Sonnabend, 21. August 2004

Zum Wochenende ist wieder das kurzfristig bei uns ausverkaufte Buch im Laden: Sebastian Haffner: The Meaning of Hitler. Das verkaufe ich aus der Abteilung Drittes Reich am liebsten, weil es meiner Meinung nach für unsere Besucher am eindringlichsten erklärt, wie es zum braunen Sumpf kommen konnte. Auf deutsch heißt es: Anmerkungen zu Hitler. Für junge Menschen ist es immer zu empfehlen.

Freitag, 20. August 2004

„Die Leute denken, wir sind blöd“, meint Kathi, als wir probeweise die Beschriftung an die Säulen anbringen und Karl Marx mit seinen Lebensdaten bei Heinrich Heine hängt. Macht nichts. Sollen wir vielleicht ein Ratespiel daraus machen? Offiziell eröffnen werden wir die Ausstellung am 10. September. Wenn alles klappt.

Sieben Japanerinnen aus der Nähe von Osaka. Die hatten es auf mich abgesehen. Ich denke ja immer, wenn da so ein weibliches Grüppchen vor den T-Shirts steht: „Laß diesen Kelch an mir vorübergehen.“ Gianluca hat mich gerettet. Mit Engelsgeduld sucht er die passenden T-Shirts raus und sortiert vor allem den Rest wieder übersichtlich weg.

Donnerstag, 19. August 2004

Ich darf keine Mitarbeiter mehr selbst mobben, sondern nur noch die drei Abteilungsleiterinnen. Nur diese sind mir direkt unterstellt. Dafür haben wir diverse Schaubilder gezeichnet. Das ist das Hauptergebnis der zweitägigen Strukturkonferenz. Buchhandlung, Verlag und Grafik wurden als Abteilungen gestärkt. Im Dezember kommt der Consultant zurück und kontrolliert, ob wir das alles auf die Reihe bekommen haben. Alle außer mir dürfen mehr. Ich darf mehr zu Hause bleiben oder Urlaub machen.

Mittwoch, 18. August 2004

Argentina. Zwei nette, ältere Damen haben eine Ansichtskarte vom Schloß Charlottenburg in der Hand und suchen das Berliner Stadtschloß, also wo heute, so erklären wir das aktuell, die Campingbusse der Italiener stehen. So 30 oder 40 und im Moment vielleicht 50. (In München zum Oktoberfest steht die Stadt auch voll italienischer Camper, hören wir). Mit unserem spanisch und dem doch eher rudimentären englisch der beiden Damen aus Argentinien ist es nur anhand eines Stadtplans möglich, Schloß Charlottenburg nach Charlottenburg zuzuordnen und das Stadtschloß in fußläufige Nähe zu platzieren.

Dienstag, 17. August 2004

Managementberatung. Etwa einmal im Jahr setzen wir uns zusammen und versuchen die Strukturfragen irgendwie auf die Reihe zu bekommen. Da inzwischen fünfundzwanzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig sind, brauchen wir eine Zwischenebene mit Abteilungsleiterinnen. Dann geht es darum, dass die Mitarbeiterinnen gelobt werden sollen. Und schließlich hat sich jemand ausgedacht, dass ich pünktlich sein soll. Schon früh am Morgen. Obwohl ich immer so viel zu tun habe.

Sonntag, 15. August 2004

Gestern Abend fand in der Malschule von Wladimir Prib ein Fest zu Ehren der jungen Künstler statt. Wir wurden kulinarisch verwöhnt, wurden von der Lebensfreude der Künstler angesteckt und zu Schlucken gab es auch nicht zu knapp. Als wir die Fotographien sahen, wie die Entwürfe der Gemälde entstanden und wie die Arbeit voranging, beschlossen wir, in einem unserer Schaufenster einen Monitor laufen zu lassen, auf dem dieser ganze Prozess einschließlich der Künstler zu sehen ist.

Am Wochenende ist die Buchhandlung voll raffinierter Italiener, die aus Bari und Bergamo über London mit Ryanair zu uns kommen. Bei uns werden sie gut betreut, weil Gianluca da ist, unser Auszubildender aus Italien. Und weil in der Ausstellung der Film italienisch läuft, an diesem Wochenende fast durchgehend.

Sonnabend 14. August 2004

Jetzt geht es um die Texte zu den Berlinern auf den Gemälden. Ein breiter, interner Diskussionsprozess setzt ein. Oder man könnte auch sagen, einige meiner Vorschläge werden in der Luft zerrissen. Zu recht.

Freitag, 13. August 2004

Fast alle Gemälde hängen an den Säulen. Kathi Hirthammer (Berlin Story, Grafikdesign) und Wladimir Prib (Malschule) besprechen die Sockelgestaltung. Weithin sind die Gemälde sichtbar.

Donnerstag, 12. August 2004

Holger und Manne machen einen Beleuchtungstest. Mit Strahlern werden die Gemälde nachts ins rechte Licht gerückt. Darüber kommt eine Traverse mit Texthinweisen auf die Ausstellung, auch gut beleuchtet.

Mittwoch, 11. August 2004

Spätwirkungen des Führerbunkers. Erhard Schreier, von dem die Zeichnung des Führerbunkers in unserem Buch stammen, wurde vom Goethe-Institut in Tel Aviv eingeladen, dort eine Ausstellung zu machen. Herr Schreier ist der einzige, der bei der Sprengung des Bunkers systematisch den bestand aufgenommen hat, mit Fotos und mit Grafiken. Eine israelische Fernsehproduktion dreht etwas über den Bunker, lernte dadurch Herrn Schreier kennen wie auch Rochus Misch, den letzten Telefonisten von Adolf Hitler. Rochus Misch wird mehr und mehr zum Medienstar. Uns erreichen immer wieder Anfragen, wie man ihn erreichen kann. Gestern gerade wieder aus den USA.