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Newsletter 13 – Juli 2005


Langfassung unseres Newsletters
(So verschicken wir unseren Newsletter per Post)
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Juli 2005

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,
liebe Freunde der Berlin Story,

bei uns hat sich viel ereignet, wir laden im Sommer zu mehreren Veranstaltungen ein. Deswegen kommt dieses Rundschreiben nicht wie eigentlich angekündigt im September, sondern schon jetzt. Die Besprechungen neuer Bücher finden Sie ab Seite vier.

Im Herbst werden wir drei Bücher herausgeben, nicht nur zwei wie angekündigt. Neu ist ein Buch über die Zwanziger Jahre, geschrieben von Michael Bienert und Elke Linda Buchholz. Beide Autoren befassen sich seit langem mit dieser Zeit, sind begnadete Schreiber, und wir sind ziemlich sicher, daß es ein hervorragendes Buch wird. Die Manuskripte machen große Freude, und mit der reichen Visualisierung wird das wohl ein kleiner Prachtband. Das Buch über die Humboldt Universität des Literaturwissenschaftlers Gianluca Falanga wird die Geschichte und das breite Spektrum der Alma Mater vorstellen. Die Mitarbeiter der Uni, die das Manuskript durchgesehen haben, freuen sich darauf, endlich eine umfassende Darstellung des Geistes der Universität zu bekommen. Unser Buch über Kirchen in Berlin ist ebenfalls fertig und befindet sich im Satz. Der Autor Dr. Sven Scherz-Schade hat an der Humboldt Uni studiert und arbeitet unter anderem für mehrere kirchliche Zeitungen. Alle drei Bücher werden 19,80 Euro kosten und 240 Seiten haben. Vor Weihnachten folgt dann der nächste Reprint aus friderizianischer Zeit.

Buchpräsentation/Lesung
„Das ist Berlin – eine Stadt und ihre Stars“

Mittwoch, 27. Juli 2005 um 19:30 Uhr, Eintritt frei
Geschichten und Anekdoten von Prominenten, von denen einige ihre Karriere bei der UFA begonnen haben und schon bald zu Weltstars wurden, sind in diesem Buch versammelt. Bei allen spielte Berlin für lange Zeit eine große Rolle und auch der Leser wird erstaunt sein, wer eigentlich alles in der Hauptstadt lebte. Kleine Geheimnisse sind von Marlene Dietrich, Hildegard Knef, Asta Nielsen, Curd Jürgens, Willy Fritsch und 17 weiteren Prominenten nachzulesen. Selbst die Adressen der damaligen Wohnorte und zusätzliche Abbildungen der Wohnhäuser sind Bestandteil der Erzählungen. Dementsprechend eignet sich das Buch auch ideal dafür, sich selbst auf die Spuren der Stars zu begeben. Die unterhaltsamen Promigeschichten sind oftmals aus der Schlüssellochperspektive geschrieben und mit informativen Kurzbiographien sowie zahlreichen Fotografien untermalt. Die Autorin Birgit Wetzig-Zalkind (Sta * Tours) und Julia Nogli (Radio Paradiso) werden am 27. Juli 2005 aus dem neu erschienenen Titel „Das ist Berlin – eine Stadt und ihre Stars“ lesen. Wetzig-Zalkind Westkreuz Verlag, 14,90 Euro

Preußenkrimis open air – 6. Berliner KrimiNacht
Freitag, 5. August 2005 um 20:00 Uhr im Innenhof
Karten:
8 Euro/ ermäßigt 5 Euro; Hotline (= Telefon) 030 – 440 23 814

Mehr über die Autoren im Internet auf www.bebraverlag.de
Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem be.bra Verlag
Das ist eine Premiere für uns, wir erschließen den wunderbaren Innenhof des Hauses Unter den Linden 40, in dem es bisher noch keine Veranstaltungen gegeben hat – und schon gar keine blutigen. Die Veranstaltungen des be.bra Verlags sind häufig ausgebucht, total überlaufen, immer mindestens sehr gut besucht. Wir haben das selbst erlebt und standen einmal vor der Tür. Bitte bestellen Sie Karten vor.

Frank Goyke liest aus: „Fersengeld“, berlin.krimi.verlag, 9,90 Euro
Gabriele Stave liest aus: „Schützenfest“, berlin.krimi.verlag, 9,90 Euro
Horst Bosetzky liest aus: „Die Bestie vom Schlesischen Bahnhof“, Roman, Jaron, 19,90 Euro

Die Berlin-Brandenburgische Geschichte ist immer für ein Verbrechen gut. Auf der 6. Berliner KrimiNacht entführt Marlowe-Preisträger Frank Goyke in die Niederungen des Mittelalters, Gabriele Stave seziert einen authentischen Mordfall aus der Kaiserzeit und Krimi-Altmeister Horst Bosetzky (-ky) rollt den Fall eines Serienmörders aus den Zwanziger Jahren auf.

Die Moderation übernimmt Stefan Rupp von Radio Eins. Die Autoren und ihre Bücher werden im Gespräch vorgestellt, anschließend liest jeder die heftigsten Stellen.

Lesung mit der Autorin Waltraud Süßmilch
Im Bunker – Eine Überlebende berichtet vom Bombenkrieg in Berlin
Donnerstag, 11. August 2005 um 19.30 Uhr in der Berlin Story, Eintritt frei
„Nichts hatte ich vergessen können, nicht den Hunger, nicht die Toten, nicht die Vergewaltigungen.“ Es war Ende April 1945. Die damals 15jährige Waltraud Süßmilch versteckte sich im Luftschutzkeller ihres Wohnhauses, doch beinahe wurde sie dort infolge einer gewaltigen Detonation verschüttet. Um dem Bombenhagel zu entfliehen, flüchtete sie mit ihrer Familie in den völlig überfüllten Anhaltiner Bunker. Zusammen mit Tausenden von Menschen harrten sie dort aus; völlig unwissend, ob sie diesen Betonsarg lebend verlassen werden. Am 2. Mai 1945 sprengten Angehörige der SS den Landwehrkanal, um den heranrückenden Soldaten der Roten Armee die Eroberung der Stadt zu erschweren. Das Wasser suchte sich seinen Weg durch die Tunnelanlagen vom Anhalter- bis zum Stettiner Bahnhof – eine Massenflucht begann, zahlreiche Menschen ertranken. Für Waltraud Süßmilch begann ein Wettlauf mit dem Tod durch die Unterwelten Berlins, stolpernd über diejenigen, die es nicht mehr geschafft hatten. Bewegend schildert sie ihre Erlebnisse der letzten Kriegsmonate an Hand von Tagebuchaufzeichnungen. Süßmilch, Ullstein Verlag 8,95

Streitgespräch mit Verkostung

Ist die Imbissbude noch zu retten?
Donnerstag, 18. August 2005 um 19.30 Uhr wieder im Hof der Berlin Story, Eintritt frei
Wir wagen uns an ein heikles Thema und nehmen an, daß die Fetzen fliegen, auch wenn Herr Wall nicht kommt. Zur Berliner Imbißbude, zur deutschen und auch europäischen, hat es Symposien, Ausstellungen, Bücher, Zeitungsberichte, Fernsehsendungen, Preise, Architekturforen und immer wieder die Fragen gegeben: Ist die Imbissbude Architektur? Ist sie ein wichtiger Ort im Stadtraum? Ist sie es wert, erhalten zu werden? Wie sieht ihre Zukunft aus? Initiator war häufig Jon von Wetzlar von der Agentur URBANE ANARCHISTEN. Jon von Wetzlar wird der Moderator dieser Veranstaltung sein, zu der bereits zugesagt haben:
Rainer W. Ernst, Professor für Städtebau und Entwerfen an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee
Werner Sewing, Architektursoziologe
Theresa Keilhacker, Architektin. plattformnachwuchsarchitekten

Özcan Mutlu, MdA, Bündnis 90/Grüne, Innenausschuß
(angefragt, Zusage steht noch aus)

Diskutiert wird über das Thema: Hat die Imbissbude im modernen, globalen Stadtraum noch eine Chance? Kann sie sich in Zeiten der Trend Gastronomie noch behaupten? Ein kleines Programm begleitet die Veranstaltung: Lesung mit Texten von Max Weber, Rem Koolhaas, Joseph Vogl, Krackauer, Deleuze. Visuelle Animation mit Videos und Kurzfilmen.
„Die außerhäusige Nahrungsaufnahme aus dafür geeigneten transistorischen Bauwerken spielt durchaus in vielen Ländern Europas eine Rolle“, heißt es in einem Paper der Urbanen Anarchisten. Das Thema provoziert natürlich auch ein stimmiges Catering.
von Wetzlar, Urbane Anarchisten, Die Kultur der Imbissbude, Jonas Verlag 15,00

Die Hohenzollern – Geschichte und Kunst einer Dynastie
Veranstaltungsreihe mit Dr. Gerhild Komander, Eintritt 5 Euro, 4 ermäßigt

Fürsten sind zwiespältige Gestalten. Sie müssen regieren, sprich: Krieg führen. Sie müssen heiraten, um das Erbe – und damit die Macht ihres Hauses – zu bewahren. Unter günstigen Umständen dürfen sie Kultur pflegen und schaffen. Das umfassende kulturelle Engagement der Hohenzollern, insbesondere für die Künste, ist weitgehend unbekannt. Das liegt einerseits daran, dass die Geschichte der Hohenzollern-Dynastie in Darstellung und Urteil von der Geschichte Preußens überlagert wird, andererseits sich Legenden hartnäckiger halten als Tatsachen – der Alte Fritz ist wesentlich populärer als Friedrich II.

Acht Jahrhunderte Hohenzollern-Geschichte bedeuten achthundert Jahre Hohenzollern-Kunst. Da sind die mächtigen Burgen in Schwaben und Franken, die durchaus mit dem Berliner Schloß konkurrieren können, die Grablege in Heilsbronn und Ansbach, die denen im Berliner Dom nicht nachstehen. In Brandenburg entstehen nach dem Dreißigjährigen Krieg bedeutende Festungsanlagen, Werften (!), Schlösser und Gärten und ganze Stadtanlagen neu. Die Königskrönung 1701 demonstriert den Machtwillen der Hohenzollern, augenfällig repräsentiert durch die Künste, die keineswegs nur im Berliner Schloß zur Geltung kamen. Die Kaiserproklamation in Versailles ruft die Hofkunst noch einmal mit aller Macht zurück. Davon zeugt die Siegessäule ebenso wie das Werk Anton von Werners und die Denkmalflut des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Übrigens: Der Aufstieg zu Reichtum, Macht und Ansehen gelang den Hohenzollern durch Kaisertreue und das Erbe ihrer Frauen. Dennoch liegt der Schwerpunkt bewußt auf der männlichen Seite der Geschichte. Die Frauen der Hohenzollern schauen wir uns vielleicht später an.

Donnerstag, 15. September 2005
Die Anfänge der Hohenzollern und der Ursprung des Kurfürstentums Brandenburg
Donnerstag, 22. September 2005
Der Große Kurfürst und Louise Henriette von Nassau-Oranien
Donnerstag, 29. September 2005

Die ersten beiden Könige der Hohenzollern
Donnerstag, 6. Oktober 2005
Friedrich II.
Donnerstag, 13. Oktober 2005
Friedrich Wilhelm II., III. und IV.
Donnerstag, 20. Oktober 2005
Die Hohenzollern im Kaiserreich

Die Hohenzollern, von Louis Ferdinand Freiherr von Massenbach, 120 Seiten, 8 Euro
Die Persönlichkeiten der Hohenzollern werden knapp aber treffend individuell und im politischen Rahmen gewürdigt. Es wir zum Beispiel beschrieben, was Friedrich Wilhelm IV. als Ziel sah, den Brudersinn aller Deutschen, wie er seine Freundschaft zu Humboldts und Ranke pflegt, wie ihm schließlich aufgrund seiner Vorstellung vom Gott gewollten Thron der Blick auf die Realität entglitt. Bei Kaiser Wilhelm II. wird nachvollziehbar beschrieben, wie er sich zunächst immer etwas zu lautstark und schnoddrig verhielt, sich dann nach politischen Fehlern zurückzog, die Politik mehr oder weniger Anderen überließ und dadurch in einen Krieg schlitterte, den er nicht wollte. Die Broschüre geht auch auf die heute lebenden Hohenzollern ein und würdigt das Engagement von Prinz Georg Friedrich von Preußen, dem gegenwärtigen Chef der Hohenzollern, sein zeitgemäßes Auftreten, seine Besuche in Israel. Die Nebenlinien werden dargestellt. Eine Übersicht gibt Auskunft darüber, wo wer bestattet ist.

Cabaret Berlin
Revue, Kabarett und Filmmusik, 120 Seiten Großformat mit 4 CDs, Ear Books, 30 Euro
Ein Bildband im Format früherer Langspielplatten, der überquillt von großformatigen Portraits von Künstlern, Szenenfotos aus bekannten und weniger bekannten Kabaretts, Plakaten, Fotos aus dem Berlin der Zwanziger Jahre. Eine Reihe von Abbildungen kommt einem bekannt vor (wenn man im Thema steht), sie sind nämlich von Ullstein oder dem Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz. Aber es gibt auch echte Überraschungen, meist aus dem Archiv der Akademie der Künste. Das ist ein Buch zum Durchblättern. Man freut sich daran und hat nicht so viel zu lesen. Jeweils zwei Seiten über die Komponisten sowie ein kurzer Überblickartikel auf deutsch und englisch führen ins Thema ein. Man überblättert den Text besser. „Die Komponisten Ralph Benatzky, Werner Richard Heymann, Friedrich Hollaender, Rudolf Nelson und Mischa Spoliansky überstanden die Nazi-Zeit im Exil oder im Untergrund. Auch nach dem Ersten Weltkrieg arbeiteten sie weiter, doch die großen Erfolge der 20er-Jahre hat keiner von ihnen wieder erreichen können.“ Na ja, einen Lektor, der die Zeiten und Weltkriege sortiert, gab es wahrscheinlich nicht. Die ganze Lebensfreude der Goldenen Zwanziger wird von Claire Waldoff, Marlene Dietrich, den Comedian Harmonists, Trude Hesterberg, Paul Graetz, Hans Albers, Heinz Rühmann und vielen anderen besungen. Dazwischen finden sich Instrumentalstücke, musikalisch raffiniert, lustig, übersprühend wie zum Beispiel Weintraubs Syncopator mit einem Bläserstück aus der Revue „Harem auf Reisen“. „Legendäre Stars“, sagt der Text auf der Buchrückseite, und in der Tat war es eine Zeit, in der intellektuelles Feuerwerk, leichte Muse und musikalischer Witz berauschten.

Mauerflug, DVD, etwa 80 Minuten, 20,80 Euro
Dem Vater einer Mitarbeiterin kamen die Tränen, als er den Film sah: „Mein Gott, so marode war die DDR, ich konnte mich gar nicht dran erinnern.“ Vom Schloß Cecilienhof in Potsdam geht es im Frühjahr 1990 vom Hubschrauber aus in nur 50 Metern Höhe gefilmt über die Glienicker Brücke, auf der noch die Sowjetfahne weht, immer der Mauer entlang. Der riesig breite Todesstreifen zwischen innerer und äußerer Mauer wird einem wieder bewußt. Wie die Mauer und der Todesstreifen aufgebaut waren, wie sie im Laufe der Zeit immer undurchdringlicher wurden, wird genau erklärt. Die historische Mitte Berlins wird in einem 20 Minuten dauernden Film gezeigt. Das hat man wirklich nicht mehr so in Erinnerung. Da wird einem klar, was alles in so wenigen Jahren erreicht wurde. Die East Side Gallery ist noch weiß, also im Zustand vor der Bemalung. Daß es einen eigenen Grenzübergang zur Müllentsorgung Westberlins gab, wissen auch nur noch wenige Menschen. Mich überwältigte die Rührung erst, als ich das Haus sah, in dem ich wohne, mit der Mauer und dem Todesstreifen direkt vor der Haustüre.

Weil der Platz so knapp wird, folgen hier noch einige ziemlich kurze Buchvorstellungen. Das schönste neue Buch befaßt sich mit Leben und Werk des Gartenarchitekten Erwin Barth, „Heimat, Natur und Weltstadt“. Es hat über 500 großformatige Seiten Hardcover, erschien bei Koehler & Amelang und wiegt über zwei Kilogramm und kostet nur 58 Euro. Die Autoren sind ein Prof. an der TU und sein Doktorand, Jürgen Wenzel und Dietmar Land. Zunächst wird der Lebensweg Barths geschildert, sein Verhältnis zur Natur, der politische Rahmen in der Kaiserzeit und die allmähliche Wandlung des Verhältnisses von Landschaft und Architektur. Barth wirkt zunächst in Lübeck und wird dann Gartendirektor in Charlottenburg (1911). Der Bezirk förderte das Buchprojekt, viele andere halfen auch mit, sonst wäre es noch teurer. Stadtgartendirektor von Groß-Berlin wurde er ab 1920, geschätzt und der Tradition stark verbunden. Zu seinen Schöpfungen gehören der Wittenbergplatz, der Lietzenseepark, der Savignyplatz, die Jungfernheide, der Luisenstädtische Kanal, der Arkonaplatz, der Boxhagener Platz, der Volkspark Köpenick – dies alles nur als Beispiele. Wenn Sie grundlegende und schöne Bücher sammeln, dann gehört dieses unbedingt dazu.

Eigentlich können Sie dann dieses Buch auch gleich nehmen: Der Berliner Lustgarten, Gartenkunst und Stadtgestalt in Preußens Mitte von Markus Jager, erschienen im Deutschen Kunstverlag, 364 Seiten für 88 Euro, wahrscheinlich weniger subventioniert. Mich können Sie auf Seite 326 ganz im Hintergrund sehen, mal eben so der Kopf, wie ich mit der Gesellschaft Historisches Berlin für den Lustgarten kämpfe. „Strieder hat ne Macke, wir kommen mit der Hacke“. Nicht deswegen ist das Buch empfehlenswert, sondern weil es eine so gründliche und auch so schöne Darstellung des Platzes ist. Auch was rund herum passierte, wird beschrieben, die Wandlung des Opernplatzes zum Beispiel oder die des Schloßplatzes. Alles erinnert an heute, die jahrelangen Auseinandersetzungen, die politischen Eskapaden um jede neue Planung. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Lustgarten zum Thingplatz umgestaltet, allerdings viel zu klein für die ganz großen Aufmärsche. Dieser Thingplatz stand dann zur Zeit Strieders unter Denkmalschutz, bis er aufgrund heftigen Bürgerprotests zurückgeschinkelt wurde. Es handelt sich um eines der Bücher, in denen die Kraft menschlichen Gestaltungswillens vieler Generationen deutlich wird.

Dann blättern wir weiter und stoßen in „Architektur in Berlin. Das XX. Jahrhundert“ (DuMont, 128 Seiten, 19,90 Euro) im Kapitel über die Nationalgalerie von Mies van der Rohe auf ein Zitat Schopenhauers aus „Die Welt als Wille und Vorstellung“, in der er die Grundgesetze der Künste beschreibt als die „Objektivation des Willens der Natur“. Mies selbst hat das einfacher formuliert, er nannte das Prinzip seiner Nationalgalerie einen „Haut-und-Knochen-Bau“. In dem Buch werden auf jeweils zwei Seiten 50 Bauten beschrieben, sehr schräg ausgewählt, deswegen interessanter als klischeehafte Abbildungen der Highlights Berlins. Die AEG-Turbinenhalle, das Verbandshaus der Deutschen Buchdrucker, natürlich Shellhaus und Olympiastadion, aber auch die Philharmonie, die Phosphateliminierungsanlage sowie Potsdamer Platz und Jüdisches Museum gehören dazu. Die Texte sind äußerst gründlich, schön und dicht. Man lernt etwas und erfreut sich an dem Buch, das man gut jemandem schenken kann, der oder die einen nicht so alltäglichen Blick auf Berlin werfen soll.

Nicht alltäglich ist auch das nächste Buch, es ist nämlich ein Buch über Berlin bei Nacht. Leo Seidel fotografierte für Prestel (96 Seiten Querformat, 29,95 Euro) die gar nicht dunklen Seiten Berlins, sondern Die Farben der Nacht, das Strahlen und Glitzern nächtlicher Architektur.

Wenn Sven Felix Kellerhoff von der Berliner Morgenpost ein Buch uneingeschränkt lobt, muß schon was dran sein. „Berlin kommt wieder“, die Nachkriegsjahre 1945/1946, herausgegeben vom Landesarchiv, zeigt, wie Kultur und Alltag vor 60 Jahren in der zerstörten Stadt wieder begannen. (162 Seiten, Katalog zur Ausstellung, 13 Euro). Es ist erschütternd und selbst die Fotos von Tanzveranstaltungen vor dem Funkturm und im Zoo, wo viele Frauen ohne Männer tanzen, reißen das nicht raus. Neben Trümmerfrauen stellt der Band das Leben wollen in den Vordergrund, das Erwachen des Konzertlebens, die ersten Theateraufführungen, eine Liste der Schwarzmarktpreise und die Bekanntmachungen der Verwaltung. Kellerhoff betont, daß der Ruf von Archiven, verstaubt zu sein, schon immer nur sehr begrenzt berechtigt war, hier aber das Landesarchiv zeigt, welche Schätze der Stadt in den Magazinen schlummern.

Der Freund und Kollege von Kellerhof war auch wieder fleißig, nämlich Lars-Broder Keil, von dem wir zuletzt die Mongolenhorden im Zoologischen Garten besprachen. Keil hat beim Lukas Verlag das Leben von Hans-Ulrich von Oerzen rekonstruiert und ein Lebensbild des Offiziers und Widerstandskämpfers in Briefen und Erinnerungen zusammengestellt (180 Seiten, 19,80 Euro). Oertzen spielte als enger Vertrauter Henning von Tresckows eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung des Attentats am 20. Juli 1944. Wie läßt sich das Denken eines Widerstandkämpfers dokumentieren? In Auszügen aus 240 Liebesbriefen an seine Freundin und spätere Frau.

Endlich erschien jetzt bei Jovis ein Buch über die Gruft der Hohenzollern. Nach solch einem Titel wurde bei uns häufig gefragt. Das Buch (222 Seiten, 25,80 Euro) geht um Bestattungskultur, ums Sterben und wer nicht im Dom liegen wollte. Das Einzige, worauf man sich verlassen kann, und zwar echt hundertprozentig, sagte Domprediger Friedrich-Wilhelm Hünerbein bei der Buchpräsentation im Dom, sei der Tod. Jeder Tag könne der letzte sein. Wir gehen mit diesem Gedanken aber so um, als ginge er nur andere an. Epikur meint dazu, der Tod gehe uns nichts an. Solange wir leben, ist der Tod nicht da. Wenn der Tod da ist, leben wir nicht mehr.

Zum Schluß noch etwas weniger philosophisches. Maler und Farbengeschäfte und Baumärkte haben so einen Farbfächer, mit dessen Hilfe man sich aussuchen kann, wie man die Wände der Wohnung gern gestrichen hätte. In der Art gibt es von der Künstler- und Architektengruppe „Stadtblind“ einen Fächer Die Farben Berlins mit zum Beispiel einem Foto des Brandenburger Tors, vor dem ein Polizeiauto steht, dazu auf dem mittleren Teil des Fächers das Grün der Polizei und darunter das Blau des Himmels. Viel Schräges und Ungewöhnliches, deutsch und englisch. Auf der Rückseite Zitate zur Stadtplanung, von Literaten oder auch ein schön zitierfähig kurzes: „Wer Berlin hat, hat Deutschland, und wer Deutschland hat, hat Europa.“ Das ist von Wladimir Illjitisch Lenin. 70 Seiten aus Pappe, Prestel, 14,95 Euro.

Neben den hier besprochenen Büchern liefern wir Ihnen natürlich gern auch jeden anderen Titel. Der Mindestbestellwert ist 10 Euro, das Porto beträgt unabhängig von der Bestellmenge 4 Euro. Noch mehr Bücher und Buchbesprechungen finden Sie im Internet unter www.BerlinStory-Shop.de.
Wir bestellen jetzt auch vergriffene Bücher

Sie suchen nach einem vergriffenen Buch? Kein Problem. Ebenso einfach, wie wir Ihnen bisher neue Titel bestellt haben, besorgen wir nun auch vergriffene und antiquarische Bücher. Wenn Sie also nach einem DDR-Architekturführer suchen, nach einer Liebesgeschichte aus den 20er Jahren oder nach Berliner Rezepten aus Großmutters Zeiten, fragen Sie uns. „Vergriffen" gibt’s nicht mehr!

Wir verabschieden uns bis zum nächsten Rundbrief, jetzt wahrscheinlich wirklich am 14. September 2005
Wieland Giebel, Inhaber
Imke Schuster, Geschäftsführerin