| Berlin Story Verlag | 12. März 2017

Donald Trump und Herschel Grynszpan — krasse Vorwürfe


Timothy Snyder, der amerikanische Geschichtsprofessor und Autor, meint im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung,  es gäbe nur ein Jahr, um die Demokratie vor Trump zu schützen. Dabei bringt er auch ein Beispiel, wie die Nazis den Tod von Herschel Grynszpan als Vorwand für die Reichskristallnacht nahmen.

 

Unterscheiden sich die deutsche und amerikanische Wahrnehmung des Holocaust?

Lassen Sie es mich so sagen: Im Gespräch mit deutschen Journalisten betone ich jene Aspekte des Holocaust, die Deutsche übersehen oder minimieren. Das kann dazu führen, dass die Deutschen Aspekte der historischen Verantwortung übersehen und Lehren aus dem Holocaust ziehen, die zu eng gefasst sind. Amerikaner hingegen können aus dem Holocaust politische Schlussfolgerungen für die Gegenwart ziehen. Wir müssen überlegen, wie die Behandlung der Muslime heute mit jener der Juden zu vergleichen ist. Trumps bisherige Politik ist eine Provokation: Sie soll wohl dazu dienen, ein Ereignis wie den Mord am deutschen Diplomaten Ernst Eduard vom Rath in Paris am 7. November 1938 hervorzurufen. (Anm. d. Red.: Der 17-jährige Herschel Grynszpan schoss zwar am 7. November vom Rath nieder; dieser erlag jedoch erst am 9. November seinen Verletzungen.) Dies nutzte das NS-Regime als Vorwand für die Novemberpogrome. Die Ähnlichkeiten sind unheimlich.

 

Der vollständige Beitrag in der Süddeutschen Zeitung …

 

Das Buch von Armin Fuhrer über Herschel Grynszpan erschien im Berlin Story Verlag …

 

 


| Berlin Story Verlag | 28. Februar 2017

Kaiserzeit und Zwanzigerjahre mit Michael Bienert und Elke Linda Buchholz im Kolbe Museum


Donnerstag, 2. März 2017 um 19 Uhr: Gespräch mit Elke Linda Buchholz und Michael Bienert, den Autoren von Modernes Berlin der Kaiserzeit und der Zwanziger Jahre (Berlin Story Verlag)

Berlin befand sich im Tangofieber, als Georg Kolbe 1912 mit seiner „Tänzerin“ berühmt wurde. Die Stadt zählte über zwei Millionen Einwohner, besaß bereits eine U-Bahn, einen Flugplatz und ein aufregendes Nacht- und Kunstleben. Mit seinem 1928/29 bezogenen Atelierhaus fügte der Bildhauer der Stadt ein bedeutendes Zeugnis des Neuen Bauens in der Weimarer Republik hinzu. Wie lässt sich der Bildhauer in der Metropolenkultur vor und nach dem Weltkrieg verorten? Und wie forscht und arbeitet man eigentlich über die Kulturgeschichte dieser quirligen Zeit? Die Autoren Michael Bienert und Elke Linda Buchholz erzählen im Gespräch mit der Direktorin des Georg Kolbe Museums Julia Wallner aus ihrer Arbeit und stellen ihre Bücher zum Thema vor.

Zeit: 19.00 Uhr

Eintritt: 7 Euro / erm. 5 Euro (Museumseintritt)

Georg Kolbe Museum
Sensburger Allee 25
14055 Berlin

Wir nehmen gerne Anmeldungen für diesen Termin entgegen: info@georg-kolbe-museum.de oder 030-3042144


| Berlin Story Verlag | 14. Februar 2017

Kreuzberg früher, als das Haus besetzt war, in dem heute der Berlin Story Verlag ist


Christoph Wartenberg hat ein Buch über Kreuzberg zur Zeit der Hausbesetzer geschrieben. Das kann man jetzt umsonst und draußen online lesen. Christoph hat damals „Radlust“ gegründet.

Hier ist das ganze Buch – einfach als PDF herunterladen und bitte unbedingt Christoph etwas dazu sagen.

 

Mitte 1981 waren in West-Berlin 168 Häuser instandbesetzt,

die Besetzer behaupteten sogar, es seien über 265 besetzte

Häuser, die meisten in Kreuzberg 36. Die Subkultur begann

nach Kreuzberg zu ziehen, der Bezirk wurde der angesagteste

Ort Westeuropas, er versprühte weltweit seinen Charme als

buntkreativer Schmelztiegel.

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Eines Abends, es war der 7. Juli 76, saß ich gelangweilt in

der kleinen Küche, hörte an dem umgebauten Röhrenradio

dem Polizeifunk zu.

„ City 43 meldet Reifenschaden. Weitere Streifenfahrt nicht

möglich. Was sollen wir machen ?“ „Standort ?“

„Hier City 43. Wir befinden uns Lehrter Straße. Vor dem

Haupteingang der Frauenvollzugsanstalt. Wir können nicht

weiterfahren. Was sollen wir machen ?“

„Hier DRQ, an City 43, Technischer Dienst erst zur

Frühschicht ab 6 Uhr erreichbar. Am Fahrzeug verbleiben.

Wir schicken Kräfte zur Aufnahme.“

„An DRQ , hier City 23. Haben ebenfalls Reifenschaden.

Standort Perleberger Straße.“

Pause im Polizeifunk .

„City 23 meldet: Mehrere Reifentöter auf der Perleberger

Straße. Was sollen wir tun?“ „Hier DRQ, an City 23. Am

Standort verweilen. Wir schicken die Straßenreinigung.“

… Die Perleberger und die Lehrter Straße sind übersät mit

Reifentötern. Erbitten Kräfte zum Sperren der Straße.“

Dann entdeckte einer der Beamten ein Seil aus Bettlaken an

der Gefängnismauer.

Heilloses Durcheinander brach aus. Man benachrichtigte die

Gefängnisleitung. Weitere 10 Minuten später hatten sie

endlich kapiert, was los war.

„Haben sie gehört, dass eine Anarchistin ausgebrochen ist,

mit Bewaffnung? Gut, auf Eigensicherung achten.

„ DRQ an alle: 2 Uhr 54, mit einer Durchsage:

Ausbruch von fünf weiblich, bewaffneten Frauen aus der

Haftanstalt Lehrter Straße. Weiteres ist nicht bekannt. Es ist

auf verdächtige Personen und Fahrzeuge zu achten.“

„Hier noch mal DRQ an alle, bitte schreibbereit halten, ich

gebe jetzt die vier Namen der geflüchteten weiblichen

Personen durch: 1. Inge Viett, 12.01.44 , 2. Gabriele Rollnik,

14.05.50, 3. Monika Berberich, 23.10.42, 4. Juliane

Plambeck, 16.07.52 .  .“

Wir riefen ein Taxi und fuhren bis zur Turmstraße.

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BROKDORF 2

Mit viel Wut über diesen Staat fuhr ich mit Sabine am 13.

November, mitten im „Deutschen Herbst“, zur zweiten Anti-

AKW Großdemo nach Brokdorf.

Die Regierung drohte jedem, der sich auf den Weg zu der

Demo macht, ernsthafte persönliche Konsequenzen an,

trotzdem kamen über 40 000 Menschen nach langer

beschwerlicher Anreise mit stundenlangen Fußmärschen über

die matschigen Felder der Wilster Marsch bis an die

Baustelle des Atomkraftwerkes, noch mal so viele blieben an

den zahlreichen Straßensperren der Polizei hängen. Die Ost-

Vopos klärten uns übrigens bestens über die vielen

Kontrollpunkte der Polizei auf.

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Während einer langen Nacht stellten wir Hunderte von den

später legendären schwarzweißen „Freistaat Kreuzberg“

Buttons her. Diese konnte man nicht kaufen, man musste sie

sich verdienen. Sie waren so was wie ein Mitgliedsausweis

für Insider vom erträumten Freistaat Kreuzberg. Diesen

Button erhielt nur, wer garantiert ein guter Mensch war. Der

Button war heiß begehrt. Wir mussten ständig nach pressen.

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Der ganze Block wurde für mehrere Monate abgesperrt.

Zusammen mit einigen Kommunarden und Freunden wollten

wir uns das ansehen.

Wir dachten, die üben den Krieg gegen uns.

In der Kohlfurter Straße 42 holten wir uns noch frische

Informationen über das Manöver der Amis. …

Wie es sich für ordentliche Kreuzberger gehört, ignorierten

wir die Absperrungen und pflanzten uns in die Mitte der

Mondlandschaft. Um uns herum kletterten die GI`s über

Trümmer, seilten sich von Dächern ab, marschierten

Trampelpfade entlang, schossen mit Platzpatronen, fuhren

mit Jeeps umher, übten Aufstandsbekämpfung und

Häuserkampf. Sie beachteten uns gar nicht.

Dicht neben mir kam ein Trupp im Gleichschritt

anmarschiert, alles Schränke von 2 mal 2 Metern. Einer der

US-Soldaten schob mich mit seinem Gewehr zur Seite und

ich flog ein paar Meter durch den Staub. Wir gaben Vollgas

nach Hause, um diesen Monster-Kampfmaschinen aus dem

Weg zu gehe …

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Mehr zufällig landeten wir im Kaufhaus Hertie. In kleinen

Gruppen sickerten wir in die Lebensmittelabteilung ein, nach

ca. 15 Minuten wollten wir uns vor einer der Kassen treffen

und dann mit unseren Tüten voll Delikatessen losrennen.

Wir waren uns sicher, dass keine Kassiererin beim Anblick

von zwölf starken Lederjacken irgendein Theater machen

würde …

Wir kamen in die Nähe der Kassen, ich sah die anderen, die

fast vollzählig in der Schlange standen.

Plötzlich fielen Schüsse, mehrere hintereinander, es brach die

totale Panik aus, Schreie und Rauch erfüllte die Luft, überall

rannten die Leute durcheinander, viele warfen sich auf den

Boden, Regale stürzten um, Stimmen überschlugen sich,

keiner blickte durch, was hier abgeht. Ich wurde mit dem

Strom der Flüchtenden nach draußen gespült, in der Hand

eine Plastiktüte mit 2 Flaschen Edelchampagner. Ich rannte

mit meinem Begleiter was das Zeug hielt die Fußgängerzone

entlang. In der Kantstraße stoppten wir ein Taxi und ließen

uns nach Kreuzberg fahren.

Völlig aufgelöst, weil ich überhaupt nicht klar kriegte, was …

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Jemand kam auf die Idee, als Ausweg aus der

Finanzkrise Ausländer zu heiraten. Dies sollte für jeden

Mann 2000 bis 3000 DM und für jede Frau 5000 DM

einbringen. Man konnte so nicht nur eine Menge Kohle für

wenig Arbeit bekommen, sondern außerdem die rassistische

Ausländerpolitik austricksen, Solidarität mit Minderheiten

zeigen und der bürgerlichen Spießigkeit eins auswischen.

Also heirateten wir wie verrückt. Ich bekam eine Jugoslawin

ab, die ich erst einen Tag vor der „Hochzeit“ zu Gesicht

bekam, ein Schock, weil die mindestens 15 Jahre älter war

und fast meine Mutter sein konnte. Der Standesbeamter

musste glauben, dass ich total einen an der Schüssel habe,

zumal die alte Frau kein Wort deutsch sprach, oder er

erkannte den Heiratsschwindel und schwieg. Ich bekam

meine Kohle, 2500 DM, wovon die ganze Gruppe

mindestens einen Monat lang vorzüglich gelebt hat …

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Mit der Einkaufswagenmethode wurden ganze Supermärkte

leer geräumt. Mit 2 extrem vollgepackten Einkaufswagen

ging man zur Kasse, und während die arme Kassiererin den

zweiten Wagen eintippte, verschwand man mit dem Ersten.

Bloß kamen die Supermärkte bald hinter diesen Trick,

stellten Wachen auf und immer mehr von uns wurden

erwischt.

Nicht mehr feierlich wurde es, als einige aus dem Haus dazu

übergingen, die neu entstandenen Bioläden leer zu räumen.

Dort war hinter der Kasse kein Widerstand zu erwarten, was

soll eine kleine Ökoemanze auch tun angesichts einiger

bedrohlicher Lederjacken.

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Maiwiderstand

An einem schönen leuchtend blauen Sonntag im Mai ging der

Kreuzberger Widerstand auf die Dächer. „Der Himmel

gehört uns“.

Aus jedem Haus, das entweder besetzt war oder in dem

Mitglieder des „Freistaates Kreuzberg“ wohnten, kletterten

die Bewohner mit bunten Fahnen, Transparenten und

Trommeln auf ihr Dach. Ausgehend von den am östlichsten

gelegenen Häusern in der Cuvrystraße sollten Nachrichten

von Dach zu Dach weitergegeben werden, bis zum weit

entfernten Kukuck in der Anhalterstraße. Fast auf jedem

zweiten Kreuzberger Dach saßen Freaks, wehten mit ihren

Fahnen, trommelten wild durcheinander auf Bongos oder

Kochtöpfen

In unserem Kiez waren u.a. besetzt:

Die Waldemar Straße 32 , 33 , 35 , 36 , 37 , 40 , 41 , 42 , 52

Adalbert Straße 6 , 22 , 24 , 74 , 81 , 83 , Naunyn Straße 36,

58 Oranien Straße 3 , 14 , 44 , 45 , 197 , 198 , Mariannen

Straße 48 , Manteuffel Straße 40 , 41 , 90 , 97 , 108 ,

Luckauer Straße 3 , Leuschnerdamm 7 , 9 , 37 , 39 , Wüste

Sahara

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Am 16. Mai fand auf Hitlers Paradestrecke, rund um die

Siegessäule auf der Straße des 17. Juni, die alljährliche

Militärparade der 3 West-Alliierten statt. Diesmal unter

verschärften Sicherheitsvorkehrungen. Schon im Vorfeld

nahmen nervöse Polizisten über 50 Leute fest, zwischen den

vorbeirollenden Panzern und den jubelnden Zuschauer baute

sich eine Perlenkette aus Ordnungshütern in voller

Kampfmontur auf.

Trotzdem gelang es immer wieder einigen Kleingruppen, die

Absperrungen zu durchbrechen und so für kurze Zeit die

ohrenbetäubend lauten Panzer zu stoppen, bevor sie

festgenommen wurden. Eine Gruppe von 10 Nackten konnte

sogar auf einen Panzer klettern und eine große

Regenbogenfahne schwenken.

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Als weitere „behördliche“ Institution gründeten wir die

„Kiez-Feuerwehr“. Denn der „Warme Abriss“, beauftragte

Brandstiftung leerer Häuser, ging fleißig weiter. Wir klauten

zig Dutzende Feuerlöscher aus Tiefgaragen oder den

Universitäten und verteilten sie im Mieterladen, im

Frontkino, im Heilehaus. Radlos baute einen speziellen

Fahrradanhänger, für 20 Feuerlöscher, Seile, Schaufeln und

Äxte. Er kam ein paar Mal zum Einsatz und verhinderte

Schlimmeres.

So langsam bekamen wir unseren Kiez unter Kontrolle. Es

ging nichts mehr GEGEN uns.

Jede Kleinigkeit, die Vermieter an ihren Häusern vornehmen

wollten, musste vom Mieterladen akzeptiert werden und

danach auch von den Mietern in den Mieterversammlungen …

 

Das Buch von Christoph Wartenberg hat 416 Seiten … Viel Spaß beim Lesen.

 

 

 


| Berlin Story Verlag | 12. Februar 2017

Harald Sandner bei den Grünen in Coburg


Wenn man in der privilegierten Situation in Berlin lebt, wo an jeder Ecke alles historische aufgearbeitet wird, kann man sich fast gar nicht vorstellen, wie in anderen Städten noch ein Hauch von Ende der 50er oder Anfang der 60er Jahre weht.

 

In Coburg ist das so. Harald Sandner, der Autor des Hitler Itinerars, berichtete bei den Grünen in Coburg über die Vergangenheit der Stadt.

 

“ … Der Beifall am Ende des Vortrags und die fast einstündige Diskussion zeigte, dass Harald Sandner für die Zuhörer ein wichtiges Thema getroffen hatte. Die Grünen in Coburg bleiben auf jeden Fall in Sachen Aufarbeitung der Coburger Geschichte dran. Auch weil wir es dieser Stadt schuldig sind. Denn nur, wenn wir uns auch den dunklen Seiten der Vergangenheit zuwenden, können wir uns der Gegenwart und Zukunft stellen. Andere Städte wie Nürnberg, München oder Berlin haben das getan. Coburg hat dies noch vor sich …“

 

Lesen Sie den gesamten, ausführlichen, außerordentlich informativen Beitrag über die Veranstaltung der Grünen zu Coburg und Hitler

 


| Berlin Story Bunker, Berlin Story Verlag | 6. Februar 2017

Reclam Universalbibliothek. Heute: Wie Adolf Hitler zum Führer wurde


Im Berlin Story Bunker entsteht gerade die große Ausstellung zum Nationalsozialismus „Hitler – wie konnte es geschehen“. Der Titel ist angelehnt an „Wie war Hitler möglich?“, den allerersten Satz in der maßgeblichen 2000-Seiten-Hitler-Biographie von Ian Kershaw.

 

Eine Frage ist: Wie entstand eigentlich der Führermythos? Wer hat daran mitgewirkt? Fragen wir doch einfach mal eine laut Wikipedia „Sammlung auf hohem Niveau“, nämlich die Reclam Universalbibliothek. Dort erschien das Heft „Wie Adolf Hitler der Führer wurde“ bis 1936 in vier Auflagen mit insgesamt 104.000 Exemplaren. Dann wurde das Heft von der parteiamtlichen Prüfungskommission aus dem Verkehr gezogen.

 

Die Reclam Universalbibliothek hört, wenn man sich das bei Wikipedia ansieht, 1918 auf und fängt dann 1947 wieder an. Dazwischen war nix. Lost in a time rip. Das hier abgebildete Heft ist allerdings im Jahr 1933 erschienen und wird zu einem Exponat der Ausstellung.

 

 

 

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