Sonnabend, 25. Juni 2005

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Was hier so aussieht wie eine Grillparty am Rande der Rummelsburger Bucht, ist ein historisches Ereignis, nämlich die „First Vegetarian Döner Release Party“ in ihrem frühen Stadium, sie zog sich bis tief in die Nacht. Holger, im Gespräch mit unserem Webmaster Joest Feenders, Holger also im blauen Hemdchen und die eine Hand zum Denken über dem Kopf, die andere an der Bierflasche, arbeitet seit zwölf Jahren erfolgreich im ambulanten Gastronomiegewerbe und hat den Wagenburger erfunden, einen vegetarischen Burger, der auf Popfestivals vom Zirkuswagen aus verkauft wird wie gerade jetzt auf der Fusion, und der Kultstatus erreicht hat, oft kopiert wurde, immer erfolglos. Holger, der aufmerksamen Lesern als Handwerker der Berlin Story bekannt ist und den Umbau sowie davor den Aufbau der gelben Fassade geleitet hat, entwickelte ein neues Produkt, eben den vegetarischen Döner. Am Dönergrill steht Deville, der verwegen wirkende Künstler und Mädchenschwarm, der derzeit in New York eine Ausstellung hat. Im Vordergrund mit grüner Kappe und im Gespräch mit Imke Schuster DJ WoPPeer, der zur Party auflegte. Ein historisches Ereignis, weil die VIPs der Releaseparty uneingeschränkt der Meinung waren, daß der vegetarische Döner ein Erfolgsprodukt wird. Er ist würzig im Geschmack, kräftig im Biß, paßt ideal zur klassischen Dönerverpackung in Weißbrot mit alles. Eine viel bessere Idee als die Berlin Story, weil von globalem Interesse. Wir drücken Holger die Daumen, daß er damit Glück und Erfolg hat.

Freitag, 24. Juni 2005

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Heute finden Wahlen in Persien statt. Wir dachten, es sei was gegen die russische Botschaft, weil die kleine Demo auf der Freifläche Unter den Linden Ecke Glinkastraße stattfand, die der Botschaft gegenüber liegt. Ein flinker Mann mit Anzug und Krawatte, Handy griffbereit, wuselte zwischen den Demonstranten herum, sortierte sie in der richtigen Reihenfolge, stellte alle gut auf. Auf die Passanten gingen die Demonstranten nicht ein. Flyer gab es auch nicht.

Donnerstag, 23. Juni 2005

Das Internet und unsere Kunden. Gemäß einer aktuellen Studie für die Bundesregierung nutzen insgesamt 55 Prozent aller Deutschen das Internet. 39 Prozent sind nicht am Netz und haben das auch nicht vor. Unter ihnen sind viele, die keinen Schulabschluß haben und „ohnehin nicht reich an Chancen“ seien. 30 Prozent der Menschen über 50 Jahren und 19 Prozent der Rentner und Pensionäre nutzen das Internet. Die Wahrnehmung der Internetnutzung unserer Kunden ist dagegen anders. Wir haben den Eindruck, daß sicherlich die Hälfte unserer Kunden im Alter von über 60 Jahren das Internet nutzen. Das erfahren wir durch Gespräche, wenn wir zum Beispiel wissen möchten, auf welchem Weg wir darüber informieren können, daß ein bestelltes Buch angekommen ist oder wenn wir empfehlen, unsere Homepage einmal anzusehen.

Dienstag, 21. Juni 2005

Einmal im Monat haben wir eine Besprechung zur Homepage, die war heute. Die Homepage umfaßt jetzt 630 Seiten. Das sieht man ihr auf den ersten Blick gar nicht an. Dazu kommen unsere weiteren Pages: www.BerlinStory-Shop.de, www.Mythos-Fuehrerbunker.de und www.Graefin-von-Voss.de. Wir haben noch einige andere Domains, die momentan alle direkt auf die Berlin Story verweisen. Druck man das alles aus, ergibt es drei prallvolle Ordner. Das haben wir gerade gemacht, um auch für später Mal eine Dokumentation zu haben, weil das Internet so flüchtig ist.

Obwohl wir immer weder Angebote bekommen, möchten wir keine Werbung. Bei mittlerweile über 80.000 echten Besuchern pro Monat, die sich fast immer mehrere Seiten unserer Homepage ansehen und sich erfreulich lange auf unseren Seiten aufhalten, könnte man gut an die kommerzielle Verwertung denken. Das wollen wir aber nicht. Nerviges Thema ist das Logo. Ich finde es voll in Ordnung. Es ist nicht immer genau gleich, aber doch immer ähnlich genug. Es gibt aber Puristen und Grafik-Gurus, die ein ein deutliches Erscheinungsbild wollen. Als wären wir verwechselbar. Bis jetzt jedenfalls hat uns noch nie jemand beispielsweise mit der Story of Berlin verwechselt, der Erlebnisausstellung am Kudamm.

Freitag, 17. Juni 2005

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Prof. Meinhard von Gerkan in der Mitte im Gespräch mit dem Fotografen Bernd Eickemeyer (rechts), von dem wir Fotobände sowie wunderbare historische und aktuelle Ansichtskarten führen und eben war noch Jutta Bornholdt-Cassetti vom Jovis Verlag da. Es geht um die Eröffnung der Ausstellung der Berliner Bauten von gmp, von Gerkan, Marg und Partner in der Berlinischen Galerie, die bis zum 4. September 2005 läuft. gmp haben 1965 mit dem Flughafen Tegel angefangen, zur gleichen Zeit als das Kulturforum und der Fernsehturm am Alex gebaut wurden. Der Lehrter Bahnhof und das Olympiastadion sind ihre letzten bekannten Bauten, demnächst werden sie bei uns in der Nähe das Eckhaus Unter den Linden/Friedrichstraße für die MEAG errichten.

Donnerstag, 16. Juni 2005

Heute haben Sie möglicherweise erst ein paar komische Meldungen, wenn Sie unsere Homepage besuchen. Die meisten Computer speichern ja einen Teil der Seiten, die man sich ansieht. Weil Joest Feenders so viel geändert hat, was man auf den ersten Blick gar nicht wahrnimmt, kann es sein, daß erst die gespeicherten Seiten angezeigt werden. Mit F5 aktualisiert man die Seiten, dann kommt alles wieder ins Lot.

Ein umfangreicher neuer Text zu unserem jetzigen Standort geht auf die Geschichte Unter den Linden 40 ein (die Texte und Bilder zu unseren alten Geschäftsräumen haben wir ins Archiv verschoben), ein stadthistorisch außerordentlich interessanter Beitrag. Wenn wir es auf die Reihe kriegen sollten, kommen demnächst auch mehr Fotos vom Laden selbst und wenn wir ganz gut drauf sind, schaffen wir es vielleicht auch, die aktuelle Fassade mit Friedrich dem Großen und Königin Luise sowie Franka Potente zu fotografieren. Bitte melden Sie sich und helfen Sie uns damit, wenn Ihnen z.B. nicht funktionierende Links auffallen.

Mittwoch, 15. Juni 2005

Einmal im Monat haben wir Ladensitzung, häufig Gäste, diesmal zwei Produzenten von Stadtrundgängen als Audiotour, Moritz Gauger und Lorne Meder von www.HearWeGo.de. Früher gab es Stadtrundgänge auf Kassette, die man sich in den Walkman legte. Heute macht man das auf CD, so verkaufen wir die Stadtrundgänge. Und man kann kleine Apparate mit Kopfhörer mieten und damit einen Rundgang ab der Berlin Story rund 70 Minuten durch Mitte machen. Wir kennen die beiden ersten Führungen entlang der Mauerstreifens und durch das Regierungsviertel. Unsere immer sehr kritischen weil verwöhnten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren durch die Bank begeistert, mehrere Praktikantinnen, der Webmaster Joest Feenders schwärmt von den Rundgängen und Imke Schuster hat sich das Laufen gespart, aber die CDs beim kochen (oder abwaschen?) gehört. Das geht auch gut, denn die Hörstücke sind sehr aufwendig und sehr interessant produziert. Immer auch mit Einspielungen von Musik, mit Interviews, mit historischem Material. Die MP3-Player auszuleihen kostet 7 Euro pro Rundgang. Man läßt dann einen Ausweis als Pfand bei uns, den man zurückbekommt, wenn man freudestrahlend und mit neuen Erkenntnissen zurückkommt.

Die Texte stammen von Carl-Peter Steinmann, dem Journalisten und Buchautoren, der sich auf historische Themen spezialisiert hat. Steinmann hat schon mehrer Hörstücke geschrieben. Wir haben heute abend gelernt, daß eine der schwierigsten Aufgaben der Produzenten darin besteht, das richtige Tempo zu finden, damit junge Leute zwischendurch abgebremst und auf ältere gewartet wird. Das ist raffiniert und unauffällig gelöst. Wie das mit den Führungen genau funktioniert, können Sie sich einfach anhören, denn auf der sehr gut gemachten Homepage www.HearWeGo.de sind zu den einzelnen Rundgängen kleine Ausschnitte zu hören. Ganz außergewöhnlich ist die CD Berlin Sounds auch zu 14.80 Euro, wie alle anderen, bei der es um das junge Berlin geht, um die Clubs, um Mode, um Musiker. Das ist endlich ein Produkt, das wir jungen Leuten empfehlen können.

Für uns ist es eine Freude und Ehre, daß der Rundgang bei uns losgeht. Wir möchten dafür sorgen, daß wir diese Art der Stadterkundung zu verbreiten helfen. Das ist ja auch schön, immer mehr zu einem Ort zu werden, an dem sich das Wissen über die Stadt konzentriert. Erinnert sei daran, daß an jedem Sonnabend von uns aus die Stadtrundfahrt von www.videobustour.de startet, jeden Sonnabend um 14 Uhr zweieinhalb Stunden lang.

Dienstag, 14. Juni 2005

Ziemlich spät abends ruft Kwan bei ihrem Mitbewohner Norman zu Hause an, ungefähr so: „Hallo, hier ist Kwan, wie geht es Dir. Ich hoffe, ich störe nicht. Entschuldige, daß ich jetzt anrufe. Geht es Dir gut? Könntest du mir vielleicht ein klein wenig helfen? Wir wollten etwas deutsche Kultur kennenlernen und sind nach Dresden gefahren. Und dann weiter ins Elbsandsteingebirge. Das ist sehr schön hier. Wir sind den ganzen Tag bei herrlicher Sonne spazierengegangen. Jetzt ist es so, daß ich aber bei der Polizei bin. Ich habe nämlich meinen Paß nicht dabei. Jetzt möchte die Polizei, daß Du zu einer Polizeiwache gehst und dort der Paß kopiert und ein Fax hierher geschickt wird. Ich hoffe, ich störe damit nicht zu sehr.“ Kwan ist wieder frei. Norman hat das erledigt, den Paß vorgekramt, sich auf den Weg zu unserer Polizeiwache gemacht. Die Kollegen da haben sonst mit größeren Problemen zu tun. So oft, wie wir in letzter Zeit mit der Wache in der Jägerstraße zu tun hatten, sind wir schon fast gute Freunde.

Montag, 13. Juni 2005

Die Sache mit dem Therapeuten von mir wurde mehrfach nachgefragt. Der soll angeblich gesagt haben, ich solle alle Kunden lieben, siehe Tagebuch vom 11. Juni 2005. Nein, ich habe keinen Therapeuten, auch noch nie gehabt. Es ging alles immer ganz glatt ab, pränataler Zustand harmonisch, keine Geburtstrauma, Jugend auch ganz in Ordnung (obwohl anfangs ohne Bananen, nämlich im Osten). Das mit dem Therapeuten war nur so dahingesagt.

Sonnabend, 11. Juni 2005

Die folgenden Sätze möge man sich auf italienisch vorstellen, mit Händen und Füßen übersetzt: „Ich habe Sie gesehen. Sie waren bei Berlin Chemie. Ich bin Arzt aus Italien und wir haben eine Tagung bei Berlin Chemie. Da lief der Film mit Ihnen. Und jetzt bin ich hier und sehe Sie. Welche Überraschung!“

Und einer der nächsten Besucher auf deutsch: „Ich habe Sie gesehen. Und, haben Sie jetzt Souvenirs, die quietschen?“ Das spielt auf eine Fernsehsendung des RBB an, die vergangene Woche lief und in der ich unter anderem gefragt wurde, ob es irgendwelche Souvenirs gäbe, die wir nicht haben. Auf die überraschend gestellte Frage fiel mir nichts Besseres ein als die Aussage, daß es (glücklicherweise!!!) nichts gibt, was quietscht. Die Leute vom RBB haben dann virtuell eine schöne quietschende Siegessäule entworfen.

Bin ich ein Sensibelchen? Ein Kunde missioniert mich, weil er die Weltformel gefunden hat, nach der es keine Kriege und keinen Terrorismus mehr gibt. Wir sollen dazu beitragen, die Formel durchzusetzen, eine Ausstellung machen, das Buch dazu verkaufen. Minuten später: eine Amerikanerin sieht das Buch vom Führerbunker und berichtet, wie sie neulich im Bunker war, so kalt da unten, grauenhaft und ich solle mir das unbedingt auch ansehen. Und dann: ein Kunde möchte ein Buch über Franziskaner und Dominikaner in Berlin, welches wir nicht haben, weil es das nicht gibt. „Das sollten Sie aber haben! Das ist ein wichtiges Thema für Berlin!“. Und die Kundin mit der genervten Tochter, die ein Poster mit Brandenburger Tor, Reichstag und Siegessäule für das Kinderzimmer will. So ein Foto hätte man vielleicht machen können, bevor Speer die Siegssäule umgesetzt hat. Und dann die Besucher, die wenigstens fragen, ob die Quadriga immer so stand und nicht Richtung Siegessäule. Ich bedanke mich für die Frage, weil – immerhin- ich nicht gegen die Behauptung ankämpfen muß, der Russe hätte die Quadriga umgedreht. Die Siegessäule stand ja damals noch nicht da und die Quadriga guckte natürlich immer Richtung Schloß. Und wenn wir schon beim Modell sind: Da fehlt der Palast der Republik und der Checkpoint Charlie ist auch nicht drauf. Das kam heute allerdings nicht. Aber die Frage nach Schneekugeln mit Ampelmännchen, ob es die gibt und was sie kostet. Was weiß ich! Ist mir eigentlich egal, ob es so was gibt. Ja, es gibt sie tatsächlich, die stehen aber nicht in unserer Spezialabteilung Schneekugeln, sondern in der anderen Spezialabteilung Ampelmännchenprodukte. Und dann kam noch das Mail von einem sehr guten und langjährigen Freund, ob mir die Frage der sozialen Emanzipation heute überhaupt noch was sage. Mein Therapeut sagt, ich solle die Kunden lieben, einen wie den anderen. Meist reicht mir ein Flötenkonzert von Friedrich II. und schon bin ich wieder oben auf.