VorwortDies ist das bedeutendste Werk von Christian Daniel Rauch (1777 bis 1857), eines der bekanntesten Denkmäler überhaupt, lebendig, realistisch – und Sie können jetzt mit diesem Buch einfach auf Entdeckungsreise gehen. Ganz genau wird beschrieben, wer an welcher Stelle des Sockels plaziert wurde, wie Rauch über Jahre an den Modellen arbeitete und wer ihm half. Aber dieses Buch ist noch genauer. Im zweiten Teil werden nicht nur die Gruppen insgesamt vorgestellt, sondern zu jeder der abgebildeten Personen gibt es eine Biographie. Lange hat es gedauert von den ersten Überlegungen über die Auftragsvergabe im Jahr 1839 durch König Friedrich Wilhelm III. bis zur Einweihung. Sollte Friedrich antikisierend wie in Griechenland dargestellt werden oder eher modern? Wer kann so etwas entscheiden? Eine Kommission natürlich. Da Rauch und auch Schinkel in der Kommission saßen, setzten sie sich mit ihrer realistischen Vorstellung durch. Aber der Sockel hatte es in sich. Wer darf nicht fehlen? Wer mit wem zusammenstehen? Schließlich starb FW III. und der neue König Friedrich Wilhelm IV. hatte etwas andere Vorstellungen über die Darstellung seines Vorfahren über die Monarchentugenden Gerechtigkeit, Weisheit, Kriegstüchtigkeit und Stärke. Rauch erlaubte sich, die Kriegstüchtigkeit gegen die Mäßigung auszutauschen. Jahrelang Querelen sollte die nächste Königliche Kommission lösen helfen. Christian Daniel Rauch (1777 bis 1857), damals schon berühmt, arbeitete mit ungeheurer Intensität daran, das Pferd dynamisch, bewegt, grazil und von unten in der richtigen Perspektive wirken zu lassen. Er vermaß das ehemalige Leibroß des Königs, holte sich Rat im Gestüt Neustadt an der Dosse, fuhr schließlich im Alter von 74 Jahren nach St. Petersburg, um das Reiterdenkmal für Peter I. zu studieren. Die Einweihungsfeier geriet zu einem pompösen Fest, an dem der gesamte Hof und der preußische Adel teilnahmen. Die Zeiten hatten sich seit der Planung vollständig geändert. Durch die Märzrevolution des Jahre 1848, als das Volk aufbegehrte, begannen die Machtverhältnisse zu wanken. Der König hielt sein Versprechen einer neuen Verfassung nicht. Das Denkmal diente jetzt dazu, die Ansprüche der Hohenzollern auf den Thron zu untermauern. Heute bewundern wir dieses herausragend restaurierte Kunstwerk. Damals schrieb Christian Daniel Rauch: »Ich kann Ihnen sagen, daß mich eine nie gekannte Erschöpfung ergriffen hat, die es mir unmöglich machen würde, eine ähnlich Aufgabe weiter zu führen. Ich bin geistig fertig, ermüdet an Leib und Seele, Perrück, Kleid und Stieffel ohne Unterbrechung seit 9 Jahren durchgemacht zu haben …« Ganz so schlimm kam es dann doch nicht. 1859 schuf Rauch das Standbild von Albrecht Daniel Thaer, dem Begründer der Agrarwissenschaft in Preußen, heute auf dem Schinkelplatz, sowie im Jahr 1864 das Standbild Immanuel Kants in Königsberg. Wieland Giebel |
|
|
Programm

