Montag, 30. Mai 2005

Im Polizeirevier in der Jägerstraße am Gendarmenmarkt wollte ich nur einen Zettel abgeben, damit sich die Polizei bei uns melden könne, falls Friedrich der Große gefunden würde. Das ging nicht. Der wachhabende Polizist bat mich zu warten. „Das geht so nicht. Wenn Friedrich der Große weg ist, müssen wir eine Meldung aufnehmen und alle Beamten informieren. Das geht nur so.“ Wir füllten zusammen so exakt wie möglich den Bericht aus, und so was wie eine Fahndung ging raus. Nicht in echt, aber ein Hinweis an alle, auf den Verbleib Friedrichs des Großen zu achten. Dazu gab es eine Nummer auf einem Formblatt.

Der Tag war nicht schön. Die Niedergeschlagenheit wollte gar nicht recht verschwinden. Nicht wegen des materiellen Verlustes, sondern weil es so demütigend ist, sinnlos bestohlen zu werden. Man soll nicht übertreiben. Es ist nicht so schlimm, wie ein toter Hamster für ein Kind. Na ja …

Kurz vor Feierabend rief Frau Heine vom Café Jedermann an, Unter den Linden 12, unsere ehemaligen Nachbarin. Um es kurz zu machen: Sie hat Fritz gefunden und sich gleich gemeldet. Die Jungs, die ihn mitgenommen haben, werden sich überlegt haben, daß Friedrich vielleicht ein bißchen schwer wird auf Dauer und überhaupt, was man damit soll. Eine gute Überlegung. Wir bedanken uns sehr herzlich, Frau Heine! Jetzt werden wir auf Anraten der Polizei Friedrich hinten kennzeichnen, damit er einfach zurückgebracht werden kann, und wir werden das tun, was wir immer vermeiden wollten, weil Friedrich im Sternzeichen des Wassermanns geboren ist und also vom Freiheitsdrang durchdrungen: Wir werden ihn anketten.

Sonntag, 29. Mai 2005

Friedrich der II. wurde gestohlen, am hellichten Tag. Das ist kein Scherz, kein Quatsch. Friedrich war knapp lebensgroß und in seiner blau-roten Uniform dargestellt, auf solides Sperrholz geklebt. Es war ein echtes Gemälde, ein großartiges Ölgemälde, einmalig, nur für uns gemacht. Alex Agwanjan, der Kunstmaler aus Potsdam, hatte ihn gemalt. Friedrich hat uns viele Jahre begleitet. Materiell ist der Wert nicht enorm hoch.

Es passierte gestern, am bislang heißesten Tag des Jahres. Das Fußballspiel Schalke gegen Bayern fand abends statt. Fritz stand immer genau an der Tür. Er war beschwert durch eine Zementrolle, mit der man Postkartenständer stabilisiert. Wir haben Friedrich den Großen abends die Linden hoch und runter gesucht, ob er irgendwo abgestellt sein könnte. Nichts. Wir wissen auch nicht, um wieviel Uhr er gestohlen wurde. Wir haben leider auch kein gutes Foto von unserem Fritz. Es ist so furchtbar, wenn man immer schöne Sachen macht und fördert, und dann von niedrig gesinnten Menschen bestohlen wird.

Haben Sie Ihn gesehen? Wir freuen uns über jeden Hinweis (Kontakt).

Sonnabend, 28. Mai 2005

Über Nacht sollten Sie unseren aktuellen Newsletter Nummer 12 erhalten haben, in dem wir die Lesung mit Bosetzky und Eik nächste Woche ankündigen sowie neue Bücher und tolle Schnäppchen vorstellen. Falls Sie den Newsletter nicht erhalten haben, mögen Sie ihn gleich abonnieren.

Freitag, 27. Mai 2005

In der Post befindet sich das "Mitteilungsblatt der Landesgeschichtlichen Vereinigung für die Mark Brandenburg e.V.", die Ausgabe Nr. 2 vom Mai 200. Und in dieser Ausgabe hat Peter Bahr die Gräfin von Voss besprochen. [Hier finden Sie den gesamten Artikel] Wir freuen uns, daß das Buch wahrgenommen und positiv besprochen wird. Das ermutigt uns, in diesem Sinne weiterzumachen. Weihnachten, die Zeit für schöne Reprints, steht ja (verlegerisch) schon fast vor der Tür.

Mittwoch, 25. Mai 2005

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Am Gebäude der ehemaligen Luisenschule, der ersten städtischen höheren Mädchenschule, wird eine Gedenktafel enthüllt. Es spricht gerade Inge Deutschkron, die Autorin ("Ich trug den gelben Stern"), Inspirationsquelle und Vorsitzende des Museums "Blindes Vertrauen" www.blindes-vertrauen.de, das an die Rettung jüdischer Blinder durch Otto Weidt erinnert. Ihr Vater war Lehrer an der Schule. Neben ihr links steht Volker Hobrack, der Chef der Gedenktafelkommission. Daneben, die Hände verschränkt und mit Krawatte, der Vizepräsident der Humboldt Universität, die dieses Haus jetzt als Sitz der technischen Verwaltung nutzt. Bürgermeister Zeller, den wir lange behalten möchten, ist wie häufig bei Gedenktafelenthüllungen da und spricht frei einige Worte. Im Vordergrund ehemalige Schülerinnen der Luisenschule. So eine Gedenktafelenthüllung dauert meist eine knappe Stunde und ist wie ein anschaulicher Geschichtskurs.

Diese Schule wurde 1838 gegründet und befand sich 1874 bis 1940 in der Ziegelstraße 12, Ecke Tucholskystraße. Um die vergangene Jahrhundertwende waren bereits über die Hälfte der Lehrkräfte weiblich. Die durchschnittliche Zusammensetzung der Schülerinnen war etwa 500 Evangelisch, 200 Jüdische, 10 Katholische. Die Gedenktafel erinnert auch an einen Teil der Lehrerinnen und Lehrer, die nach 1933 vertrieben wurden. Wir haben ja das enorme Glück, mittendrin zu sein, zu solchen Ereignissen eingeladen zu werden, und wir sind auch noch in der privilegierten Situation, am Nachmittag hingehen zu können.

Montag, 23. Mai 2005

Flughafen Bergamo, Norditalien, der Billigflughafen von Mailand. Gianluca steigt aus dem Flieger und in der Schlange vor der Paßkontrolle sieht er eine ganze Reihe von jungen Menschen mit Plastiktüten der Berlin Story. Oben raus ragen unsere Poster mit rotem Aufkleber und dicker Filzstiftnummer. Viva Italia. Es leben die Billigflieger. Und alles Gute an la Mama.

Sonntag, 22. Mai 2005

Kanzler Schröder gibt nach der Wahlniederlage in NRW vorläufig auf. Wir hoffen, daß Joschka Fischer jetzt wieder häufiger Zeit hat, bei uns vorbeizukommen.

Sonnabend, 21. Mai 2005

Während auf der Startseite dieser Homepage die Ankündigung der Lesung mit den beiden Berliner Urgesteinen Jan Eik und Horst Bosetzky erscheint (mehr zur Veranstaltung lesen sie hier), bereiten wir weitere Veranstaltungen vor. Am Freitag, dem 5. August 2005 wird es mit drei Krimiautoren des be.bra-Verlags eine Kriminacht geben, und zwar im Hof Unter den Linden 40, Open Air also. Und auch im Hof wird etwa zwei Wochen später eine architekturgastronomische Veranstaltung stattfinden, „Ist die Imbißbude noch zu retten?“. Mit Verkostung natürlich.

Freitag, 20. Mai 2005

Unsere wunderbare Website hat nicht zufällig so viele Besucher. Auch an der Kasse weisen wir jeden Kunden darauf hin. Soviel über die Buchhandlung erzählen, wie man auf der Website findet, kann man ja gar nicht. Und die Website wird mit hohem fachlichem Wissen und großer Hingabe für die Suchmaschinen optimiert und gepflegt. Immer findet man Neues, Interessantes.

Bekanntlich hat sich in Deutschland Google als Suchmaschine noch weiter durchgesetzt als in den USA. Über Google werden hier achtzig Prozent der Auskünfte erteilt. Deswegen ist es interessant zu sehen, mit welchen Suchworten bei Google die Besucher zu uns kommen. Keine Angst, man sieht nicht, WER da anfragt, sondern nur WAS bzw. welche Suchworte verwendet werden. Gibt man also z.B. bei Google Hellenistische Plastiken Berlin ein, kommt die Berlin Story an erster Stelle. An erster Stelle stehen wir auch bei der Anfrage Historische Stadtpläne Berlin. Und weil es mich wunderte, was gefragt wird und zu welchen Themenbereichen wir mit unserer so umfangreichen Seite vorkommen, folgen hier noch einige weitere Beispiele (die Zahl in Klammern gibt die Platzierung unserer Seiten mit den verwendeten Suchbegriffen an): Kirche Berlin (5), Rochus Misch (1), Italienische Firmen in Berlin (3), Modedesign und Berlin (6), Helmut Newton Berlin (7), Sozialistische Architektur Berlin (9), Jugendhotels Berlin (12), Webcam Berlin (13), Frauensport Berlin (16), Bahnhof Friedrichstraße (49).

Donnerstag, 19. Mai 2005

Lager aufräumen mit Norman und Handwerker Till. Oh Mann, ist das viel. Wir haben Backstage eine große Fläche. Dort lagert das Handwerkszeug, die Baumaterialien, die vom vorigen Laden übrig sind, eine Dusche Typ Prenzlauer Berg, also ganz autonom mit Warmwassergerät und Abpumpe, auch aus jener Zeit, eine Kühlvitrine für die Theke, unsere Heizungsanlage mit gelbem Schlauch. Braucht jemand was davon? Außerdem befinden sich dort die Bücher des Verlags. Ach, und Teile der Ausstellung auch noch. Und irgendwie ist alle immer wieder durcheinander. Momentan allerdings nicht, dank Till und Norman, die mit großer Beharrlichkeit und zielstrebig alles in Ordnung brachten. Den Fortgang der Dinge besprechen wir gern im Sushi-Restaurant in der Mittelstraße, direkt gegenüber von unserem Hofausgang.