Ostersonntag, 27. März 2005

Ziemlich lang stöberte ein amerikanisches Pärchen im Laden rum, bei den deutschen Büchern, bei den historischen Plänen, dann wieder bei amerikanischen Romanen. Dann waren sie weg, aus dem Blickfeld verschwunden, und auf einmal, kurz vor Ladenschluß, standen sie wieder vor den Romanen. Die Gattin des Trainers der Berlin Thunder Football-Mannschaft war in Berlin zu Besuch. So hatte ich das verstanden. Ein Blick auf die Homepage www.berlin-thunder.de zeigt aber, daß das Team 13 Coaches hat und der erfahrene Steve Logan zuständig ist für die Quaterbacks. Die werden bei einem der nächsten Trainings unseren Berlinfilm sehen. Anschließend stehen dann sicher Schränke von gut aussehenden Männern im Laden.

Ostersonnabend, 26. März 2005

Beinahe hätten Sie was mit der neuen Webcam sehen können, aber die Bohrspitze brach ab. Damit sollte ein Loch für ein Kabel geschaffen werden. Also, es kann nicht mehr lange dauern. Die Webcam ist da. Das Loch schaffen wir auch noch.

Karfreitag, 25. März 2005

Das Fernsehen ist da und dreht einen Beitrag über Souvenirhandlungen Unter den Linden. Wir freuen uns immer, wenn ein Team vom RBB vorbeikommt, bzw. reinkommt. Wir haben gerade neu das Parfum Breath of Berlin (49 Euro), das vor wenigen Tagen auf dem Fernsehturm vorgestellt wurde. Lothar Heinke vom Tagesspiegel, der über die Vorstellung berichtete, schickte den Hersteller des Parfums gleich zu uns. Er bekam fast ein ganzes Schaufenster. Außerdem haben wir neu eine Weltkugel mit Berliner Stadtplan. Auf der Spitze der Kugel steht der Fernsehturm, schön mit Straß besetzt. Ein echtes Kunstwerk, individuell gefertigt und vor allem typisch Berlin, ein Stehaufmännchen. Man tippt der Fernsehturm an und immer ist er obenauf (98 Euro). Abends sind wir dann in der Berliner Abendschau. Am Montag hatte bereits die Berliner Zeitung darüber berichtet, daß immer mehr Souvenirhändler Unter die Linden kommen. Nach einem langen Telefonat hat es die Zeitung zum ersten Mal geschafft zu erwähnen, daß wir auch Bücher haben. Das freut uns wirklich. Sonst waren wir bei der Berliner Zeitung immer eine Souvenirhandlung. Wie die dann zur Buchhandlung des Jahres wurde, blieb und bleibt den Lesern der Zeitung verschlossen.

Es fehlen Bücher zu DDR-Dissidenten. Das bemängelt ein Professor aus Osteuropa. Das ist schließlich eine ganz wichtige Frage. Wir freuen uns und bitten, uns Hinweise auf gute und lieferbare Titel zu mailen.

Grü

ndonnerstag, 24. März 2005

Manchmal versagt unsere Souvenirabteilung. DDR-Aufnäher für den Rucksack, haben wir nicht und wir wissen auch nicht genau, wo es so was gibt, vielleicht bei Intershop 2000.

Die Broschüre des Bezirks Mitte ist herausgekommen mit einer Anzeige von uns. Seite 68 oder so. Wenn man gründlich durchblättert, findet man uns. Es ging wohl eher darum, mit der Anzeige zur Finanzierung der Broschüre beizutragen, in der alle offiziellen Daten des Bezirks zu finden sind.

Mittwoch, 23. März 2005

Kann man die Geschichte rückwärts lesen? Kann man. Es kommt nicht oft aber immer wieder vor, daß Besucher beim Fall der Mauer anfangen und sich dann zurückarbeiten zur Weimarer Republik.

Dienstag, 22. März 2005

Die neue Lage der Berlin Story nach dem Umzug in das Haus Unter den Linden 40 rief nach einer Standortanalyse gemäß dem astrologischen Stadtplan von Georg Stockhorst, der in der Buchhandlung erhältlich ist:

In den großzügigen Räumlichkeiten treffen Widderenergien und Zwillingseigenschaften aufeinander. Die Zwillingsachse entspricht dem Sonnenzeichen des Ortes, sein Aszendent hat die Widderqualität. Es geht um einen Neuanfang, um ein schöpferisches Werden mit Unternehmensfreude, Aktivität und Energie (Widder), an einem Ort, an dem ständig Kommunikation und Austausch stattfinden, bewerkstelligt von einem Team (Zwilling). Es geht um Zusammenarbeit, Weitergabe von Wissen und Informationen im Rahmen von Aus- und Weiterbildung im Umgang mit Besuchern und Kollegen; um intellektuellen Ausdruck, aber auch um Spaß bei der Suche nach dem passendem Souvenir. An jedem neuen Arbeitstag können sich diese Qualitäten bewähren.

Wir danken Frau Hella Martin ganz herzlich, geben uns Mühe, diesen schönen Zielen nachzugehen und freuen uns auch, falls jemand noch tiefer in unsere Sternenkonstellationen einsteigen möchte – falls das möglich ist.

Dienstag, 21. März 2005

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Großer Aufmarsch der Stars im Admiralspalast, gleich um die Ecke von unserer Buchhandlung: Klaus Maria Brandauer stellt sein Team für die "Dreigroschenoper" vor, die er dort im Sommer inszeniert, darunter Campino von den "Toten Hosen", Karin Sass, Gottfried John und Walter Schmidinger. 250 Journalisten, 10 Kamerateams und 50 Fotografen sind da. Mit im Blitzlichtgewitter auf dem Podium: Unser Autor Michael Bienert (auf dem Foto ganz rechts), dessen im Berlin Story Verlag erschienenes Buch Die Zwanziger Jahre in Berlin von den Theatermachern begeistert aufgenommen wurde und als Begleitlektüre zur "Dreigroschenoper" empfohlen wird. Die 2., durchgesehene Auflage kommt in den nächsten Tagen aus der Druckerei. Mehr über das Theaterprojekt von Brandauer (auf dem Foto ganz links) unter www.die-dreigroschenoper.de.

Sonntag, 20. März 2005

Gestern war "Wetten das" im Fernsehen, und zu einer der Wetten sollte das Volk ins Hauptstadtstudio des ZDF kommen, gleich bei uns nebenan. Da waren abends auch viele Leute, berichteten unsere Fernsehgucker. Heute schienen noch mehr gekommen zu sein, um zu gucken, wie das gestern war. Das Phänomen kennen wir ja von Silvester, wenn die Menschen am Neujahrstag herbeiströmen, um zu gucken, wie es Silvester wohl gewesen sein könnte. Heute jedenfalls hatten wir viele Kunden, die beim ZDF nichts Auffälliges bemerken konnten, dann zu uns kamen, was sie zu der Feststellung brachte: "Wenn man Interesse hat, kann man auch Mal ein Buch kaufen."

Sonnabend, 19. März 2005

Drei junge Frauen in außergewöhnlich elegant gestylten Jogginganzügen kommen in den Laden: "Wo kommt Ihr den her?" – "California, sunshine state." – "Ich dachte, da gibt es nur so alte Leute, die da aus den ganzen Vereinigten Staaten hinziehen?!" – "Wir sind die Enkel." Da freut man sich ja, wenn junge Leute schlagfertig sind. "Und hattet Ihr gestern abend eine coole Party in Berlin?" – "Wir sind gestern erst aus in Paris angekommen und waren zu spät in Berlin." – "Schade. Und wie ist es heute mit Party? Berlin ist eine tolle Partystadt!" – "Das schaffen wir nicht. Morgen ist Dresden dran, dann Munich, dann Oberammergau, dann …" Habt Ihr sieben Tage für Deutschland?" – "Nein, zehn."

Kwan, unsere Praktikantin aus Hong Kong, bekommt jeden Tag ein schönes deutsches Wort geschenkt. Heute war "Fingerspitzengefühl" dran. Morgen schenken wir ihr "Liebestaumel". Die anderen Praktikanten und auch die Mitarbeiter müssen es ihr erklären. Ich bin darauf gespannt, mit welchen Gesten "Liebestaumel" erklärt wird.

Mittwoch, 16. März 2005

Mit Oberhofmeisterin Voß auf Reisen. Wir haben ja vor einiger Zeit die Aufzeichnungen der Oberhofmeisterin als Nachdruck veröffentlich. Gestern kam die zweite Auflage aus der Druckerei, noch schöner. Das war genau zum richtigen Zeitpunkt, denn abends fand in Paretz eine Veranstaltung zur Oberhofmeisterin statt. In Paretz, heute mit dem Auto eine gute Stunde von Berlin entfernt, quasi hinter Potsdam schön zwischen den ganzen Seen gelegen, verbrachte Königin Luise mit ihrem Gatten Friedrich Wilhelm III sowie natürlich oft der Hofmeisterin die ruhigen, schönen, ans bürgerliche Familienidyll angelehnten Tage ihres Daseins.

Vierzig Besucher waren heute gekommen, um dem Vortrag von Dr. Hedwig Bohne aus Berlin zu lauschen, die im Geheimen Staatsarchiv die Originale der Aufzeichnungen einsehen durfte, daran mit bewundernswerter Intensität arbeitet und den Vortrag wunderbar mit Bildern aus zwei Projektoren unterstützte.

19 Bände liegen dort, nämlich drei Bücher und sechzehn Hefte. Jede Unternehmung wurde von der Oberhofmeisterin ganz akkurat verzeichnet mit Datum, Zeit und Dauer. Familien- und Ortsnamen allerdings in gelegentlich kaum zu entziffernder Schreibweise. Das alles auf französisch. Nur bei großen Gemütsbewegungen fällt sie ins deutsche. Wir kennen ja die Geschichte gut, wußten aber nicht, wie Wilhelm Humboldt so ein bißchen über sie spöttelte, als er jung und auf dem Zenit seines Daseins war uns sie (nach der Niederlage Napoleons und der Befreiung Preußens vom Joch der Besatzung) aus vergangenen Epochen überlebte. Ihr Geist, sagt Humboldt 1813, sei von vergangener Pracht, sie erscheine wie ein Geist, der durchs Theater schwebe. An ihrem Gewand sei sie geschmückt durch Medaillons der Königin, des Königs, des Katharinenordens sowie des Luisenordens.