Newsletter 28 – Januar 2008
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Liebe Freunde der Berlin Story,
wir haben Ende des Jahres einigermaßen überraschend zwei relative Bestseller gelandet, nämlich „Berlin – Damals und Heute“ sowie „Kreuzberg SO 36“. Beides sind vorher-nachher Bücher. Die Ausstellung zu SO 36 wird im Kreuzberg Museum, Adalbertstraße 95A, am Sonnabend, dem 26. Januar um 19 Uhr zur Langen Nacht der Museen mit schönem Programm eröffnet und läuft bis zum 9. März 2008, Mi bis So 12-18 Uhr.
Die Buchproduktion des Verlags geht auf hohen Touren weiter. Begünstigt wird das Wachstum durch eine Umsatzsteigerung der Berlin Story im Jahr 2007 von etwa 20 Prozent.
Seit Januar 2008 sind wir eine GmbH. Das ist aber nur eine formale Änderung, alles andere bleibt.
Schwerpunkt im Frühjahr ist die HISTORIALE zur Märzrevolution von 1848, in der Woche vor Ostern. Wir treten ein für demokratische Tradition, revolutionären Geist und freie Meinungsäußerung. Der europäische Völkerfrühling liegt am 18. März 160 Jahre zurück. Wir werden am Ostersonnabend ab 12 Uhr die Särge der 183 Märzgefallenen auf dem Gendarmenmarkt aufbauen. In den Tagen zuvor kommen 100 Jugendliche aus Deutschland und aus Europa zusammen, die wir einladen. Dem nächsten Rundschreiben liegt ein Flyer bei, auf www.Historiale.de können Sie das Programm schon sehen.
Alles Gute
Wieland Giebel
P.S. Voraussichtlich im April ziehen wir um, weil unser Mietvertrag ausläuft. Es geht nur einige Häuser weiter. Im nächsten Rundschreiben informieren wir Sie darüber ausführlich.
Berlin 1968 – die andere Perspektive, Dr. Michael Ludwig Müller, Berlin Story Verlag, 320 Seiten, 19,80 Euro, erscheint im Februar
Wir glauben, dies wird unser politisch interessantestes Buch in diesem Frühjahr. Jetzt konnten wir glücklicherweise den Bildjournalisten Klaus Lehnartz gewinnen, das Buch mit seinen Fotos auszustatten. Dr. Michael L. Müller war im Jahr 1968 als Reporter der Berliner Morgenpost dabei. Er war dabei, als der Perser Bahman Nirum zur Demo am 2. Juni 1967 aufrief, er war vor der Oper, als die Schüsse fielen, er sah Benno Ohnesorg noch lebend liegen. Er war am Kudamm, als Dutschke angeschossen wurde und vor dem Springerhochhaus, als die Auslieferungsfahrzeuge brannten. Er kannte sie alle, aber auch den Regierenden Bürgermeister und den Polizeipräsidenten. Vorher war Müller ein Jahr in New York und hatte erlebt, mit welcher Gelassenheit die Amerikaner auf die Studentenbewegung reagierten. Deswegen war er entsetzt über die Gewalt der Polizei in Berlin. In diesem Buch berichtet Michael L. Müller sehr persönlich – wir baten ihn darum. Und er analysiert gründlich, das ist sein Beruf. Für dieses Buch sprach er mit den Verantwortlichen von damals.
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Agenda 1807 – Den Staat umkrempeln. Die preußischen Reformen 1807-1813. Eine Dokumentation plus DVD, Laufzeit, ca. 70 Minuten, Historiale e.V., 96 Seiten, zahlreiche Abbildungen in Farbe, 9,80 Euro.
Die preußischen Reformen anschaulich darzustellen scheint unmöglich, ist es aber nicht. Mit zwei großen, teilweise parallel laufenden Veranstaltungen widmete sich die Historiale der Zeit, als Berlin französisch besetzt war und litt. Das konnten die Besucher im Nikolaiviertel erleben. Im Abgeordnetenhaus hingegen fand ein siebenstündiges Programm statt, in dessen Mittelpunkt die historische Talkshow stand. Die Reformer Stein und Hardenberg saßen da auf der Bühne, von der Marwitz, der Großgrundbesitzer, sowie der Philosoph Fichte. Im Film kommt das alles ganz leicht daher. Daß wie an einem großen Theater zunächst Historiker und Dramaturen und ein Regisseur daran gearbeitet haben, merkt man gar nicht. Die wunderbar gestaltete Dokumentation voller stimmungsvoller Fotos gibt einen hervorragenden Einblick in diese neuartige Art der Geschichtsdarstellung.
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Jürgen Henschel, Der Fotograf der Wahrheit, Berlin Story Verlag, 192 Seiten, 6,00 Euro statt 19,80 Euro
Billiger, weil die Fotos nicht tiefschwarz sind, aber ein extrem tolles Kreuzberg-Fotobuch.
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Neulich in Neukölln, Notizen von der Talsohle des Lebens,Uli Hannemann, Ullstein Verlag, 184 Seiten, 8,00 Euro
Das Buch ist extrem witzig, sollte hier viel größer angekündigt sein, bitte nicht übersehen und köstlich amüsieren.
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Austerlitz 1805, Ein monumentales Schlachtenpanorama auf Tapete, Museumslandschaft Hessen Kassel, Deutscher Kunstverlag, 72 Seiten, 12,80 Euro
Daß wir einem Museum in Kassel huldigen (Kommitee für die Rettung vom Dativ!), kommt ja sonst nicht vor. Provinz. Immerhin preußische Provinz. Dieses Tapetenpanorama hat es aber in sich. Hinten im Buch befindet sich ein Leporello. In Detailaufnahmen werden die Geschichte der Panoramatapeten überhaupt sowie speziell dieser aus 30 Rollen bestehenden Bahnen von 2,80 Meter Höhe und rund 15 Metern Länge dargestellt. Die Panoramen im Tapetenmuseum Kassel erinnern an die großen Panoramen, mit denen sich Schinkel in Berlin über Wasser hielt, bevor er mit Bauen loslegen konnte. Ich habe immer wieder vor einem Tapetenschlachtenpanorama in Kassel gestanden. Meine Schule war zwei Minuten vom Museum entfernt.
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Es geschah in Berlin 1914. Der Ehrenmord. Kappes dritter Fall, Jan Eik, Jaron Verlag, 205 Seiten, 7,95 Euro
Ein heimatkundlicher Roman, angelegt als Krimi, der vor dem Ersten Weltkrieg in Kreuzberg SO 36 spielt, aber auch über die Linden führt. „An 27 Versammlungsorten in Berlin und Umgebung fanden an diesem Abend die sozialdemokratischen Friedenskundgebungen statt. Otto Unrauh hatte sich überreden lassen, mitzugehen ins Gewerkschaftshaus am Engelufer … Mit den Fäusten, aber auch mit dem blanken Säbel versuchten die Uniformierten, die Demonstranten an der Oranienbrücke auseinanderzutreiben … Die Menge bog zur Adalbertstraße Richtung Kottbusser Tor ab … Otto ging zurück zur Oranienstraße, in der etliche Straßenbahnen aufgereiht der Weiterfahrt harrten.“ Unterhaltsam, spannend, angelagert in den höheren Schichten, Vorderhaus Paradegeschoß versus zweites Hinterhaus unten.
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Das Wunder von Berlin, Alexandra Decker, vgs Egmont, 288 Seiten, 12,95 Euro
Punks im Jahr 1988 in der DDR auf dem Helmholtzplatz. Volkspolizisten beschlagnahmen einen teuren, kaum zu erstehenden Kassettenrekorder und ziehen genüßlich das braune Band aus der Kassette. Marco haut dem Polizisten eins in die Fressse, erobert sein Gerät zurück und flüchtet in die Raumerstraße. Heimatkunde und Geschichte. Man könnte meinen, das Buch zum ZDFFilm mit Veronica Ferres und Heino Ferch sei etwas schlicht geschrieben. Das Buch können jüngere Menschen wie ein erzählendes Geschichtsbuch lesen. Wie sich in der Gethsemanekirche Widerstandspotenzial sammelte, wie die Angst vor militärischem Einsatz umging. Wie sich die Parteigenossen aufregen, daß die große Demo auf dem Alexanderplatz im Fernsehen zu sehen ist. „Das ist ja ekelhaft. Und das übertragen die auch noch!“ Mit einem kurzen, abschließenden Beitrag vom Chef des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig, Prof. Rainer Eckert.
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Max Liebermanns Garten am Wannsee, Günter u. Waltraud Braun, Nicolai Verlag, 119 Seiten, 24,90 Euro
Über den Garten von Liebermann ein tolles Buch zu machen, ist ja wirklich kein Kunststück. Da nimmt man die schönsten Gemälde von Liebermann und stellt ein Foto dagegen, wie schön es heute wieder aussieht. Als Betrachter kann man nur ins Schwärmen geraten und geduldig warten, bis es wieder ein bißchen wärmer wird. Betörende Farben der Blumenterrassen, witzige Wege wie hier links auf dem Titelbild mit Birken genau in der Mitte des Fußwegs. Eine Texteinführung erinnert an den 1935 verstorbenen Liebermann und seine Gattin, die sich 1943 das Leben nahm, um nicht nach Theresienstadt deportiert zu werden. Ein Dank der Gartendenkmalpflege von Berlin, Gratulation dem Nicolai-Verlag, großes Lob für das Engagement der Max-Liebermann-Gesellschaft!
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Wallpaper*. City Guide. Berlin. Deutsche Ausgabe, Sophie Lovell, Wallpaper* Group, 120 Seiten, 8,95 Euro
Ich meine, das ist ein Buch für junge Frauen. City Guide heißt in diesem Fall, sagen wir Mal, wenn die jungen Italienerinnen nach Berlin kommen und gucken, was es wo zu Shoppen gibt, Täschchen, Schühchen, bißchen Wellness und viel Architektur. Spindler & Klatt an der Spree, der Club Solar im Saskatchewan-Hochhaus. Wahrscheinlich der einzige Reiseführer, der ohne Brandenburger Tor auskommt. Die Reisebuchverlage besprechen gern Konzepte für zeitgemäße Reisebücher mit uns – ein Segment wird durch diese Reihe abgedeckt. „Diese Reiseführer sind Ihre Eintrittskarte zum Besten, was die Welt zu bieten hat.“
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Deutsche Geschichte. Von 1871 bis zur Gegenwart. Wie Deutschland wurde, was es ist, Peter Zolling, Deutscher Taschenbuch Verlag, aktual. Neuauflage, 410 Seiten, 12,95 Euro
Woodstock, RAF, Kohl bei Gorbatschow. Peter Zollinger war beim Spiegel Chef für Zeitgeschichte, hat ein Händchen für die richtige Schwerpunktsetzung und kann gut erzählen, für Oberschüler und junge Erwachsene verständlich. Das Buch sieht dick aus, ist geeignet für Menschen, die sich die vergangenen 150 Jahre vor Augen führen möchten, ohne wissenschaftlich einzusteigen zu wollen. Es ist umfangreich mit Abbildungen versehen. Ob jeder Historiker die Meinung von Zollinger teilt, daß „der Irrweg des nationalen Machtstaatsgedankens … in die Katastrophe der beiden Weltkriege hineinführte“, wie Prof. Hans Mommsen im Vorspann schreibt, ist von nicht so großer Bedeutung. Das Buch geht chronologisch vor wie ein echtes Geschichtsbuch, verknüpft Fakten, Entscheidungen, Zitate.
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Über die Deutschen, Eine kleine Kulturgeschichte, Alexander Demandt, Propyläen, 496 Seiten, 24,90 Euro
Kein geschichtlicher Durchgang wie oben bei Zolling, sondern die thematisch gegliederte Betrachtung eines abgeklärten Herrn, der das Ganze im Blick hat. Wie Land und Leute zusammenkamen, wie Haus und Familie zusammengehören, wie Dorf und Stadt entstanden, welche Rolle Dichter und Denker spielten, wie sich unser Rechtssystem herausbildete. „Im Gegensatz zum Rückgang der Wildtiere hat sich die Zahl der Haustiere enorm vermehrt … Ebenso hat sich die Flora Deutschlands seit der Römerzeit stetig erweitert. Dutzende von Obst- und Gemüsesorten aus südlichen Ländern bereichern unsere Gärten, die prachtvollsten Zierblumen stammen aus dem Orient … Es findet in der Natur ein ständiges Ab- und Zuwandern von Lebewesen statt, die sich nicht an Landesgrenzen, sondern an Daseinsbedingungen orientieren.“
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Friedenau erzählt. Geschichten aus einem Berliner Vorort. 1871-1914, Hermann Ebling, edition Friedenauer Brücke, 352 Seiten, 39,00 Euro
Fürst Bismarck in Friedenau, der Kaiser in Friedenau, ein Zeppelin über Friedenau. Das ist ein schönes Heimatkundebuch! Seit 1897 gibt es mitten in Friedenau die Kreuzungsbezeichnung Kaisereiche an der Rhein-, Saar, und Schmiljanstraße, aber nie amtlich. Überraschend viele Fotos, von großbürgerlichen Häusern, Aufmärschen des Männerturnvereins, Colonialwarenläden und eleganten Bahnhöfen. Das Personenregister führt von Willibald Alexis über Döblin, Friedrich Engels, Kautsky, Alfred Kerr, Rosa Luxemburg bis zu Trotzki. In Friedenau? Der auch? Ja, echt, bei Kautsky auf der Couch. Schwerpunkt des Buchs sind gut ausgewählte und knapp kommentierte Texte von Friedenauern wie Theodor Heuss, Christian Morgenstern, Georg Hermann, vom Gründer und Entwickler Carstenn bis heute.
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Potsdamer Plaudereien, Dorothee Goebeler, Edition Terra, 119 Seiten, 14,90 Euro
Ein kleiner Band zum Schmökern,in den Zwanzigern von leichter Hand erzählerisch geschrieben „von Gedanken und Gefühlen, Träumen und grünen Ufern“. Dicke Fischfrauen und schneidige Schaffner auf den Fotos.
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Die Geschichte der Juden in Deutschland, Arno Herzig/Cay Rademacher (Hrsg.), Ellert & Richter Verlag, 351 Seiten, 29,95 Euro
In dem Buch, das mit der jüdischen Antike im Heiligen Land lange vor Christi Geburt beginnt, ist der Geschichte der Juden in Berlin ein ausführliches Kapitel gewidmet. „Die Verlegerfamilien Ullstein und Mosse, die Kaufhaus-Dynastien Tietz und Wertheim oder das Viertel rund um den Hausvogteiplatz zeigen, wie selbstverständlich vor dem schließlich mörderischen Rassenwahn der ‚Völkischen‘ Juden in Berlin reüssierten“, schreibt Kellerhoff in der Welt. Die meisten Synagogen wurden zur Kaiserzeit gebaut, überall in Berlin. Bismarck kam zur Eröffnung der Synagoge in der Oranienburger Straße 1866, Wilhelm II. im Jahr 1912 zur Einweihung der Synagoge in der Fasanenstraße. Wie die jüdische Kunst, Kultur und Wissenschaft Deutschland prägte, dazu gibt es eigene Kapitel.
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Hammerstein oder der Eigensinn, Eine Deutsche Geschichte; Hans M. Enzensberger, Reinhard Müller, 375 Seiten, Suhrkamp Verlag, 22,90 Euro
Hermann Rudolph widmet dem Buch im Tagespiegel fast eine Seite, Kellerhoff eine in der Welt. Hammerstein ist ein widerständiger NS-General,einst höchster Soldat der preußisch-deutschen Reichswehr. Eine ganze Familie voller Zivilcourage. Historisch und sprachlich-literarisch extrem gut durchdrungen. Geschichtsdarstellung allererster Güte, ein Vorbild für die Historiale.
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Gartendenkmale in Berlin. Friedhöfe; Jörg Haspel, Klaus von Krosigk, Landesdenkmalamt Berlin (Hg.), Michael Imhof Verlag, 384 Seiten. 34,95 Euro
Wenn Sie Berlin sammeln, gehört dieses Buch unbedingt dazu. Gartenbaudirektor Klaus-Henning von Krosigk sowie der Landeskonservator Jörg Haspel haben es herausgegeben. Viele Luftaufnahmen dienen der Orientierung, denn im Stadtbild sind die Friedhöfe oft gar nicht zu sehen. Spektakulär hingegen ist die gestalterische Vielfalt, die hohe architektonische Kunst der Mausoleen, die zur Ruhe ermutigende Gartenplanung. Erzählt werden die Geschichten der Friedhöfe selbst, vorgestellt werden prominente oder interessante Grabstätten, schmiedeeiserne Grabgitter, kunstvolle Reliefdarstellungen. Es geht nicht systematisch um die Biografien der Verstorbenen wie in den kleinen Museumsführern des Luisenstädtischen Bildungsvereins. Und immer wieder kommen Friedhofsengel vor: Auf einer hohen Säule wie im Schloßpark Tegel, ganz klassisch wie auf dem Friedhof Marienfeld oder modern wie in Dahlem. Viele Friedhöfe wurden ursprünglich vor der Stadt, vor der Akzisemauer angelegt.
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Jugendopposition 1933-1945. Ausgewählte Beiträge. Mit einem Geleitwort von Johannes Tuchel, Kurt Schilde (Hg.), Lukas Verlag, 185 Seiten, 16,90 Euro
Es geht um einführende und überblicksartige Darstellungen ebenso wie um die Mikroanalyse einzelner oppositioneller Gruppierungen, schreibt Johannes Tuchel im Vorwort, der Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Schildes Buch ist eher universitär, gründlich, dennoch anschaulich mit Briefen, Dokumenten und Fotos belegt und illustriert. In Berlin geht es zum Beispiel um die Widerstandsgruppe um Herbert Baum, einem jungen kommunistischen Funktionär aus jüdischer Familie. Die Gruppe führte einen Brandanschlag auf die anti-sowjetische Ausstellung „Das Sowjet-Paradies“ der Nationalsozialisten durch. Es war die erfolgreichste aller politischen Ausstellungen in der NS-Zeit. Ein Denkmal sowie eine erklärende Gedenktafel im Lustgarten nahe dem Dom erinnern daran. Über 30 Seiten Quellenangaben.
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Denkmalpflege in Berlin und Brandenburg. Kirchen des Mittelalters; Landesdenkmalamt Berlin, Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege, Archäologisches Landesmuseum (Hg.); Michael Imhof Verlag, 312 Seiten, 39,95 Euro
Berlin ist nicht so reichlich gesegnet mit mittelalterlichen Kirchen. Die archäologischen Untersuchungen in den Stadtkirchen St. Marien und St. Nikolai sind ausführlich dargestellt, ebenso die Funde in und um die Heilig-Geist-Kapelle. Dafür haben sich in Brandenburg reichlich mittelalterliche Kirchen erhalten. Darüber ging eine Tagung von Denkmalpflegern und Archäologen, deren Ergebnisse hier festgehalten sind. Im Gegensatz zum eher volksnahen Buch über Friedhöfe steht hier oben auf der Seite die wissenschaftliche Dokumentation im Vordergrund.
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natürlich Berlin! Naturschutz- und NATURA 2000-Gebiete in Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (Hg.), Verlag Natur & Text, 256 Seiten plus Karte Maßstab 1:50 000, 10,00 Euro
Auf alle Fälle mitbestellen, das dicke und sehr schöne Buch über die Natur in Berlin kostet wirklich nur 10 Euro einschließlich herausnehmbarer Karte. Nur durch Opernbesuche können Sie Ihre Steuern schneller zurückholen. Man könnte Ratespiele veranstalten: In welchem Loch tummelt sich die Kleine Moosjungfer? Wo gibt es in Berlin Armleuchteralgen? In welcher Stadtbrache treibt sich der Steinschmätzer herum … und kriecht er oder fliegt er? Gibt es auch außerhalb Kreuzbergs Knoblauchkröten? Auf welcher Streuobstwiese gibt es noch den Klarapfel, den man unbedingt für Omas Gericht „Himmel und Erde“ braucht?
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Berlin. Potsdamer Platz 1994-2001.Die bauliche Entwicklung in Luftbildern. Gleisdreieck. Potsdamer Platz. Tiergartentunnel B96; Oltman Reuter (Fotograf); Luftbildverlag Berlin, 168 Seiten, 14,80 statt 29,80 Euro
Zwei verlagsneue Bücher zum halben Preis. Erinnern Sie sich, wie die Spree verlegt wurde? Tolle Aufnahmen.
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Berlin. Der Spreebogen. 1994-2001. Die bauliche Entwicklung in Luftbildern. Lehrter Bahnhof. Regierungsbauten. Pariser Platz; Oltman Reuter (Fotograf), Luftbildverlag Berlin, 168 Seiten.Hardcover. 14,80 statt 29,80 Euro
Der Potsdamer Platz kahl, schwimmend, wachsend. 1994? Noch nichts da. Fotos über A4 Größe.
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Das Berlin Buch 2008, Zitty Verlag GmbH, 218 Seiten, 9,90 Euro
Was geben Sie ihren Gästen außer einem (hoffentlich nicht veralteten) Reiseführer? Es soll ja noch was Praktisches dabei sein, das Lebensgefühl der Stadt ebenso vermittelnd wie die Wege zu interessanten neuen Galerien und Museen oder ein berlintypisches Phänomen, die Zwischennutzung. „Die sozial Schwachen werden nach und nach verdrängt,“ heißt es in dem Beitrag. Das kann man so sehen, man könnte aber auch sagen, sie erhalten eine Chance, wie zum Beispiel die seit zehn Jahren zwischennutzende Berlin Story. Wir kommen übrigens dreimal vor, aber nicht als Zwischennutzer, sondern als Service- und Informationspunkt, den Keiner auslassen sollte. Merian und Geo legen nicht jedes Jahr ein neues Heft auf, auch fehlt in manchen großen Heften ein ausführlicher, richtig aktueller Serviceteil. Das Berlin Buch wird in jedem Jahr deutlich besser.
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Die chinesische Delegation, Luo Lingyuan, Roman, dtv Premium, 260 Seiten, 14,50 Euro
Das ist ein wunderbarer Roman über eine chinesische Reisedelegation auf dem Weg durch Europa, aber hauptsächlich durch Berlin. Hier eine Szene: Der „Kommandant“ will seine Stadt in China moderner, alles Alte soll weg, er braucht einen deutschen Architekten. Der bringt zum Einstand Schnaps mit. „Hm, so eine Whiskeyflasche habe ich in China noch nie gesehen. Das muß schottische Originalware sein.“ „Die Europäer sind anders als wir“, sagt der Multimillionär Li mit dem Ton eines Weltkenners. „Die fälschen nicht alles. Das ist bestimmt echter Whisky.“ Die Spannungen innerhalb der chinesischen Gruppe werden ebenso unterhaltsam und treffend geschildert wie chinesischer Überlegenheitsdünkel und völliges Unverständnis vieler Europäer. Lustig, lehrreich, global. Ich war in einer Nacht durch, als hätte ich nichts zu tun.
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Tolle Torten. Cafés & Konditoreien. Berlin, Birmingham, Hans-Dieter Lucas, HADIS edition
Limited, 160 Seiten, 12,90 Euro
Ein Wegweiser zu den besten Konditoreien und Cafés in Berlin und gleichzeitig ein Backbuch mit exakten Rezepten. Hans-Dieter Lucas ist ein rundum Talent. Er hat das Buch konzipiert, geschrieben und vor allem auch fotografiert. Glückwunsch! Torten zu fotografieren ist bestimmt genauso schwer wie das Backen derselben. Da wir faul sind, immer verbrämt mit dem Argument „keine Zeit“, nehmen wir gern die guten Tipps in Anspruch. Also zum Beispiel die Himbeer-Tart im Wiener Caffeehaus am Hagenplatz. Man erfährt nicht, daß man hier auch Helmut Kohl begegnen kann. Bei Kuchen-Kaiser am Oranienplatz wäre interessant, daß sie früher Torte nach New York flogen. Macht alles nichts, NUR auf die Torte kommt es an!
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Träume Bilder. Bilder Träume. Die Geschichte der UFA von 1917 bis heute. Mit einer Einleitung von Hans Helmut Prinzler, UFA Film & TV-Produktion GmbH (Hg.), Nicolai Verlag, 168 Seiten, 29,90 Euro
Gute Zeiten – schlechte Zeiten. Das war die erste Daily Soap eines deutschen Senders und die beste Entscheidung von RTL. Der Quotenerfolg brachte mehr Werbeeinnahmen als jede andere Sendung. Rosa Roth, Bella Block, Stauffenberg, Nicht alle waren Mörder, Katharina die Große, Der Tunnel, Dresden oder Die Frau vom Checkpoint Charlie – auch das sind alles UFAProduktionen. Das Buch beginnt aber vorn, mit dem Cabinet des Dr. Caligari und Dr. Marbuse, führt zur Propagandamaschine des Dritten Reichs mit Münchhausen, Junge Adler und Kolberg, über die Nachkriegszeit mit Die Mörder sind unter uns.
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Villa Borsig, Gästehaus des Auswärtigen Amtes und Akademie Auswärtiger Dienst, Wienand,
96 Seiten, 29,80 Euro
Zum Glück geht es weniger um das Auswärtige Amt als um die Villa sowie um Borsig und Tegel. Der Großvater des Bauherrn war August Borsig, Gründer der Eisenbahndynastie. Der Präsident des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, Florian Mausbau, lobt das kleine Sanssouci des Industriebarons am Tegler See. Im ehemaligen Maschinenhaus ist jetzt die Verwaltung. Aus dem Seepavillon wurde die Kantine. Mausbach kennt sich aus mit der Rettung alter Bauten. In seiner Jugend als Maoist trug er entscheidend dazu bei, Bethanien zu retten. Ein sehr schönes Buch, bißchen teuer für vom AA finanziert.
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Industriekultur in Berlin. Die 115 wichtigsten Bauten des Industriezeitalters; Jörg Raach, Landesdenkmalamt Berlin (Hg.), L&H Verlag, 200 Seiten, 24,80 Euro
Das Buch hat lange gefehlt und wir hoffen, daß es noch mehr dieser Art geben wird. Denn die Industriekultur geriet zu lange ins Abseits. Die Gewerbehöfe in Kreuzberg sind dokumentiert, diese Pracht des Pelikanhauses oder des Ritterhauses in der Ritterstraße oder der Engelbeckenhof. Die phantastischen Ziegelbauten der AEG sind in Bild und Text beschrieben, Brauereien, die Osram-Höfe, KPM und Siemens, Druckereien und Wasserwerke. Schindler-Aufzüge, Ullstein-Haus und Sarotti in Tempelhof-Schöneberg, die Kulturbrauerei, der Pfefferberg und der Zentralvieh- und Schlachthof. Eines der wenigen ganz großen Unternehmen, die bis heute erfolgreich dastehen, global handeln, ist die Knorr-Bremse. Keine S- oder U-Bahn, kein ICE ohne Knorr-Bremse. Die historischen Gebäude von Alfred Grenander am Ostkreuz werden jedoch heute anders genutzt. Schönheit und phantasievolle Nutzung kommen in dem Buch zur Geltung.
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Prinz-Albrecht-Straße 8. Der authentische Bericht des letzten Überlebenden von 1945, 53 Abbildungen, Karten und Dokumente, Bernd Horstmann (Hg.), Komet Verlag, 352 Seiten, 8,90 Euro
Das ist der unglaubliche Bericht eines unglaublichen Mannes. Horstmann wurde bekannt unter dem Pseudonym Stefan Murr. Er schrieb 20 Krimis und gründete am 2. Februar 1986 mit zwanzig anderen Autoren das Syndikat, die Vereingung deutscher Kriminalschriftsteller. Daß er der letzte Gefangene in der Prinz-Albrecht-Straße war, daß er das Kriegsende in der Zelle erlebte, daß sein Großvater Ludwig Ganghofer war, all das erzählte er bei dem Treffen in Stuttgart nicht. Erst zehn Jahre später bearbeitete er seine Aufzeichnungen, die er als junger Mann nach dem Krieg niedergeschrieben hatte. Horstmann setzte sich entschieden dafür ein, daß die Straße den angestammten, historisch bedeutungsvollen Name Prinz-Albrecht-Straße zurückerhält.
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Eiserne Zeiten. Ein Kapitel Berliner Industriegeschichte. Aus den Sammlungen der Stiftung Stadtmuseum Berlin; Elisabeth Bartel, Annette Bossmann (Hg.); Verlag Willmuth Arenhövel, 132 Seiten, 15,00 Euro
Das Stadtmuseum hat ein Händchen auch für Industriegeschichte. Berliner Eisen ist ja vom Feinsten, echte Kunst. Deswegen fängt die Ausstellung mit Schmuck an, Schmuck von damals und Eisenschmuck von heute. Wir waren verblüfft, als wir vor Weihnachten mit mehr als zehn Mitarbeitern die Ausstellung besuchten. Berliner Eisen sind aber auch Schinkel-Möbel, das Kreuzberg-Denkmal, die (alte) Jannowitzbrücke, der U-Bahnhof Wittenbergplatz und die Rossebändiger auf dem Dach des Alten Museums. Die Ausstellung selbst bis zum 2. März ist so interessant wie das Buch.
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Unser Weg ist gut! Die wunderbare Werbewelt der DDR, Volker Weinhold, Prestel Verlag, 96 Seiten, 19,95 Euro
Ba du san kam von der VEB Gerana-Kosmetik aus Gera in Plaste-Tierchen, sieht man hier ja. Fotograf Weinhold hat den Produkten im Nachhinein einen ästhetisch schönen Rahmen gegeben. Florena Creme wird durch Spielmäuse aufgewertet, Orwocolor durch Ansichtskarten.
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Aufblasbarer Berliner Fernsehturm, 80cm hoch,PVC, silber, dreifarbig bedruckt, 12,90 Euro
Das ist das angemessene Geschenk für alle aufstrebenden Menschen und für Liebhaber der Stadt. Saugt sich durch den runden Pfropf selbst fest.
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