10 Jahre Making of Berlin

73.000 Aufführungen hat dieser Film bisher erlebt. „Making of Berlin“ prägt das Bild von Berlin bei unendlich vielen Besuchern aus Deutschland und aus vielen anderen Ländern. Wir nehmen an, dass es der am häufigsten gesehene und am meisten verkaufte Film über Berlin ist.

Seit genau zehn Jahren läuft Making of Berlin an jedem Tag zwanzig Mal in der Berlin Story. Anfangs gab es eine Videocassette auf deutsch, dann Videocassetten in mehreren Sprachen, seit einigen Jahren stellen wir nur noch die DVD her, aber in zehn Sprachen. Jede Sprache wurde professionell übersetzt und in den Tonweltstudios aufgenommen.

Heute vor zehn Jahren war Karfreitag. Die Berlin Story befand sich Unter den Linden 10. Wir hatten für diesen Film im hinteren Teil der Buchhandlung ein Kino gebaut. Von der Berliner Volksbank gab es damals keine Vorfinanzierung für den Film „Wer soll sich den denn in einer Buchhandlung ansehen oder kaufen“.

Die Eröffnungsrede bei der Pressekonferenz zum Film hielt Prof. Christoph Stölzl, der bis kurz zuvor Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums war. „Einen Film über Berlin chronologisch, ausgewogenen und auch noch spannend zu machen ist schwierig. „The Making of Berlin“ setzt genau das um und vermittelt einen fundierten Eindruck der Stadt. Der Film zieht eine gute Bilanz und zeigt, wohin Berlin sich entwickeln kann. Man spürt die große Liebe des Autors zu Berlin gerade in der Verknüpfung mit der persönlichen Geschichte.“

Das war sehr wohlwollend von Prof. Stölzl, weil er eigentlich eine ganz andere Kategorie Film gewohnt ist. Sein Sohn Philipp Stölzl drehte für Madonna, Ramstein, BMW, Sony und Rolex und produziert heute Kinofilme wie Goethe!

„Making of Berlin“ wurde von Karl Heinz Kramer gedreht und im Multimediastudio Kraemer in der Husemannstraße geschnitten. Die Aktualisierungen der vergangenen Jahre stammen von Bernd Papenfuß, der die Filme zur Historiale dreht und die 30 Kurzfilme des Historiale Berlin Museums geschnitten hat.  Making of Berlin wurde in fast jedem Jahr aktualisiert, zuletzt im Jahr 2011.

Making of Berlin hat zehn Sprachfassungen, die man auf der DVD in einem Menü auswählen kann. Deutsch, Englisch, Französich, Spanisch, Italienisch, Niederländisch, Dänisch, Russisch, Türkisch, Chinesisch. Wir hätten gern mehr türkische Besucher.

Mehr über Making of Berlin …

Den letzten Anstoß zur Produktion dieses Films gab ein Besuch in einem Kibbuz in Israel am Toten Meer. Ein Gedi ist eine Oase voller Blüten und einem Schlammbad in der Nähe, ein Ort tiefer Entspannung. In Ein Gedi, der „Quelle des Zickleins“, hielt Ayala Gilad einen Dia-Vortrag, wie sie als Kind mit ihren aus Polen stammenden Eltern an diesen Ort kam, wie es damals aussah, was sich gesellschaftlich entwickelt hatte, wie die politische Situation sich änderte. Ihre Geschichte war immer verknüpft mit einigen wenigen persönlichen Bezügen, mit Fotos ihrer Eltern. Das schuf Nähe und Verständnis und war persönlich, aber doch auch gleichzeitig politisch. Daran habe ich mich orientiert.

Ich hatte den Film im Kopf, lange am Drehbuch gearbeitet, er sollte im Winter geschnitten werden, aber die kurzen direkten Beiträge von mir wurden mehrere Monate vorher gedreht, so lange die Bäume noch grün waren. Die erste Szene entstand am Bahnhof Treptow. Mit dieser Szene war auch eine der schwierigsten Entscheidungen verbunden. Nehme ich meine eigene Flucht vom Osten in den Westen mit meiner Mutter in den Film? Als der Film noch mit Ton direkt in der Buchhandlung lief, konnten alle Mitarbeiter die Szene mitsprechen: „Die Tür schloß sich, meine Mutter – eine junge Frau vom Lande – schob den Kinderwagen mit mir in die S-Bahn, die Tür schloß sich und meine Mutter  blieb heulend am Bahnsteig zurück. So kam ich allein in der Westen. Meine Mutter kam zehn Minuten später mit der nächsten S-Bahn nach“. Fahrgäste hatten gemerkt, dass es eine Flucht war und mit mir im Kinderwagen am ersten Bahnhof im Westen auf meine Mutter gewartet. Ist das zu kitschig? Ist das zu persönlich? Es ist die Stelle des Films, die sich wirklich jeder merkt, weil die Teilung Berlins und Deutschlands durch diese eine Szene wahrhaft lebendig wird. Das geht auf die Schilderungen von Ayala zurück.

Wie geht es weiter? Filme produzieren ist heute mehr oder weniger Teil unseres Alltagsgeschäft geworden. Momentan produzieren wir „Berlin heute“. Heute, das ist Material aus vier Jahren, weil heute dauernd Baustellen in Berlin sind und wir kein „Making of Baustelle“ drehen wollten. Bernd Papenfuß hat gedreht, geschnitten und vertonet, Norman Bösch hat den deutschen Text gesprochen und genau heute spricht Simon Hodgson den englischen Text.  Die DVD k0mmt als Beilage zum Buch „Berlin heute“ mit Fotos von Ron Mertiny.