07/02 - Jüdisches Museum
Bericht von Marie PreussFebruar 2007
Ich weiß nicht, was soll es bedeuten - Das Jüdische Museum
Wie ein verletzter Koloss liegt das moderne Gebäude des Jüdischen Museums neben dem Altbau, dem barocken Kollegienhaus. In der Nacht hat es geschneit, aber der weiße Puderschnee lässt die grauen Kanten des Gebäudes eher noch schärfer erscheinen. Der Architekt, Daniel Libeskind, gibt dem Besucher, der hier jüdische deutsche Geschichte zu ergründen versucht, ein Gefühl der Halt- und Orientierungslosigkeit mit auf den Weg.
Es ist nur ein Versuch nachzuempfinden, wie sich verfolgte und vertriebene Menschen fühlen könnten – und der gelingt ganz gut. Immer wieder stößt man in den Gängen auf Leerräume, so genannte Voids. Kahl und düster verbinden sie die verschiedenen Bauten. Die Installation „Shalechet“ (Gefallenes Laub) des israelischen Künstlers Menashe Kadishman füllt einen Void mit eisernen rostigen Masken aus, die den Boden komplett bedecken. „Man kann auch darauf treten“, bemerkt die hilfsbereite Aufpasserin. Der Künstler möchte das gerne jedem offen lassen.
Die sehr umfangreiche Dauerausstellung zu zwei Jahrtausenden deutsch-jüdischer Geschichte befindet sich auf den höheren Etagen. Es geht von den Anfängen des Judentums über das Leben und die Ausrottung der Juden, vieler Künstler, Wissenschaftler und Poeten in Deutschland bis zu den Interviews mit jungen jüdischen Deutschen, die in bauchfreien T-Shirts posieren. Auf einem großen Kissen kann man ausruhen, um die Lorelei von Heinrich Heine anzuhören und dabei durch ein scharfkantiges gezacktes Fenster in den kalten Winterhimmel zu schauen.
Wieder unten in den dunklen Gängen führt die „Achse der Vernichtung“ durch eine schwere, schwarze Stahltür in den Holocaust-Turm. Der 24 Meter hohe Betonkörper steht außerhalb des Museumsgebäudes. Es ist kalt. Nur durch einen schmalen Schlitz im oberen Teil kommt ein wenig Licht.
Und wie man so dasteht, hört man plötzlich das Rufen der Kinder – und ist sich nicht sicher, woher die Geräusche in den dunklen Raum dringen.
Natürlich, sie kommen vom Schulhof gegenüber, auf dem die Klassen gerade auf dem Pausenhof die erste Schneeballschlacht des Jahres machen.
Ort:
Jüdisches Museum Berlin
Lindenstraße 9-14
10969 Berlin
Info: (030) 259 93 300
www.jmberlin.de
Verkehrsanbindung:
U1, U6 Hallesches Tor
U6 Kochstraße
Bus M29, M41, 265
Öffnungszeiten:
Mo 10-22h; Di-So 10-20h
Letzter Einlass für Besucher ist dienstags bis sonntags 19 Uhr, montags 21 Uhr
Schließtage
13. und 14. September 2007 (Rosch ha-Schana)
22. September 2007 (Jom Kippur)
24. Dezember (Heiligabend)
Eintritt:
€ 5,-, ermäßigt € 2,50
Kinder bis zum sechsten Lebensjahr: Eintritt frei
Familienticket (zwei Erwachsene, bis zu vier Kinder): 10 Euro
Literaturempfehlungen:
Schneider, Rolf
Jüdisches Museum Berlin. Aus der Reihe: Die Neuen Architekturführer, Nr. 2
€ 3,-
Dorner, Elke
Daniel Libeskind - Jüdisches Museum Berlin
€ 19,80
Alle Bücher im Webshop der Berlin Story erhältlich:
(Die Verlinkungen führen direkt zum jeweiligen Buch)
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oder in der Buchhandlung:
Berlin Story
Unter den Linden 26
10117 Berlin
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