1914 – 1939 – 1944 – 1989 – 2004 — Lernen wir aus der Geschichte? — im Deutschen Historischen Museum

20140313_DHM_Totale 20140313_DHM_Podium„Erinnerung hat Konjunktur“, sagt Prof. Alexander Koch, der Chef des DHM. In diesem Jahr mit besonders  viele Gedenktage vom Ausbruch des Ersten sowie des Zweiten Weltkriegs, dem Attentat auf Hitler, über die  deutsche Wiedervereinigung, also den Fall der Mauer, bis zur Osterweiterung der EU.

Arnulf Baring (2. v. r) sagt, wir lernen gar nichts aus der Geschichte und nennt ein Beispiel. Hitler werde verteufelt, aber es werde kaum dargestellt, wie es eigentlich geschehen konnte. Die deutsche Isolierung in Europa ohne wirklich verlässlichen Verbündeten sei weiterhin ein Problem. Nur die USA hätten uns immer geholfen und waren für die Wiedervereinigung. Großbritannien und Frankreich nicht.

Sönke Neitzel (rechts) widerspricht. Dass jetzt kein Krieg um die Ukraine geführt wird, sei eine gelernte Lektion aus der Geschichte. Die Briten, dort lehrt er an der Uni, und Frankreich sähen auch, dass sie Deutschland brauchen, daher könne man sagen, dass Angela Merkel das deutsche Dilemma einer Mittellage gut manage und die Kraft der Wirtschaft und die Dominanz sinnvollerweise eher herunterspiele.

Die Russen fühlen sich, das sei eine Analogie zu 1914, eingekreist, sagt Herfried Münkler. Die Europäer verhielten sich ungeschickt. In Brüssel säßen Beamte, meist die abgeschobenen Versager, die einigermaßen Wohlstand verwalten könnten – aber es brauche anderes Personal an der Spitze. Er hält die Ansicht für falsch, dass Freundschaften, Jugendaustausch und auch Tourismus Konflikte und Kriege verhinderten – und erinnert daran, dass vor 1914 sehr viel Deutsche französisch Sprachen und das Land liebten. Russland, so ging es später weiter, werde sich auch das Industriegebiet der Ukraine nehmen, diese Regionen alimentieren und die EU, also Deutschland (und nicht Spanien oder Griechenland oder Italien) werden den ehemaligen österreichisch-ungarischen und polnischen Teil alimentieren. Das koste Milliarden, deswegen jetzt lieber den Handel mit Russland aufrecht erhalten als zu viele Sanktionen.

Peter Voß (Mitte), Moderator und neuer Vorsitzender des Museumsvereins des DHM, weist darauf hin, dass Kosovo ein Staat von amerikanisch-europäischen Gnaden sei, von Serbien und Russland nicht anerkannt.

Sven Felix Kellerhoff meint, die Werteorientierung heute lasse sich zum Glück nicht nicht mit 1914/1918 vergleichen. Heute müsse die Politik sich jedoch entscheiden, ob Menschenrechte so hoch angesetzt werden, dass wir uns überall dafür einsetzen – in Mali, Zentralafrika, am Hindukusch und auf der Krim, oder ob man realistisch damit umgeht. Die Konsequenten unseres Handelns, so Kellerhoff, werden besonders in der Außenpolitik zu wenig durchdacht.

Lernen wir also aus der Geschichte? Es gab anschließend Weißwein und Wasser.

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