Sonnabend, 31. Dezember 2005

Es könnte gern immer Jahreswechsel sein. Vom Umsatz her hörte das alte Jahr fast so gut auf wie es anfing. Wir waren mit sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern voll im Einsatz. Alle waren gut drauf, weil sie nicht ahnten, daß ich den Sekt vergessen hatte (gibt es morgen), dafür gab es Sushi für alle, eigentlich wie immer am Sonnabend. Ab 16 Uhr ging es an unserer Straßenkreuzung nicht mehr weiter Richtung Brandenburger Tor. Da standen kreischende Teenyhorden und Gruppen junger Männer mit Bierflaschen in der Hand und behaupteten, im Adlon zu wohnen und dringend an der Absperrung vorbeizumüssen. Mit solchen Situationen gehen die Polizisten gelassen um. Unser Bestand an Schnapsgläsern mit Berlinmotiv ging zu Ende, weil eine Dame dringend noch 40 Stück brauchte. Veronica aus Neapel, unsere Praktikantin, kommt mit dem deutsch lernen nicht weiter, weil sie seit Tagen nur italienisch spricht. Dafür macht sie nebenbei eine Marketinganalyse, woher die Italiener kommen: Roma, Milano, Napoli, Verona und ein Mann aus Palermo. Der war ziemlich alt, naja, so wie Du etwa, und wollte gern einen Monat in Berlino bleiben, deutsch lernen, weil es ihm hier so gut gefällt.

Freitag, 30. Dezember 2005

Früher war es aufregend, wenn das Fernsehen kam, heute höre ich nur eine Mitteilung auf der Mailbox, daß das israelische Fernsehen da war, nervig, weil es so voll war im Laden und die unbedingt drehen wollten. Dann haben sie noch ein Statement bekommen, da haben wir ja eine Mitarbeiterin, die das auf hebräisch macht.

Donnerstag, 29. Dezember 2005

"Do you have old German magazines?" Na ja, haben wir eigentlich nicht, aber aus der DDR-Zeit noch einige FÜR SIE. Das ist aber nicht das, was die junge Frau aus London möchte. Mehr so politisch? Stern? Spiegel in schwarz/weiß? ""More 30th". Ah, jetzt verstehe ich, Nazi-Kram. "Das haben wir nicht, das finden Sie auch nicht auf dem Flohmarkt, das ist in Deutschland streng verboten und keiner möchte so was verkaufen. Falls Sie es zu wissenschaftlichen Zwecken wollen, kann ich Sie gern mit einem legalen Museumshändler für diese Zeit in Kontakt bringen" … Da war die junge Frau, die sich schon lange im Laden aufgehalten hatte, schnell irgendwie verschwunden. Und ich konnte nicht herausfinden, ob ihr die Frage peinlich war oder ob sie das britische Klischee vom Nazi-Deutschen nicht bestätigt fand.

28. Dezember 2005

Heute entstand ein Sondertisch für den Jovis Verlag. Hier bieten wir konzentriert das gesamte Sortiment an, soweit es sich auf Berlin bezieht und ein klein wenig darüber hinaus. Für den Verlag ist es gut, einmal die ganze Bandbreite des Könnens präsentieren zu können. Für unsere Kunden gibt es ein ganz besonderes Schnäppchen: Das Buch über das Brandenburger Tor mit einem ORIGINALEN STEIN von Brandenburger Tor, von der Stiftung Denkmalschutz zur Verfügung gestellt. Das Buch mit eingelegtem Stein kostete 50 Euro. Jetzt können wir Buch und separaten Stein für sage und schreibe 14,95 Euro anbieten. Das gilt nur während dieser Aktion und nur solange Bücher und Steine reichen.

Weihnachten, vorher auf diesem Tisch, wandert ins Regal, bleibt aber ganzjährig. Adventskalender laufen immer.

Dienstag, 27. Dezember 2005

Gestern fing es an zu schneien, heute liegt der Schnee noch höher, Unter den Linden nicht so üppig wie in den Parks der Stadt.
Das Weihnachtsrundschreiben an unsere Kunden mit neuen Buchbesprechungen haben wir über Weihnachten zur Post gebracht. Diesmal sind erstmals alle Titelabbildungen in Farbe.
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Kwan aus Hong Kong hat uns mit ihren Weihnachtsgrüßen per Mail ihren Praktikumsbericht für die Baptist Universität Hong Kong geschickt. Darin heißt es „Ich hatte, bevor mein Praktikum begann, nur vage Vorstellungen über die Berlin Story. Die Berlin Story war zum ersten Mal Partner der Universität, und ich konnte mich nicht mit einer ehemaligen Praktikantin treffen, um mir ein paar Tipps geben zu lassen. Unter dieser Bedingung ist allerdings von Vorteil, daß man ganz frei und flexibel ist und alles ausprobieren konnte. Es war sicherlich nicht der aufregendste Job der Welt, Bücher abzustauben und wieder in Ordnung zu bringen oder Tag für Tag und eins nach dem anderen Souvenirs und T-Shirts auszupreisen und nachzufüllen, aber es gehört zu den täglichen Aufgaben der Buchhandlung. Und es ist doch klar, wenn ich etwas Vernünftiges lernen will, muß ich vorher eine gute Basis, die bestimmt nicht aus alles Spannendes besteht, erst schaffen. Am besten haben mir natürlich das Stadtführungsprogramm und die Arbeit in der Bücherabteilung gefallen, weil ich immer neue Sachen und Informationen erhalten konnte. Aber nach meiner Ansicht war die Möglichkeit, mit meinen ehemaligen Mitarbeitern zusammenzuarbeiten, von denen ich viel gelernt habe, eine der wertvollsten und positivsten Erfahrungen, die ich in der Berlin Story gemacht habe.“

Montag, 26. Dezember 2005

Wieder eine ganz besondere Homepage, wieder mit der Ankündigung eines neuen Buchs, diesmal etwas kürzer, weil das Buch auch erst später kommt. Die Seite des Kulturkuriers ist aktuell und immer lesenswert und auf dieser Site findet man den Eintrag von Dr. Gerhild Komander, die im Berlin Story Verlag das erste Berliner Telefonbuch kommentiert, das vor 125 Jahren herauskam. Auf der Seite [www.kulturkurier.de/veranstalter.php?r=18&show=4717&termine=1] an drittletzter Stelle (Buchpräsentation: Das Buch der Narren – 01.04.2006) findet man die Beschreibung, wer in Berlin zuerst Telefon hatte, warum es keine privaten Anbieter gab und wie die Post das Monopol sicherte.

Sonntag, 25. Dezember 2005

Natürlich hatten wir gestern, am Heiligen Abend, bis um 14 Uhr auf. Da wurde es erst richtig voll. Abends, nachdem alle privaten Feiern gut über die Bühne gebracht waren, hatten Joest und ich, die Workaholics, noch einen kleinen Mailaustausch mit dem Ergebnis, daß heute morgen eine neue Homepage fertig wurde, ein ganz besonders schöne, die ich Ihnen ans Herz lege, nämlich die Seite über das Lexikon von 1806 [www.Berlin-1806.de], das wir in wenigen Wochen herausgeben werden und von dem man hier einen Vorgeschmack erhält.
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Ganz hell schien die Sonne heute, ganz tief stehend, also auch bis tief in den Laden hinein. Fritz war über viele Stunden im Schaufenster in gleißendes Licht gehüllt und Heyam wirkte dem Thema des Tages entsprechend wie ein Engel, der durch die Buchhandlung schwebte. Es war voll, gut die Hälfte der Besucher kam aus den Niederlanden, ein Viertel aus Spanien, einige aus osteuropäischen Ländern, nur wenig Deutsche.

Sonnabend, 24. Dezember 2005

Das Museum für Kommunikation hat das Programm für das erste Halbjahr 2006 herausgegeben. Am 1. April kommen wir vor. Ohne Scherz. Vor 125 nämlich, also am 1. April 1881, ging das erste deutsche Telefonnetz in Berlin in Betrieb. Wir werden das erste deutsche Telefonbuch nachdrucken, im Volksbuch damals das Buch der 99 Narren, in dem Banken, Hotels und Zeitungen sowie ganz wenige Private, Kommerzienräte vorkommen. Zehn öffentliche Freisprechstellen befanden sich in der Börse. Wer alles genau mitmachte und wie es dazu kam, daß das Telefon extrem schnell seinen Siegeszug feierte, darüber schreibt Dr. Gerhild Komander, die den Nachdruck des Telefonbuchs betreut und sich um die richtige Einordnung der Fakten kümmert. Am 1. April 2006 findet dann im Museum für Kommunikation eine Sonderführung statt, die über die Erfindung und Einführung des Telefons informiert. Dann stellen wir das Buch auch der Öffentlichkeit vor.

Donnerstag, 23. Dezember 2005

Mit Stadtführern arbeiten wir wahrscheinlich deswegen so gern und gut zusammen, weil sie uns wesensverwandt sind, nämlich einerseits am Schnittpunkt zwischen intellektueller Durchdringung von gestern und heute stehen sowie sich andererseits der Vermittlung von Geschichte an neugierige Menschen widmen, mit denen man einen Teil der Lebensstrecke teilt. Gestern haben wir mit den englischsprachigen Guides von Brewers [www.brewersberlintours.com] vereinbart, daß sie den englischen Teil unserer Homepage aufpeppen und immer aktualisieren (sowie sie aus Amerika und England von Mama und Papa zurück sind). Heute brachte Michael Voigtländer das neue Programm mit Stadtführungen zur Industriekultur [www.berlin-industiekultur.de] in Berlin vorbei. Vielleicht wird draus auch mehr. Es gibt ja kein Buch zur Industriekultur.

Mit Michael Bienert [www.text-der-stadt.de] geht es so reibungslos (Buchtitel: Zwanziger Jahre in Berlin), weil auch er als Autor und gleichzeitig Stadtführer genau zwischen Kulturvermittlung und fast wissenschaftlicher Recherche steht. Für das Lexikon Berlin 1806, das er Ende Februar 2006 bei uns herausgibt, das ein Bestseller in Berlin wird, hat er über den Autor, der gleichzeitig Herausgeber und Drucker und Buchhändler war, Gädicke, heute fast Sensationelles herausgefunden, daß er nämlich auch Erstdrucke von Goethe und Schiller gemacht hat und dazu noch Briefe vorliegen. Das ist eine solche Erbauung, diese Texte von Bienert zu lesen.

Schließlich sind wir dabei, die Luftbildpläne von Dr. Ulrich Giersch noch besser im Internet anzubieten www.panorama-berlin.de, weil sie bei weitem die besten derartigen Pläne sind und die Zusammenarbeit mit ihm auf tiefem gegenseitigem Verständnis beruht. Sehr angenehm, sich gegenseitig so zu stützen und zu beleben.

Mittwoch, 21. Dezember 2005

Der kürzeste Tag. Und mit unserer intellektuellen Leistungsfähigkeit ist es auch nicht weit her. Der Tagespiegel berichte im Veranstaltungsteil darüber, daß bei uns heute der Vortrag über den berühmtesten Weihnachtsmarkt Berlin ist, mit Geschichten von Marktweibern und Rezepten. Beate Neubauer kommt um 19 Uhr, es kommen viele Besucher – und wir waren so in Weihnachtsstimmung (in Wirklichkeit in den Vorbereitungen des nächsten Rundbriefs, der am 25. Dezember rausgeht), daß wir nichts für die Veranstaltung vorbreitet hatten. ABER Dank der super Flexibilität der Mitarbeiterinnen ist in weniger als fünf Minuten alles geregelt. Gerade noch mal schiefgegangen.