EinführungZWISCHEN AUSTERLITZ UND JENA/AUERSTEDTIm Mai 1804 hatte sich Napoleon Bonaparte zum Kaiser der Franzosen proklamieren lassen. Weder Preußen noch Österreich erhoben dagegen den leisesten Einspruch. Beide Mächte beeilten sich vielmehr, ihm ihre Anerkennung auszusprechen. Kaiser Franz nahm rasch den Titel eines Kaisers von Österreich an. Er ahnte wohl, daß es mit dem Römischen Kaisertum deutscher Nation bald ganz zu Ende gehen sollte, darum wollte er für seine Nachkommen wenigstens den kaiserlichen Titel retten. Aber erneute Übergriffe Frankreichs in Italien drängten Österreich zum Anschluß an das bestehende englisch-russische Bündnis. Im Frühsommer 1805 wurde die dritte Koalition abgeschlossen. Man bemühte sich nun um einen Beitritt Preußens. Auch Napoleon warb um Preußen. Aber seine Art und Weise zeigte schon, wie tief er damals Preußen und seinen schwachen König Friedrich Wilhelm III. verachtete. Preußen erhielt für seine eventuelle Waffenhilfe Hannover zugesagt, was wiederum zur Feindschaft mit England führen mußte. Dazu sollte es noch ein Stück seiner rheinischen Besitzungen mit der Festung Wesel an Frankreich abtreten. Der Antrag war schlicht eine Beleidigung für einen Staat, der eine europäische Großmacht sein wollte. Wollte man sich nicht wie Bayern oder Württemberg behandeln lassen, dann war es einfach erforderlich, sofort einen Krieg mit starken Bundesgenossen zu führen. Es gab in Berlin genügend Personen, die das erkannten. Leider gehörte der König nicht zu ihnen. Königin Luise drängte zum Anschluß an Rußland, Prinz Louis Ferdinand beschwor seine königlichen Verwandten, die günstige Gelegenheit nicht ungenutzt vergehen zu lassen. Aber alles Hoffen war vergebens. Im Rate des Königs setzte sich die unheilvolle Meinung des Grafen Haugwitz durch und der König erklärte sein Land für neutral. Beteiligt an diesem Entschluß war allerdings Zar Alexander I., der damit drohte, seine Armee einfach durch preußisches Gebiet marschieren zu lassen, wenn sich Preußen nicht der österreichisch-russischen Koalition anschlösse. Der preußische König ließ nun sein Heer mobil machen, denn das wollte er sich von einer »befreundeten Macht« denn doch nicht bieten lassen. Daraufhin nahm der Zar von seinem Vorhaben Abstand, denn er hatte weder die Macht, noch den Willen, mit Preußen eine militärische Auseinandersetzung zu führen. Er hatte allerdings erreicht, daß von einem möglichen Anschluß des Berliner Hofes an die antifranzösische Koalition jetzt nicht mehr die Rede sein konnte. Nun brach das Ungewitter eines Krieges mit aller Gewalt über Süddeutschland herein. Seit längerer Zeit hatte Napoleon ein riesiges Heer bei Boulogne versammelt, um damit nach England überzusetzen. Als er erkannte, daß dies unmöglich war, stand er vor der Gefahr, sich vor Frankreich und Europa mit seinen nutzlosen Rüstungen lächerlich zu machen. Nun bot ihm die Kriegskoalition der beiden großen Festlandmächte die willkommene Gelegenheit, seine Soldaten gegen einen Feind zu führen, den er erreichen und fassen konnte und dem er überlegen war. Seine Große Armee ging über den Rhein. Bayern, Württemberg, Baden, und Hessen-Darmstadt schlossen sich ihm an. In kürzester Zeit erfolgten militärische Schläge. Die Österreicher erlitten eine Niederlage nach der anderen. Der französische Kaiser verkündete siegestrunken: »Ich werde nach Wien reisen, als wäre es auf Etappen.« Aber noch einmal schien es, als würde der preußische König zum Schwert greifen. Auf dem Weg zur Umzingelung der bei Ulm stehenden österreichischen Armee unter dem General Mack ließ Napoleon einfach einen Teil seiner Truppen unter Murat durch das preußische Gebiet von Ansbach-Bayreuth marschieren. Das war eine offene Verhöhnung der preußischen Schwäche und eine Beleidigung des Königs. So wurde es in Berlin auch empfunden. |
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