Newsletter 14 – September 2005
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Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,
liebe Freunde der Berlin Story,
drei neue Bücher erscheinen Ende September, die am Donnerstag, 29. September 2005 um 19.30 Uhr von Lothar Heinke vom Tagesspiegel in Form eines Gesprächs mit den Autoren in der Buchhandlung vorgestellt werden. Der Eintritt ist frei. Für jedes Buch gibt es im Internet ausführliche Informationen. Wir bieten Ihnen außerdem zwei Veranstaltungsreihen an.
Weiter hinten finden Sie die Besprechungen neuer Buchtitel.
Vor den Werbetexten, mit denen wir die Bücher vorstellen, möchte ich etwas Persönliches sagen. Wir haben Glück mit den Autoren und auch mit der Gestaltung. Erstmals hat ein Grafiker sich gründlich drangesetzt, aus mehreren Buchtiteln eine Reihe zu entwickeln. Till Kaposty, der für Zeitschriften und Buchverlage arbeitet, verbindet soliden, klassischen Aufbau mit modernem Design. Wir freuen uns. Wir in der Buchhandlung sind glücklich und die Autoren auch, daß es keine selbstgestrickten Buchlayouts gibt. Wobei man sagen muß, daß unsere vorherigen Bücher ebenfalls gut gestaltet waren. Großes Glück haben wir auch mit den Autoren. Als wir die Idee entwickelten, ein Buch zur Humboldt-Universität zu machen, war es nicht einfach, jemanden zu finden, der die Fähigkeit hat, Jahrhunderte und eine schier unfaßbare Breite an Themen zwischen die Buchdeckel zu bekommen. Da meldete sich unser Auszubildender Buchhändler Gianluca Falanga. Herr Falanga hat in Italien und Dänemark Literatur studiert. Darüber hinaus glänzt er mit einem geradezu enzyklopädischen Wissen. Er hat also über lange Strecken auf Freundin, vino rosso und entspannte Abende in seinem geliebten Kiez Prenzlauer Berg verzichtet und nächtelang geschrieben. Das hat sich gelohnt. Und so werben wir für das Buch:Die Humboldt-Universität
Einen Prachtbau für seinen Bruder Heinrich und dessen Festlichkeiten stellte sich Friedrich der Große vor, als er 1749 die Fassade so skizzierte wie wir die Humboldt-Universität heute kennen. Aus dem Prinz-Heinrich-Palais wurde 1810 eine Hochschule, die 29 Nobelpreisträger hervorbrachte, aber auch den berüchtigten „Generalplan Ost“. Heute umfaßt die intellektuelle Spannbreite der Universität die gesamte klassische Bildung bis hin zu weltweiten Spitzenleistungen in Medizin und Naturwissenschaften. Das Buch schildert, wie die politischen Verhältnisse die Universität prägten, früher, zur Kaiserzeit, im Dritten Reich und in der DDR sowie heute.

Die geistigen Väter der Universität sowie die berühmtesten Studenten werden in 37 Porträts vorgestellt: von den großen Denkern des deutschen Idealismus bis zu Naturwissenschaftlern, die Medizin und Technik revolutionierten. Dazu noch Beiträge über einige der bahnbrechendsten philosophischen und wissenschaftlichen Theorien des 20. Jahrhunderts, die an der Berliner Universität hervorgebracht wurde, und eine Übersicht über Lehr- und Forschungstätigkeiten aller elf Fakultäten.
Gianluca Falanga studierte in Turin und Kopenhagen Literatur. Er veröffentlichte bisher in Italien Gedichte und akademische Aufsätze. Seit 2002 lebt er in Berlin.
Webseite zum Buch: www.Humboldt-Universitaet-Buch.deMichael Bienert kenne ich seit dem Wendesommer 1989. Wir waren beide bei der taz. Ich war einige Monate angestellt, bis sich rausstellte, daß die Frauenquote noch nicht erfüllt war und ich nicht übernommen wurde. (Beim Europäischen Parlament danach war es auch ganz gut). Michael Bienert kam als Freier und schrieb schon ganz jung glänzende Texte. Inzwischen hat er die Stadt durchdrungen, laufend für Zeitungen und Zeitschriften geschrieben sowie mehrere Bücher über Berlin veröffentlicht. Mit den Zwanziger Jahren beschäftigt er sich tatsächlich seit zwanzig Jahren intensiv. Die gesellschaftlichen Verhältnisse damals kennt er aus dem Effeff. Seine Sprache ist enorm dicht, gebildet, aber nicht überkandidelt. Mit Elke Linda Buchholz hat er eine hervorragende Ko-Autorin gewinnen können. Frau Buchholz ist nicht nur Kunstexpertin für die Zwanziger Jahre, sondern hat auch Monografien über Picasso, Kandinsky und Goya geschrieben, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Sie kennt sich in der Frauenkunst-geschichte hervorragend aus, hat zuletzt in Deutschland und den USA den Prachtbildband Woman Artists (bei Prestel) veröffentlicht und darauf geachtet, daß das weibliche Berlin der Zwanziger Jahre in dem neuen Buch nicht zu kurz kam.Die Zwanziger Jahre in Berlin
Ein Wegweiser durch die Stadt
Dreigroschenoper, Bubikopf, Dada, Bauhausarchitektur, Metropolis, Strassenkämpfe – der Mythos der Zwanziger Jahre prägt bis heute das Bild Berlins. Er zieht Touristen in die Stadt und inspiriert die Berliner Stadtplanung und Architektur, das Theater, das Kino und die Literatur. An manchen Orten ist der Geist der Weimarer Republik noch greifbar: an Baustellen wie dem Alexanderplatz, auf S- und U-Bahn-Strecken oder in Wohnanlagen der Zwanziger Jahre, in jüngster Zeit sorgfältig restauriert. Die Umgestaltung der Museumslandschaft seit der Wiedervereinigung hat neue Anlaufpunkte geschaffen, an denen man sich über Film, Malerei, Design, Geschichte und Stadtentwicklung zwischen 1918 und 1933 informieren kann.

Zum ersten Mal liegt nun ein Stadtführer vor, der hilft, die Zwanziger Jahre mit all ihren Facetten im wiedervereinigten Berlin wiederzuentdecken. Zahlreiche Abbildungen, Register und ein Serviceteil erleichtern die Orientierung.
Michael Bienert, Autor zahlreicher Bücher zur Kulturgeschichte Berlins, schreibt als Journalist für den »Tagesspiegel« und die »Stuttgarter Zeitung«. Elke Linda Buchholz hat mehrere Bücher über Bildende Künstler (u. a. Picasso, Goya) veröffentlicht, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden.
Webseite zum Buch: www.Zwanziger-Jahre-in-Berlin.de
Sven Scherz-Schade haben wir mit diesem Buchprojekt kennen gelernt. Von Kunden sind wir immer wieder nach Kirchen in Berlin und Kirchengeschichte gefragt worden. Auch hier fielen allgemeines und persönliches Interesse zusammen. Daß wir auch mit Sven Scherz-Schade Glück hatten, werden Sie am Ergebnis feststellen können. Er schreibt seit vielen Jahren über Kirche in Berlin und macht darüber Radiosendungen. Nicht, daß er die Texte aus den Ärmeln schütteln konnte, aber es ist doch so, daß man fühlt, wie er in der Materie steckt.Kirchen in Berlin
Jeder soll nach seiner Façon glücklich werden, das war zur Zeit Friedrichs des Großen einmalig in Europa – und diese Toleranz blieb dominierende Geisteshaltung in Berlin. Eine unkirchliche Stadt? Es scheint nur so. In dieser kurzen Kirchengeschichte stehen die Menschen im Mittelpunkt. Die Pfarrer, die Gemeinden, die Widerstandskämpfer werden vorgestellt, immer im Spiegel der politischen Verhältnisse und der religiösen Standpunkte, darüber hinaus auch Architektur und Kunstgeschichte von Gotteshäusern verschiedener Konfessionen.

Ein lebendiger historischer Durchgang baut den Spannungsbogen von Reformation und Glaubensflüchtlingen bis heute auf. Prachtarchitektur und bescheidene Feldsteinkirchen werden vorgestellt; riesige Bauten für das Militär, platzsparende Straßenfrontkirchen für Berlins Arbeiterbezirke. Synagogen, Moscheen und Tempel zeigen, wie vielfältig das religiöse Leben in Berlin und Potsdam ist.
Sven Scherz-Schade ist Journalist für Kirchenzeitungen und den Hörfunk, studierte an HU sowie TU, wo er 2004 promovierte. Das religiöse Leben Berlins ist Schwerpunkt seiner Arbeit.
Webseite zum Buch: www.Kirchen-in-Berlin.de
Im Zusammenhang mit diesem Buch konnten wir zwei vergriffene Titel besorgen, die wir Ihnen jetzt günstig anbieten können:
Alte Kirchen in Berlin
gebunden, 317 Seiten, früher 39,80 Euro, jetzt 16,95 Euro.
Schinkels Vorstadtkirchen
gebunden, 257 Seiten, früher 50 Euro, jetzt 24,95 Euro.
Die Hohenzollern – Geschichte und Kunst einer Dynastie
Veranstaltungsreihe mit Dr. Gerhild Komander, Eintritt 5 Euro, 4 Euro ermäßigt
Das umfassende kulturelle Engagement der Hohenzollern, insbesondere für die Künste, ist weitgehend unbekannt. Das liegt einerseits daran, dass die Geschichte der Hohenzollern-Dynastie in Darstellung und Urteil von der Geschichte Preußens überlagert wird, andererseits sich Legenden hartnäckiger halten als Tatsachen – der Alte Fritz ist wesentlich populärer als Friedrich II. Der Aufstieg zu Reichtum, Macht und Ansehen gelang den Hohenzollern durch Kaisertreue und das Erbe ihrer Frauen. Dennoch liegt der Schwerpunkt bewußt auf der männlichen Seite der Geschichte. Die Frauen der Hohenzollern schauen wir uns vielleicht später an.
Geänderte Termine, ab dem 6. Oktober um eine Woche verschoben.
Mehr dazu auf www.berlinstory.de/aktuelles/veranstaltungen/
Donnerstag, 15. September 2005, 19.30 Uhr
Die Anfänge der Hohenzollern und der Ursprung des Kurfürstentums Brandenburg
Donnerstag, 22. September 2005, 19.30 Uhr
Der Große Kurfürst und Louise Henriette von Nassau-Oranien
Donnerstag, 06. Oktober 2005 (= neuer Termin)
Die ersten beiden Könige der Hohenzollern
Donnerstag, 13. Oktober 2005 (= neuer Termin)
Friedrich II.
Donnerstag, 20. Oktober 2005 (= neuer Termin)
Friedrich Wilhelm II., III. und IV.
Donnerstag, 27. Oktober 2005 (= neuer Termin)
Die Hohenzollern im Kaiserreich
Vortragsreihe: Unter den Linden
Unterhaltsame Geschichten rund um eine berühmte Strasse
In Kooperation mit Frauentouren www.Frauentouren.de. Alle Veranstaltungen beginnen um 19.30 Uhr. Eintritt: 10 Euro.
Mehr dazu auf www.berlinstory.de/aktuelles/veranstaltungen/
Mittwoch, 21. September 2005
Damit es von Nutzen sei. Die Kurfürstin Dorothea, ihre Dorotheenstadt rechts der Linden
Mittwoch, 19. Oktober 2005
Rosen-Emil. Zuhälter und Kokotten Unter den Linden zur Kaiserzeit. Szenische Lesung
Mittwoch, 16. November 2005
Die Pferdelenkerin vom Brandenburger Tor. Siegesgöttinnen und ihre Mythen
Mittwoch, 21.Dezember 2005
Der berühmteste Weihnachtsmarkt Berlins. Marktweibergeschichten und Rezepte
Mittwoch, 25. Januar 2006
1896: Die erste Anwältin Berlins eröffnet ihr Büro Unter den Linden. Mit Lesung
Mittwoch, 15. Februar 2006Die wahre Effi Briest. An die Öffentlichkeit gebracht von Helene Hermann. Inszenierung
Renaissance der Mitte, Zentrumsumbau in London und Berlin, Harald Bodenschatz (Hg.), Verlagshaus Braun, 461 Seiten, 98 Euro
Die Autoren vergleichen Stadtplanung, Architektur und die Inszenierung des öffentlichen Raums in London und Berlin. Kritische Rekonstruktion, Planwerk Innenstadt und Nutzmischung hier, Büros, „Wow“-Architektur und Fast Food Restaurants dort. Im Vergleich wird deutlich, was wir in städtebaulicher Hinsicht durch die traditionelle Haltung vieler Beteiligter und der Öffentlichkeit erreicht haben. Die Stadtplanung beider Städte wird solide von der Gründung an entwickelt. Aktuelle Diskussionen der Fachleute und der Einfluß der gesellschaftlichen Kräfte werden deutlich. Das Buch kostet mehr als der Flug nach London. Aber dadurch, daß einem die Augen geöffnet werden, lohnt es sich, London aus diesem Blickwinkel anzusehen.
Goya, Der große Katalog zur Ausstellung, DuMont, 372 Seiten Hardcover, 39,90
Ein Katalog, der inhaltlich und formal vorbildlich ist. Hervorragender Druck. Man könnte die vielen ganzseitigen Abbildungen direkt rahmen. Anschauliche Texte, nicht kunsthistorisch verschnarcht. Goya wird als Künstler dargestellt, aber die gesellschaftliche und politische Situation im Umschwung von Barock über die napoleonische Zeit bis zur wieder eingesetzten bourbonischen Monarchie ist als Bezugspunkt immer präsent. Auch die Künstler seiner Zeit werden beschrieben, wodurch Goyas besondere Rolle hervortritt.
Brücke und Berlin, 100 Jahre Expressionismus, Nicolai, 375 S. Hardcover, 39,90 Euro
Den Höhepunkt ihres Schaffens erlebten die Künstler der Brücke während der Weimarer Republik. Daher kommen sie auch in unserem Buch über die Zwanziger Jahre vor, aber natürlich viel kürzer und bescheidener. Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein, Otto Mueller und Emil Nolde waren vor den Zwanzigern verpönt und unter den Nazis wurden sie geächtet und aus den Museen entfernt. In der steifen Kaiserzeit waren diese Künstler Paradiesvögel mit ihren farbenfrohen, naturnah-sinnlichen und auch rauschhaften Gemälden. Schick, versnobt und gleichzeitig komisch wirken die Menschen in den Berliner Straßenszenen von Kirchner.
Max Liebermann, Frauke Berchtig, Prestel, 96 Seiten Hardcover, 24,90 Euro
Der gesamte Max Liebermann von seiner Kindheit und Jugend im alten Berlin, aus seiner Sicht eine herrliche Zeit, weil er aus einer Familie von Multimillionären stammte, bis zum „fürchterlichen Alptraum“ der aufziehenden Nazizeit. Jedes der großformatig abgebildeten Gemälde strahlt die unendliche Nähe und Liebe zu den Menschen aus. Wir werden anhand eines nicht zu umfangreichen Textes und auch kleinerer Skizzen durch das Leben von Max Liebermann und seiner Frau Martha geführt.
Theater in Berlin nach 1945, vier Bänden, Henschel, 4 x 128 Seiten, nur 19,95 Euro
Nachkriegszeit, Schauspiel, Nach der Wende und Musiktheater sind die Titel der aufwendig gestalteten Bücher der Stiftung Stadtmuseum Berlin. Theater werden vorgestellt, Schauspieler, Stücke, Bühnenbilder, Plakate. Die ganz erstaunliche Vielfalt und Dynamik der Berliner Bühnen wird präsentiert mit rund 250 Abbildungen pro Band. Erschienen 2001 bis 2003, also ganz aktuell, früher zusammen 49,90 Euro.
Die Arbeit selbst ist das Vergnügen, Leopold von Ranke und Edwin von Manteuffel, Briefwechsel und Schriften 1870 bis 1884, Ingrid Hecht, 240 Seiten, 19,90 Euro
Ein Briefwechsel zwischen Ranke und Manteuffel. Ich glaube, ich habe noch nie einen Briefwechseln gelesen und immer gedacht, man muß schon ganz schön in die Jahre kommen, bis man das tut und spannend findet. Entweder ist es nun so, daß ich in die Jahre gekommen bin, oder etwas anderes fasziniert mich. So viel Privates, so viele spontan geäußerte Gedanken und Empfindungen findet man sonst nicht, möglicherweise in Tagebüchern. Beide, der Historiker und der Militär, eng befreundet, gingen natürlich nicht davon aus, daß ihre Brief einmal veröffentlich werden. Ranke und Manteuffel werden zunächst in Kurzbiographien vorgestellt. Den Abschluß des Buchs bilden die politischen Denkschriften, mit denen beide ihren Einfluß auf die Politik von Friedrich Wilhelm IV geltend machten. Darum geht es auch in den Briefen, die im Mittelpunkt stehen, um die Diskussion aktueller Fragen zwischen 1870 und 1884. Sie berichten sich gegenseitig von ihren Gesprächen mit dem König, von ihren Projekten, vom Zaren und dem Krieg mit den Türken, von Manteuffels aktuellen Schlachten und Siegen.
Stadt des Menschenraubs, Berlin 1945 bis 1961, Material aus dem Bundesarchiv, Heft 15, bearbeitet von Arthur L. Smith, Jr., übersetzt von Hermann Graml. Koblenz 2004, 180 Seiten, 11, 50 Euro
Eine Bleiwüste ist dieses Buch, alles aneinandergeklatscht. Um die Geschichte der Berliner Entführungen zu recherchieren, mußte der Autor die damalig Presse studieren, vor allem aber heute an die Archive der Geheimdienste kommen. Die Akten aber, die nach dem amerikanischen Freedom of Information Act frei sein sollten, bleiben weiter unter Verschluß, nach amerikanischen Angaben, weil die deutsche Regierung der Freigabe nicht zustimme Es haben sich damals unvorstellbare Dinge abgespielt. Die Anzahl der durch die Sowjets aus West-Berlin entführten Menschen läßt sich nicht genau beziffern. Die SPD sprach Anfang der fünfziger Jahre von 6455 Personen, amerikanische Angaben von 1871 Menschen. Das Buch sammelt und beschreibt, der Stoff ist schier unglaublich, die Dramaturgie leider gelegentlich etwas ermüdend, aber darauf kommt es hier nicht an, wir lesen ja keine Fiction.
Der Große Kurfürst, Hans-Joachim Neumann, edition q, 207 Seiten, 16,40 Euro
(Eine Besprechung von unserem Kunden Dr. Peter Erlenwein)
Das Buch schließt eine Lücke in der Reihe preußischer Biographien, da der Große Kurfürst bislang nur in Sammelbiographien vertreten ist. Der Autor, Hans-Joachim Neumann, ist Ärztlicher Direktor an der Charité und der Humboldt-Universität; allein die dadurch geweckte Neugier hätte genügt, das Buch zu kaufen. Hier schreibt ein Naturwissenschaftler ein Buch und wagt sich eine auf eine fremde Wiese. Wohltuend zu lesen. Der Autor nimmt sich selbst zurück, ohne sein spezifisch fachliches Interesse, die Krankheiten seines Protagonisten, zu verleugnen. Auch ist nichts von der Besserwisserei vieler anderer Biographen zu spüren, die sich als heutige Gutmenschen überheblich im Tugendbewußtsein ihrer „modernen Ethik” über Menschen und Kulturen äußern, die sie mehr als Material für ihre Selbstdarstellung nutzten, als uns einfach zu erzählen, wie es gewesen ist. Die Sprache ist klar und verständlich, wie von einem Naturwissenschaftler zu erwarten.
Straßenbahnarchiv DDR, Berlin und Umgebung, Transpress, 356 Seiten, 19,90 Euro
Reprint aus dem Jahr 1987 über das größte Straßenbahnnetz Deutschlands. Pferdebahn, Große Berliner Straßenbahn A.G., Vorortbahnen, Elektrische, Teltower, Cöpenicker, Spandauer, Steglitzer Bahn, Johannisthal. Streckenentwicklung , Technik, Waggons, massenhaft Fotos, Grafiken, Statistiken und Pläne.
Denkmal für die ermordeten Juden Europas
64 Seiten Broschur, Prestel, 7,95 Euro; 182 Seiten Hardcover, Nicolai, 24,90
Im Mittelpunkt des ausführlichen Bandes von Prestel steht die Ausstellung im unterirdischen ort der Information, die hier einschließlich ihrer Entstehung gezeigt wird. Diese Ausstellung ist tatsächlich beeindruckend. Wir berichteten mehrmals im Tagebuch auf der Homepage der Berlin Story darüber. Außerdem geht es natürlich um das Denkmal selbst und die Diskussionen darum. Das kleinere Buch von Prestel ist deutsch und englisch und stärker fotografisch orientiert, es vermittelt einen Überblick über Denkmal und Diskussion, geht nicht so in die Tiefe und spart die Ausstellung fast aus.
Uwe Timm, Der Freund und der Fremde, Benno Ohnesorg, K & W, 174 S., 16,90 Euro
Der Autor war wirklich mit Benno Ohnesorg befreundet, der am Juni 1967 von Polizeimeister Kurras in Berlin erschossen wurde. Uwe Timm, Jahrgang 1940, ist Autor von „Morenga“, „Entdeckung der Currywurst“, „Johannisnacht“, „Rot“. Literatur macht aus, daß Gedanken, die einen gelegentlich eher streifen, so auftauchen, wie man sie selbst nicht in Worte fassen kann. Bei Timm ist das immer so („Rot“ hatten wir im Rundschreiben besprochen) und hier wird eine Zeit behandelt, ganz persönlich, ganz offen, in der die Gesellschaft der Bundesrepublik sich häutet. Zwei bildungsbeflissene junge Männer treffen zusammen, reden über Literatur, gründen eine Zeitschrift. Danach verlieren sie sich aus den Augen. Timm wird nach einer Lehre als Kürschner und der Übernahme des väterlichen Betriebs erfolgreicher Autor. Und Benno Ohnesorg, der Schaufenstergestalter gelernt hatte, bevor beide sich im Braunschweig-Kolleg trafen, erleidet einen absurden, schrecklichen Tod. Das Buch hat mich tief berührt.
Der Verleger Axel Springer, Claus Jacobi, Herbig, 354 Seiten, 70 Fotos, 24 Euro
Unser Buchgroßhändler KNO, Koch, Neff und Oetinger, von dem wir täglich die Bücher geliefert bekommen und der unsere Bücher ausliefert, hat Axel Springer die ersten 100 000 Mark gegeben. Ist das nun gut oder schlecht? Spiegel-Chef Augstein sagt, es habe vor und nach Hitler keinen so mächtigen Mann in Deutschland gegeben, die beiden Kaiser und Bismarck ausgenommen, wie Axel Cäsar Springer. Er hat sich mit Adenauer angelegt, als es um die Mauer ging, Türen geknallt, den Alten einfach stehen lassen und weiter für die deutsche Einheit und gegen die „DDR“ gekämpft. Er hat aber auch seinen Anteil an der Kampagne gegen die APO, die „Enteignet Springer“ forderte, und den Folgen, die zu den Schüssen auf Rudi Dutschke führten. Von den Terroristen war sein leben bedroht. Claus Jacobi, der Springer Jahrzehnte kannte, der Chefredakteur des Spiegel und der Welt am Sonntag war, berichtet über dieses widersprüchliche Leben.
Neben den hier besprochenen Büchern liefern wir Ihnen natürlich gern auch jeden anderen Titel. Der Mindestbestellwert ist 10 Euro, das Porto beträgt unabhängig von der Bestellmenge 4 Euro. Noch mehr Bücher und Buchbesprechungen finden Sie im Internet unter www.BerlinStory-Shop.de.
Wir schicken Ihnen gern diesen Rundbrief und weisen darauf hin, daß Sie im Internet auf unserer Homepage www.BerlinStory.de immer aktuell über Klatsch und Tratsch, aber auch unsere Produkte informiert werden – auf inzwischen rund 700 Seiten. Imke Schuster, unsere langjährige Geschäftsführerin, ist jetzt bei Dussmann und wird dort die Etage mit der Berlinabteilung leiten.
Ich verabschiede mich bis zum nächsten Rundbrief vor Weihnachten 2005
Wieland Giebel
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