Montag, 13. September 2004

Fernseher schießt über das Ziel hinaus. Das ist jetzt nicht ganz einfach zu erklären. Wir ermutigen immer alle zur Selbständigkeit. Selbst entscheiden, wo immer es nur geht. Das hat ein Fernseher missverstanden. Im Laden läuft der Film „The Making of Berlin“ auf fünf Bildschirmen ohne Ton mit dem Hinweis, dass man den Film in der Ausstellung sehen kann. Auf einem anderen Bildschirm wird übertragen, was gerade in der Ausstellung über der Buchhandlung vor sich geht. In der Ausstellung stehen nämlich zwei Kameras, die nach unten senden. Auf diesem Bildschirm erscheint vier Sekunden lang die Übertragung der einen Kamera, dann vier Sekunden die der anderen Kamera. Das ist alles prima geregelt und funktioniert seit Monaten. Heute hat sich ein Fernseher, der eigentlich den Film zeigen soll, dazu entschieden, die Ausstellung zu übertragen. Ohne wechselndes Bild. Nur die eine Kamera. Er blieb stur. Uneinsichtig. Wir mussten dann einen anderen Empfänger montieren, um wieder den Film über diesen Monitor laufen zu lassen.

Sonntag, 12. September 2004

Führerbunker. Auf diesen Film hin haben wir unser Buch Mythos Führerbunker konzipiert. „Der Untergang“ läuft an, die Medien berichten, heute die Berliner Morgenpost auf drei Seiten in der Sonntagsbeilage Berliner Illustirte Zeitung. Sven Felix Kellerhoff, der bei uns das Buch geschrieben hat, berichtet darüber, was man heute noch sehen kann oder besser gesagt nicht sehen kann. Und natürlich wird auf das Buch hingewiesen. Im Börsenblatt, der Wochenzeitschrift des deutschen Buchhandels, haben wir auch wieder eine Anzeige geschaltet sowie auch den Berliner Buchhandel erneut über unser Buch informiert.

Sonnabend, 11. September 2004

Am 11. September ist man geneigt, an New York zu denken. Bei uns ist aber Jesus-Tag. Das bedeutet, dass junge, jubelnde und tanzende Christen vom Brandenburger Tor kommen, an der Schloßbrücke wenden und wieder zurücklaufen. Nicht so wie die Gegner der Jagd, wo es vielleicht zehn oder zwanzig Minuten dauert. Pro Jesus sind so viele Menschen, dass der Demozug weit über eine Stunde dauert, mehr als zwei Stunden wahrscheinlich. Ich fotografiere und möchte, dass jetzt endlich die Fotoserie auf die Homepage kommt: Die schönsten Demos vor der Berlin Story. Im Laufe des Tages tröpfelt die dann aufgelöste Demo oder vielleicht Prozession zurück, die Menschen kommen bei uns vorbei und wir können doch der einen oder anderen noch etwas über Berlin vermitteln. Demoteilnehmer selbst sehen ja während des Aufzugs nicht so viel von der Stadt. Jedenfalls, so wie diese Fundamentalisten friedlich daherlatschen, meint jemand im Laden, könne man sie nicht zur erneuten Eroberung Jerusalems schicken.

Am Gerüst an unserem Haus ist ein zusammengerolltes Transparent vorbereitet worden von Gegnern der Demo. Das sollte offenbar zu Beginn der Demo heimlich ausgerollt werden. Darauf sieht man einen Jesus in Flammen und was mit Devil, schön gemalt, da hat sich jemand Mühe gegeben. Irgendwie scheinen die Demogegner aber verpennt zu haben. Oder es ist sonst was dazwischengekommen. Das Transparent kann bei uns abgeholt werden. Es liegt im Heizungsraum.

10. September 2004

Ausstellungseröffnung. Man weiß das ja nie vorher, wer alles kommt. Hundert Gäste hatten sich per Fax angemeldet. Und so viele waren es dann auch bei einer der größten und am besten organisierten Veranstaltungen, die wir hatten. Es ging um die offizielle Eröffnung der Ausstellung über Berlin. Ziemlich genau um 11 Uhr kamen die Gäste. Nur der Reporter des Neuen Deutschlands war schon eine halbe Stunde früher da. Am nächsten Tag kommen wir dann auch ziemlich groß auf der Berliner Titelseite. Wir stellen das historische Modell von Claude Möller vor, die Tafel zur Geologie der Spreeinsel (Museumsinsel), die Geschichtstafeln Unter den Linden vom Gartendenkmalamt und unsere Tafeln zum Dritten Reich und zur Mauer. Das geht alles in fünf Minuten oder etwas mehr. Dann kommen die Künstler dran, die die großen Gemälde großer Berliner an den Pfeilern vor der Buchhandlung gemalt haben, die meisten von der Malschule Wladimir Prib. Alles werden wir auf der Homepage selbstverständlich ausführlich darstellen, mit den Arbeiten an der Ausstellung. Jeder Künstlerin wird einzeln nach vorne geholt und schließlich mit Applaus bedacht. Ich erhalte von Wladimir Prib ein unglaublich schönes T-Shirt mit allen neuen Motiven. Wie können wir das als verkaufbares T-Shirt produzieren? Ich bin wirklich begeistert. Das ist Berlin Story, die Geschichte Berlins auf einem T-Shirt. Es passt zu uns.

Dann gibt es für die Stadtführer, Stadtführungsbüros und Busunternehmen Prosecco und Schnittchen. Lachs geht viel besser als Käse. Alles auf Vollkorn. Wurst oder Schinken machen wir gar nicht mehr. Und Brezeln gehen gut. Wahrscheinlich, weil ich heimlich die Hälfte genommen habe. Wir sind zufrieden. Die Ausstellung läuft. Derzeit sind zweihundert bis dreihundert Besucher täglich da. Da wir noch keine Werbung gemacht haben, ist das ganz gut.

9. September 2004

Zwei Italienerinnen wollen gern Salsa tanzen. Das ist ja bei uns ganz einfach, also herauszubekommen. Da fragen sie Ute oder Lydia oder auch Anne. Und schon ist klar, wo die besten Orte zum Tanzen oder so sind. Vorher waren sie in einer Informationsstelle im Brandenburger Tor. Da war das mit derartigen Auskünften nicht so angesagt. Sagen die Italienerinnen. Ich wüsste das ja auch nicht.

Mittwoch, 8. September 2004

Unsere Webseiten knacken die 50000er Grenze. Soviele Besucher waren im letzten Monat auf unseren Seiten, das freut uns. Sie finden mittlerweile 365 Seiten unter www.Berlinstory.de.

Dienstag, 7. September 2004

Und wie geht die Tasse mit dem Marx-Zitat? Und wie die Büste von Marx? Und wie die Bären? Ein Mitwettbewerber ist das nicht, der die Lage checken will, sondern jemand, der in Ostberlin vor vielen Jahren studiert hat, aus Ungarn kommt und sich wundert, wie es jetzt hier aussieht. Unglaublich. Wo die ganzen sozialistischen Denkmale sind? Wir haben es leider nicht so gut wie die Budapester, bei denen der Park mit ausrangierten Denkmalen ein Höhepunkt des Besuchs der Stadt ist. Wir hätten hier in Berlin so viele so schöne Denkmale aus allen Zeiten. Die Siegesallee aus dem Kaiserreich, so mancher Lenin, und, ähh, aus der Zeit dazwischen findet sich vielleicht auch noch was Nettes.

Sonntag, 5. September 2004

Lauter Wohnmobile stehen in der Charlottenstraße. Nicht die Italiener, die immer am Schlossplatz parken. Hier sind es Filmleute. In der angrenzenden Mittelstraße wird im Restaurant Weinstein gedreht. Immer Sonntag und Montag, wenn das Restaurant zu hat. „Was drehen Sie denn?“, Kann ich gerade noch fragen und erfahre, daß es sich um die ZDF-Vorabendserie SABINE handelt, die ab nächstem Frühjahr ausgestrahlt wird. Eine weitere Staffel. Dann rennen die beiden Damen los, die sich den ganzen Morgen gelangweilt haben. Drehfertig! Zum Set!

Sonnabend, 4. September 2004

Die Ereignisse der Welt spiegeln sich im Laden wieder. Bei wunderbarem Sommerwetter und friedlicher Situation unter den Linden stehen amerikanische Besucher in telefonischem Kontakt mit ihren Familien in Florida. Dort tobt ein Hurrikan, der so langsam ist, viel Wasser trägt, noch mehr zerstört als sonst. Und russische Besucher sind wegen der vielen Toten in Beslam besorgt, wo die Schule gestürmt wurde.

Freitag, 3. September 2004

Wir haben so viele schöne neue Bücher. Alle Neuerscheinungen aus dem Monat August sind jetzt auf der Homepage in der entsprechenden Rubrik zu sehen. Das geht aber Schlag auf Schlag mit Neuerscheinungen. Über das Schloß kam ein Buch auf deutsch und englisch heraus. Harald Martenstein vom Tagesspiegel hat seine gesammelten Kurzgeschichten aus der ZEIT als Buch gemacht. Sehr schön zum Schmökern und zum Verschenken. Ein Zeitgemälde, immer gut drauf. Von Handys und Dosenpfand und Sex, über Schwule und Angeber. Nicht immer ganz Berlin bezogen, aber hauptsächlich. Heinz Ohff, der früher Kulturchef beim Tagesspiegel war und seit Jahren Biografien schreibt, über Fürst Pückler, Königin Luise, die preußischen Könige, hat jetzt ein Buch zu Heinrich von Kleist gemacht. Darauf freue ich mich.