaftlichen Lage, sämtlicher Gemälde der Gemäldegalerie in Sanssouci. Dieses Buch wird von Dr. Zuchold extrem genau kommentiert. Viel zu ausführlich, finde ich, denn das Buch wird so dick und wir verdienen wieder Mal einem schönen Projekt nichts. Wer schöne Bücher haben will muß leiden.
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Sonntag, 11. Dezember 2005

Es gibt eine neue Seite im Internet, die www.allesueberberlin.de heißt und nur denen offen stehen soll, die Berlin total blöd finden. Ich habe mir die Seite angesehen und verstehe nicht, wer sich da aus welchem Grund äußert. Warum man seine Zeit damit zubringt („totschlägt“?), so komisches Zeug zu schreiben. Vielleicht verkalke ich allmählich.