1704 – Bestandsaufnahme Berlins – Gerd H. Zuchold

Cover_Adressbuch_1704_320Dies ist die älteste gründliche Bestandsaufnahme der Situation Berlins und gleichzeitig das Projekt des Berlin Story Verlags, an dem wir am längsten arbeiten – seit 2006. Der Originalband von 1704, der uns als Nachdruck vorliegt, hat etwas mehr als 100 Seiten. Diese Angaben hat Dr. Gerd H. Zuchold kommentiert, jetzt werden es etwa 700 Seiten. Während der Arbeit an diesem Buch ist unser Freund Gerd nach langer Krankheit gestorben. Inzwischen arbeitet seine Witwe an der Herausgabe des Werks. Es wird in diesem Jahr fertig.

Bei “Adresskalender” denkt man an Adressbuch oder an Kalender – aber es ist eher ein Almanach, der beschreibt, wie es 1704 in Berlin war. Leibniz, der Philosoph und Gründer der Akademie der Wissenschaft, hatte angeregt, den Kalender mit hochaktuellen Berichten anzureichern, damit er sich besser verkauft. Das Kalenderprivileg hatte die Akademie. Sie sollte sich über den Verkauf des Kalenders finanzieren. Kein anderer durfte Kalender drucken. Andere Kalender wurden als Raubdruck angesehen und konfisziert.

Der Kalendermarkt war im 18. Jahrhundert so umkämpft wie heute. Gottfried Wilhelm Leibniz schlug dem preußischen Herrscher Kurfürst Friedrich III. vor, der neu zu gründenden Akademie der Wissenschaft das Privileg zu übertragen, Kalender herzustellen. Friedrich III. verbot auch gleich den Import von ausländischen Kalendern, zum Beispiel sächsischen oder gar solchen aus Regensburg. Leibniz machte dann auch gleich Vorschläge, wie man einen Kalender attraktiv gestalten könne, vor allem sollten „allerhand Sachen, so der Unterthanen zu wissen dienlich“ sei. Auch Prominente sollten bedacht werden „die vornehmsten Bediensteten nach den Colegiis. Es könne wohl auch ein Policey-Calender gemacht werden … ein Andachts-Calender. Andere mathematische, physicalische, öconomische und historissche Sachen, Veränderungen durch Geburth, Absterben, Verheyrathung grosser Herrn, Wappen und dergleichen.“

Gerd H. Zuchold hat im Berlin Story Verlag bereits ein Werk kommentiert und herausgegeben, das nur noch ein einziges Mal in einer Bibliothek anzusehen war. Es durfte nicht gescannt werden. Wir haben es Seite für Seite fotografiert. Berlin, Potsdam und Brandenburg 1775.

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