Mittwoch, 30. Juni 2004

Wieder eine außergewöhnliche Demo vor unserer Tür. Polizei und Läufer und Samsung und Coca Cola. Das Olympische Feuer kommt. Wir warten und warten. Dann, um 18.55 Uhr, geht gemächlich ein älterer Herr mit einer Fackel am Laden vorbei, in Begleitung von jüngeren Männern und vielen Organisationswagen. Das war Gerhard Theune, sagt die junge Frau im Organisationswagen. Sie spricht nur englisch. Wer das ist, kann sie nicht sagen, auf ihrer Liste steht nichts und sie muss wieder in das Handfunkgerät sprechen. [Wir haben nachgeschaut: Gerhard Theune hat z.B. bei der European Veterans Athletics Championship 2000 in Finnland in der Klasse Männer im Alter von 85 – 89 Jahren (!) teilgenommen und beim 800- und 1500- m-Lauf vordere Plätze belegt]
Hinter Ihm kommt die Betriebsaufsicht der BVG, die den Busfahrern Bescheid sagt, dass die Straße wieder frei ist. Dann kommt die BSR, die Stadtreinigung mit einer Kleinst-Kolonne. Und fertig. In wenigen Minuten werden die Fotografen am Brandenburger Tor warten, denn darauf kommt es ja an, dass man das Foto mit dem Brandenburger Tor drauf machen kann.

Sonntag, 27. Juni 2004

Am Sonntag ist der Laden voller männlicher Pärchen, die sich knappe T-Shirts holen. Und ein Archäologe aus Estland will wissen, wo der Führerbunker ist, sagt aber dann, unser Buch sei falsch. Da sei er nicht gewesen. Nervig. Was soll man mit Besserwissern dieser Art machen? Oft kommt es nicht vor. Häufig trifft es die jüngeren Kolleginnen, denen ältere Männer ihr historisches Wissen vermitteln wollen. Oder, noch schlimmer, Lehrer, die nicht davon ablassen können, abzufragen. Nach Möglichkeit greifen wir ein und lassen die jüngeren Kolleginnen in die Küche verschwinden.

Sonnabend, 26. Juni 2004

Eine Demo führt Unter den Linden entlang, auch mit süßen Jungs, finden die Kolleginnen, aber nicht die vom Christopher Street Day. Es sind viele lateinamerikanische Teilnehmer, aber auch Türken und Kurden. Jedenfalls alles gutaussehende junge Männer. Die Demo geht gegen den NATO-Gipfel in Istanbul, oder für die "Auflösung der imperialistischen Kriegsmaschine NATO!". Seltsamerweise sind keine Autonomen dabei. Vielleicht sind die ja auf der Fusion, der großen Pop- und Goa-Party auf einem ehemaligen Militärgelände in Mecklenburg-Vorpommern. Wir fragen am Montag unsere drei Mitarbeiter, ob dem so ist. Die kommen dann hoffentlich nicht erkältet von der Fusion zurück.

Freitag, 25. Juni 2004

Wir haben Heinrich Heine vergessen. Der muss natürlich als eines der Denkmale vor der Berlin Story stehen, er gehört wie kaum ein anderer zu den Linden. Lothar Heinke vom Tagesspiegel hat freundlicherweise darauf hingewiesen.

Donnerstag, 24. Juni 2004

Alle zehn Säulen rund um den Laden sind knallgelb. Wir hatten den ersten Kunden, der in Päckchen abgeben wollte. Es sieht nämlich aus wie eine neue Postfiliale Unter den Linden. Nächste Woche kommt die Beschriftung, anschließend die Denkmale zur Berliner Geschichte unter dem Motto „Ich bin ein Berliner“.

Mittwoch, 23. Juni 2004

Die neue DVD "The Making of Berlin" ist angekommen. Das Lampenfieber legte sich aber nicht sofort. Denn beim ersten Testlauf der neuen DVD kam kein Ton. Das lag aber wohl an der Einstellung des DVD-Players. Inzwischen haben wir an die zehn Player getestet, auch in Laptops, es klappte immer. Wir können die DVD verkaufen. Mit acht Sprachen kostet die aktuelle Version 2004 weiterhin nur 14,99 Euro. Die Ausgabe 2003 verkaufen wir jetzt für 9,90 Euro. Sehr viele sind nicht mehr davon da. Diese Version hatte nur fünf Sprachen.

Dienstag, 22. Juni 004

Die Homepage wird regelmäßig von unserem Webmaster Joest Feenders aktualisiert. Ganz neu ist die Rubrik, welche Bücher wir neu im Sortiment haben. Das ist ein Service gegenüber den Kunden, aber auch für uns von Bedeutung, damit wir alle, nicht nur die Bucheinkäufer, einen guten Überblick bekommen, was neu ist.

Sonntag, 20. Juni 2004

Hitparade der Buddy Bären. „Welchen Buddy Bären verkaufen Sie den am meisten“, fragte eine Kundin. Ähhh, also, wahrscheinlich … Jetzt haben wir also eine Hitparade erstellt und die sieht so aus: „Der Bunte“, gestaltet von Sandra Maischberger, liegt einsam an der Spitze gemeinsam mit „Berlin Revue“. Es folgt „Berlin Comic“ sowie „Deutschland 1. Diese Spitzengruppe liegt dicht beieinander. Etwa halb so viele Buddy Bären haben wir verkauft von „I love Berlin“, „Brandenburger Tor“, Eldorado“ aus Peru, „Jaguar Bäre“ aus Salvador, Libärty“ als Freiheitsstatue aus den USA, und aus Kuwait „Thuraya 1“.
Wenn Sie einige dieser Bären SEHEN möchten, geht das z.B. hier…
Wenn Sie sie kaufen oder bestellen möchten, kommen Sie einfach vorbei oder nehmen per Telefon, Fax, Email oder Post Kontakt auf. Die Buddy Bären sind absoluter Renner unseres Sortiments. Wir haben ein Schaufenster (fast) nur voll Bären, jedenfalls führen wir immer alle lieferbaren Buddy Bären.

Sonnabend, 19. Juni 2004

Überzeugungs-Dampfwalzen. Unsere Themen reizen Kunden immer wieder zu Diskussionen. Ein ägyptischer Arzt, der in den USA lebt, hat sich unseren Film "The Making of Berlin" angesehen. Er ist der Meinung, wir Deutsche hätten zu Unrecht einen Schuldkomplex. Alle anderen hätten auch Dreck am Stecken. Wir könnten stolz sein auf unsere Naturwissenschaftler und Techniker. Er sehe in den USA in History Chanel tatsächlich täglich Filme gegen die Nazis, häufig mit anti-deutschen Einschlag. Im weiteren Gespräch kam Israel im Verhalten gegen die Palästinenser nicht gut weg.
Das ist ja eine typische Diskussion, kennen wir alle. Zwischen Tür und Angel oder auch in fünf oder zehn Minuten ist das Thema nicht abzuhandeln. Und eigentlich geht es oft auch nur darum, eine bestehende, festgefügte Meinung abzulassen, ein Mission Statement, wie das heute heißt.
Ich freue mich immer, wenn Kunden was fragen oder mit offenen Fragen kommen, zu denen man auch seine Meinung sagen kann.

Sonntag, 18. Juni 2004

Koksen. Nehmen unsere Mitarbeiter Drogen? Die Frage stellte sich, weil es Tage gibt, an denen alle ziemlich überdreht sind, giggeln, sich zuzwinkern, mit Kunden flirten, fröhlichen Quatsch machen, an der Kasse die Kunden zum Lachen bringen, während neue Mitarbeiterinnen in der Ecke stehen, ihnen die Füße wehtun und sie denken (und kaum zu fragen wagen): Die können doch nicht den ganzen Tag so drauf sein! Wird hier vielleicht gekokst? Nö – unsere Droge ist Vergnügen an der Arbeit, echte Freude mit den Kunden, die herzlichen Beziehungen untereinander. Und das schaukelt sich gegenseitig gelegentlich hoch.

Sind Christa Wolf und Tom Wolf Geschwister? Ist sie seine Mutter? Wollen uns Kunden manchmal auf die Schippe nehmen? Oder ein Späßchen machen?