mehr infos...
Berlins erstes Telefonbuch 1881
ISBN 978-3-929829-33-4
erschienen März 2006

Zum Buch...

Das Jahr 1881

Kann

sich das jemand vorstellen: In den Straßen von Berlin fährt die Pferdebahn als einziges Massenpersonenbeförderungsmittel, und in der Börse werden die ersten Telefone eingerichtet? Nun, die Ambivalenz der drei letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts ist groß, nicht nur in Berlin.

1881 veröffentlicht der Historiker Leopold von Ranke den ersten Band seiner Weltgeschichte, Johanna Spyri ihr zweites Heidi-Buch: Heidi kann brauchen, was es gelernt hat. Arnold Böcklin malt eine weitere Fassung des Gemäldes »Die Toteninsel«, Max Liebermann »Das Waisenhaus in Amsterdam«. Die Oper »Hoffmanns Erzählungen« von Jacques Offenbach wird posthum uraufgeführt, Friedrich Nietzsche präsentiert dem Publikum »Morgenröte. Gedanken über moralische Vorurteile«.
Pogrome in Rußland bedrohen Existenz und Leben der dort lebenden Juden, Italien beginnt mit der Eroberung von Somalia und Eritrea seine Kolonialzeit, und Reichskanzler Otto von Bismarck handelt den Neutralitätsvertrag für Deutschland, Österreich und Rußland aus. Daneben hat er Zeit, den Historiker Theodor Mommsen wegen Beleidigung zu verklagen, welcher aber freigesprochen wird.
...

In Berlin war das Jahr 1881 nicht weniger vielfältig. Während die »Vossische Zeitung« (Telefon Nr. 62) wie immer zuerst von des Kaisers Reisen und den Alltagserlebnissen der großen Hohenzollern-Familie berichtet, beginnt das »Berliner Tageblatt« (Telefon Nr. 88) die Berichterstattung mitten im Leben und schreibt am 17. Juli des Jahres: »Die Wahlstatistik der Sozialdemokraten bei den bevorstehenden Reichstagswahlen macht gegenwärtig den Politikern große Sorge.« Zu Recht, wie wir wissen, denn vier Jahre zuvor waren erstmals zwei sozialdemokratische Abgeordnete in den Reichstag eingezogen. Allerdings noch nicht in den heute bestehenden Bau, denn für diesen wird 1881 erst der Bauplatz festgelegt. Frau Karohl (über die sonst nichts bekannt ist) hat an diesem Tag ganz andere Sorgen. Sie inseriert in der Abendausgabe des »Tageblatts«: »Die gegen Martha Fechner ausgesprochene Beleidigung nehme ich zurück. Frau Karohl.«
...

Genau am 1. April, als Heinrich Stephan den Fernsprechverkehr für die Öffentlichkeit frei gibt, scheidet Berlin aus der Provinz Brandenburg aus und wird selbständiger Stadtkreis. Die »Vossische Zeitung« (Telefon Nr. 62) berichtet an diesem Tag vom Ergebnis der letzten Volkszählung: Berlin hat 1 022 385 EinwohnerInnen. Im Verein für Feuerbestattung beschäftigt man sich mit der Verhütung von Gefahren des Scheintodes und zeigt in derselben Ausgabe der »Vossischen« an, daß man in vorgestriger Generalversammlung beschlossen habe, sich in »Verein für Feuerbestattung und gegen die Gefahren des Scheintodes« umzubenennen.


Das Opernhaus spielt »Rigoletto« an jenem denkwürdigen Tag, das Nationaltheater »Emilia Galotti« und das Central-Theater in der Alten Jakobstraße bietet echte bayerische Schuhplattler. August Martiny, kaiserlich königlicher Hoflieferant mit Sitz in der Jerusalemer Straße 98, inseriert sein Tagesangebot internationaler Speisen: »Fette Brüsseler Poularden n. Hamb. Kücken, nebst frz. Blumenkohl, Artischocken, neuen langen Kartoffeln, Radiesern, Salat romani, Kopf- u. Endivien-Salat u. Ia. Mandarinen von Malta.« Von der Telephonie ist nirgends die Rede.

Ihr Warenkorb

Warenkorb2 Artikel zu 34,75 &euro im » Warenkorb

Toptitel

Programm Frühjahr 2010

Der aktuelle Katalog interaktiv oder als PDF-Download

Lust auf Berlin Bücher?

Wandeln Sie mit uns durch die Geschichte Berlins. Atmen Sie die Luft der 20er Jahre! Lauschen Sie den Gesprächen am Hofe Friedrich des Großen! Sehen Sie Ihren Kiez mit anderen Augen!
Wir haben die Bücher für Ihr Lesevergnügen.