Ein 13-jähriger heimlich an der Front bei einer Maschinengewehrkompanie im Ersten Weltkrieg

„Warum ich Nazi wurde“ – das Buch über die 583 Lebensbeschreibungen aus dem Jahr 1934 kommt demnächst (wenn ich fertig bin). Die Beschreibungen sind furchtbar, aber manchmal auch komisch. Fritz Keppner beschreibt hier, wie er sich im Ersten Weltkrieg heimlich an die Front geschlichen hat, um endlich dabei zu sein. Erst nach einer Woche fiel das auf. Ein weiterer Versuch scheiterte schon am Bahnhof. Und danach ließ ihn der Pfarrer zurückholen, weil er konfirmiert werden sollte. Später, nach vielen Saal- und Straßenschlachten, wurde ein SS-Truppführer aus ihm.

 

 

Am 11. August 1934, als er den Bericht schreibt, leidet Keppler darunter, dass es immer noch Menschen gibt, die keine Nazis sind:

„Eines nur kann ich nicht begreifen, dass es noch heute Menschen gibt, die nicht ganz mit uns einige gehen wollen, die sich auch heute noch indirekt gegen uns wenden. Diesen Menschen, denen wohl nie im Leben die Einsicht kommen will, kann man nur Borniertheit zuerkennen.“

NS-workshop — annotation

J.B writes: Now safely at home at my desk and with a proper keyboard let me add: Firstly – the exhibition was powerful and extremely well structured and I can understand people spending the entire day going through all the displays. That alone qualifies it as a must-see.
Secondly (and in our context more important) – our theme is „competing narratives“ and the way you manage to take a clear stance and still remain true to a fact based discourse is great, because that way simply writing you off as a fluke is impossible, and it provides us with a narrative that essentially wants to achieve the same goal as the „official“ one, but is not bound by „etiquette“. That way you come across in a raw and confronting fashion, which in a good way forces the spectator to think and our students to ponder on how many levels narratives can compete.
Thirdly – I saw neither blinking lights, carrousells nor hordes of drooling neo-nazis. So, keep at it!

Bericht aus dem Bunker – der Tagesbericht

An jedem Tag berichten die Mitarbeiterinnen abends, was los war. Sie schreiben nebenbei an der Kasse den ganzen Tag über an diesem Bericht, wenn mal gerade Zeit dafür ist. Damit unterscheiden wir uns grundlegend von anderen Museen und Gedenkstätten, bei denen entweder Mietpersonal an der Kasse steht oder die MitarbeiterInnen nicht so ein Interesse zeigen oder es ihnen nicht nahe gelegt wird. Alle Aspekte sind wichtig: Unsere Mitarbeiterinnen KÖNNEN mit den Besucher sprechen, weil sie Ahnung haben. Wir WOLLEN im Interesse der Besucher immer besser werden.

So sah der Bericht aus:

Ein Pärchen aus Belfast hat vorher im Internet recherchiert und der Mann wollte dann unbedingt hier her kommen. Seine Frau war schon mehrere Male in Berlin, für ihn war es aber das erste Mal. Sie waren sehr begeistert und haben gesagt, dass es eine sehr wichtige Dokumentation für die heutige Gesellschaft ist und meinten, dass sie hoffen, dass wir viele Besucher haben.

Von Anfang an hatten wir Besucher, die nur ins Museum wollten.

Vormittags kam dann noch eine unangemeldete Schülergruppe von 25 Personen, die in die Doku wollten. Wir haben das alles recht schnell geregelt bekommen und die Schüler haben alle einen kostenlosen Audioguide mitbekommen.

Zwei Mitarbeiter des Hotels NN sind mit VIP Tickets angekommen [Mitarbeiter von Hitels, in denen unsere Flyer verteilt werden, sind eingeladen, sich anzusehen, was mir machen.]

Ein Pärchen aus UK, der Mann ist Student, war gestern nur im Museum. Dafür brauchten sie zwei Stunden. Heute sind sie für die Dokumentation gekommen. Sie waren mit Audioguide drei Stunden da und meinten, sie könnten noch länger bleiben, aber ihr Rückflug ist jetzt.

Eine Familie aus der Schweiz war in der Doku ebenfalls drei Stunden. Der Mann war erstaunt, wie gut die Ausstellung aufgebaut ist und wie ausführlich alles dargestellt ist. Besonders gefallen hat ihm, dass alles schon mit dem Deutsch-Französischen Krieg anfängt und daher sehr schönen Überblick gibt.

Mehrmals heute wurde es gesagt, dass die Doku sehr emotional ist und es sei schwierig bis zum Ende durchzuhalten but „absolutely brilliant.“

Es gab ein Ehepaar aus Kalifornien, die waren in Berlin, als die Mauer gefallen ist, und waren sehr begeistert wieder in Berlin zu sein.

Ein alter Herr aus der Schweiz informierte sich über unsere Angebote, will alles machen und kommt morgen oder übermorgen. Wir haben geredet, für ihn war es interessiert, wie ich (Na.) mich im Bunker fühle. Es stellte sich dann heraus, dass er seinen Militärdienst in einer Telefonzentrale im Bunker geleistet hat und die Situation aus eigenem Erleben kennt.

Es kommen jetzt im Sommer mehr und mehr Leute nach 17 Uhr, weil sie lesen, dass wir bis 19 offen haben. Manchmal sind sie schon enttäuscht, wenn wir sagen, dass sie eigentlich mindestens 90 Min für die Doku brauchen.

VIP Ticket von Hotel S. Berlin. Junge Mitarbeiterin kam, ihr Großvater hat bezahlt.

Ein Herr, der zu dem Volksbund von neulich gehörte, aber nicht kommen konnte, hat heute vorbei geschaut und meinte, dass er sich die Doku ansehen möchte. Er war etwas mehr als drei Stunden hier und war sehr zufrieden. Er meinte, dass es sehr beeindruckend war und er irgendwann wieder kommen muss.

Wir hatten zwei geführte Touren, alles in allem recht unkompliziert. Tour Enno war ein bisschen länger als geplant. Drei von ihnen sind dann noch in die Dokumentation gegangen. Sie schienen mir sehr interessiert und angetan von der Tour. Später haben sie sich auch bedankt und meinten zum einen, dass die Tour sehr spannend war und S. das sehr gut gemacht hat. Und diejenigen, die im Museum waren meinten, dass auch das sehr informativ war und es den Schülern gefallen hat.

Wir hatten heute eine Rentnerin, sie hat leicht gemeckert, dass der Film im Museum (The Making of Berlin) nicht auf deutsch ist.

Wir hatten heute auch eine Bulgarische Familie, ein älteres Paar mit dem Sohn, sie waren in der Dokumentation mehr als 2 Stunden. Der Sohn hat einen AudioGuide auf Englisch genommen und erklärt. Sie waren sehr beeindruckt von der Dokumentation und sie würden uns weiter empfehlen.

Nachmittags gab es eine Gruppe Spanier von 15 Personen, die spontan vorbei gekommen sind, sie haben etwa eine Stunde in der Doku ohne Audioguide verbracht.

Eine ältere Dame war zweieinhalb Stunden in der Doku. Als sie dann komplett fertig war, meinte sie, dass es sehr interessant war und sie gerne noch mehr Zeit hier verbringen würde, aber nach einiger Zeit ist man einfach nicht mehr aufnahmefähig.

Ich hatte mich mit einem Pärchen aus der Schweiz unterhalten, die im Mövenpick Hotel übernachten und uns von dort aus gesehen haben. Sie waren vier Stunden in der Doku und waren sehr überrascht, wie viel Zeit vergangen war, als sie raus gekommen sind. Sie meinten, dass man in der Doku in einen Bann gezogen wird und dadurch total das Zeitgefühl verliert. Wie viele andere meinten sie, dass so etwas schreckliches nicht wieder vorkommen darf. Sie werden uns weiter empfehlen.

Eine englische Familie hatte sich das Kombi-Ticket gekauft, haben dann aber nach „Hitler – wie konnte es geschehen“ aufgehört, weil sie meinten, dass das zu viel Input auf einmal gewesen war und sie jetzt erst einmal etwas anderes sehen wollen und wiederkommen.

Prof. Thomas Weber im Berlin Story Bunker

What changed through this exhibition is the downplay of Hitler“ Prof. Thomas Weber (rechts) von der Universität Aberdeen referiert im Berlin Story Bunker über sein Buch Becoming Hitler: The Making of a Nazi. Dazu führt Bunkerbetreiber Enno Lenze die Alumni der Uni Aberdeen durch den Berlin Story Bunker. Anschließend geht es durch die Dokumentation „Hitler – how could it happen„.

Das Buch von Thomas Weber und seine Hilfe waren entscheidende Quellen im entsprechenden Teil der Dokumentation, wie aus dem Niemand, aus der völlig unbedeutenden Person innerhalb von kürzester Zeit der Nazi Hitler wurde.

Georg Friedrich Prinz von Preußen besucht den Berlin Story Bunker

Georg Friedrich Prinz von Preußen besucht den Berlin Story Bunker. Mit Wieland Giebel steht er hier vor der Szenen der zerstörten Stadt Berlin.

Damals (rechts), vor zehn Jahren, eröffnete er 2008 die Berlin Story Unter den Linden mit Buchhandlung, Verlag, Café, Bistro, dem Berlin Story Museum sowie dem Berlin Story Salon, einem DinnerShow Theater.

US-amerikanische Geschichtsstudenten beim NS-Workshop

Jørgen Brandsborg mit seinen amerikanischen Geschichts-Studenten sowie Julie und Matthias nach dem NS-Workshop, einer Veranstaltungen von einem ganzen Tag im Berlin Story Bunker für angemeldete Gruppen.

Was war für Euch anderes? „Alles! Das war jetzt mal nicht nur Nationalsozialismus in Häppchen, sondern eine vollständige und klar positionierte, meinungsstarke Dokumentation. Etwas ähnliches haben wir bei unseren vielen Besuchen von Gedenkstätten und Museen noch nicht erlebt. Das war mit weitem Abstand das Beste zum Nationalsozialismus, aber überhaupt an politischer Dokumentation, was wir jemals gesehen haben.“

Volksbund Kriegsgräberfürsorge im Berlin Story Bunker

Jahrestagung des Volksbunds Kriegsgräberfürsorge im Berlin Story Bunker. Mitglieder des Kuratoriums, des Bundesvorstands, der Landesverbände, Geschäftsführer. Führung mit dem Präsidenten General a.D. Wolfgang Schneiderhan und der Bundesgeschäftsführerin Daniela Schily durch den Bunker und durch die Dokumentation „Hitler – wie konnte es geschehen“.

General a.D. Wolfgang Schneiderhan im Bunker über Russland

General a.D. Wolfgang Schneiderhan, Präsident des Volksbunds Kriegsgräberfürsorge, spricht im Berlin Story Bunker über die Beziehung zu Russland. Er erinnert daran, wie vor 25 Jahren eine Blütezeit der Versöhnung anbrach, wie es entscheidende Schritte in Richtung eines belastbaren Friedens zwischen den Ländern und Völker vorwärts ging. Heute dagegen, so sein großes Thema, sei es kaum erträglich zu erleben, wie die Versöhnung auseinanderzubrechen drohe. Drei Mal wurde Deutschland von Versöhnung begünstigt, nach dem Ersten Weltkrieg, nach dem Zweiten Weltkrieg und nach dem Fall der Mauer. Es sei, so auch der eindeutige Auftrage des Schirmherrn des Volksbunds, des Bundespräsidenten, Aufgabe des Volksbunds, jetzt erst recht den Kontakt zu Russland zu suchen und auszubauen.

Der General bedankt sich anschließend, die Dokumentation im Bunker sei tief beeindruckend. Es zeige sich, wie stark die überzeugende Botschaft gegen Rassismus, Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit von einzelnen Menschen und deren Engagement abhänge.

Niko bringt dem Hinweis auf den Besuch des Botschafters von Israel an


Niko bringt am Eingang des Bunkers den Hinweis an, dass der Botschafter Israels, Jeremy Issacharoff, die Dokumentation „Hitler – wie konnte es geschehen“ gegen Nationalsozialismus, Rassismus und Antisemitismus als vorbildlich empfiehlt.

Enno Lenzes Zeit als Kriegsberichterstatter


Bunkerchef Enno Lenze hat neben seinem Ehrenamt im Bunker noch viele weitere Projekte. Unter anderem war er in den Vergangenen Jahren als Kriegsberichterstatter in Kurdistan-Irak. Seine Erlebnisse mit Präsidenten, Soldaten und Flüchtlingen, wenige hundert Meter vom Islamischen Staat entfernt, kann man nun in seinem Buch „Fronturlaub“ nachlesen. Ein signiertes Exemplar können Sie hier bestellen. Ansonsten erhalten Sie den Titel überall im Buchhandel.